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Armutsbericht

Jeder sechste Hamburger von Armut bedroht

Hamburg, 02.03.2017
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Wie arm sind die Menschen in Deutschland? Mehrere Verbände haben jetzt einen aktuellen Armutsbericht vorgestellt.

Doch diese offizielle Statistik ist auch umstritten, vor allem wegen der Methode, die zu Erhebung der Daten führt.

Jeder sechste Hamburger ist nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes von Armut bedroht. Die sogenannte Armutsrisikoquote verharre mit einem leichten Anstieg von 15,6 auf 15,7 Prozent auf einem hohen Niveau, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes vom Donnerstag (02.03.). Die Hansestadt liegt damit genau im bundesweiten Durchschnitt. Für Familien mit drei und mehr Kindern sei das Armutsrisiko gesunken, für Rentner dagegen auf einen neuen Höchststand gestiegen.

Alter als Armutsrisiko?

"Das Alter wird in Hamburg immer stärker zum Armutsrisiko", sagte der geschäftsführende Vorstand Joachim Speicher. Waren 2006 noch 5,9 Prozent der Rentner von Armut bedroht, so habe sich die Quote bis 2015 auf 13,6 Prozent mehr als verdoppelt. Vor allem von Armut bedroht seien Erwerbslose (58 Prozent), Alleinerziehende (36,4 Prozent), Hamburger mit Migrationshintergrund (30,3 Prozent) und - trotz Besserung - Familien mit mehr als zwei Kindern (30 Prozent). Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte zur Verfügung hat - das sind 942 Euro bei einem Einpersonenhaushalt und 1978 Euro bei einer Familie mit zwei Kindern.

Kritik an der Statistik

Unter Experten gilt die Methode als fragwürdig, weil sie eher Einkommensunterschiede als Armut misst. Sie sei "unseriös und schwachsinnig", sagte der Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik Walter Krämer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Niemand, der sich ernsthaft mit dem Thema befasst, nimmt die offizielle Statistik noch ernst", sagte der Wissenschaftler von der TU Dortmund. Der Statistikexperte wirft den Sozialverbänden vor, kein Interesse an der tatsächlichen Entwicklung in Deutschland zu haben. "Dabei käme nämlich heraus, dass Armut seit Jahren sinkt." (dpa/apr)