Radio Hamburg

Nach Datenpanne

Social-Network Google Plus ist Geschichte

New York, 09.10.2018
Google+

Ein Erfolg war das soziale Netzwerk "Google Plus" nie. Nach einer Datenpanne zieht der Software-Riese den Stecker und stellt die Plattform ein.

Ganz ehrlich - Nutzer hatte die Plattform nie und wahrscheinlich wird sich auch kein ein User mehr an seinen letzten Besuch beim sozialen Netzwerk "Google Plus" erinnern. Nach einer Software-Panne, bei der App-Entwickler scheinbar unberechtigten Zugang zu privaten Nutzerdaten hatten, zieht Google nun einen Schlussstrich unter seinen Misserfolg und schließt die Plattform.

2011 als Facebook-Konkurrent gestartet

Eigentlich hatte Google sein Netzwerk 2011 als direkte Konkurrenz zu Facebook gestartet. Wirklich durchsetzen konnte sich das Netzwerk trotz zeitweiser Zwangsregistrierung für Youtube-Nutzer und Co. allerdings nie. Die Datenpanne sieht Google jetzt also als Anlass, um die Pforten bei "Google Plus" dicht zu machen. Entwickler hätten durch die Panne auf den Namen, die E-Mailadressen sowie Beschäftigung, Geschlecht und Alter von Nutzern zugreifen können, wie Google am Montag (08.10.) erklärte. Bis zu 438 Apps hätten demnach auf die unerlaubte Schnittstelle zurückgegriffen.

Google-Datenleck seit 2015

Google erklärte, dass das Leck seit März 2018 bekannt und daraufhin umgehend behoben worden sei. Bestanden habe die Lücke aber bereits seit 2015, wie das "Wall Street Journal" schreibt. Google habe zwar keine Hinweise auf einen Datenmissbrauch, habe aber auch nicht genug Informationen, um ihn vollständig auszuschließen, heiße es darin. Potenziell könnten Profile von bis zu 500 000 Konten bei Google Plus betroffen sein, erklärte der Internet-Konzern unter Verweis auf eine Analyse der Daten von zwei Wochen im März. 

Google Plus bleibt für interne Kommunikation aktiv

So ganz will sich Google aber nicht von seinem sozialen Netzwerk trennen. Man schließe die Plattform ausschließlich für die öffentlichen Verbraucher. Google Plus werde derzeit von Verbrauchern kaum genutzt - und 90 Prozent der Interaktionen dauerten weniger als fünf Sekunden, erklärte der Konzern. Die Einstellung der Verbraucherversion solle nach einer zehnmonatigen Übergangszeit Ende August kommenden Jahres abgeschlossen werden. Für die interne Kommunikation in Unternehmen soll "Google Plus" weiter betrieben werden.

Besseres Datenmanagement für Android-Nutzer

Dennoch wird der Datenskandal für Nutzer der Google-Betriebssystems Android weitreichende Änderungen nach sich ziehen. Die Nutzer werden präziser bestimmen können, welche Daten sie mit einer App teilen wollen, wie Google ankündigte. Grundsätzlich würden weniger Apps Zugriff auf Anruflisten und SMS-Daten bekommen.  Außerdem werde auch der Zugriff von App-Entwicklern auf die E-Mails in Googles GMail-Dienst stärker eingeschränkt. 

Wie unsere Reporter das Datenleck und die Schließung des Netzwerkes einschätzen, hört ihr jetzt auch in unserem Nachrichten-Podcast. Klickt und hört doch mal rein!

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(dpa/san)