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Nach grausamem Mord an Zweijähriger

Das ist über Opfer und Familie bekannt

Hamburg, 25.10.2017
Trauer nach Mord an Zweijähriger

Trauernde haben Kerzen und einen Teddy vor das Haus gelegt, in dem die zweijährige offenbar von ihrem Vater getötet wurde.

Nach der Ermordung seiner zweijährigen Tochter in Neugraben-Fischbek ist ein 33-jähriger Pakistani immer noch auf der Flucht. Die Familie war den Behörden aber bekannt.

Unsere Recherchen haben ergeben, dass es in der vom Jugendamt betreuten Familie eine schon längere Geschichte häuslicher Gewalt gab, die Kindsmutter den letzten Schritt zur Trennung von ihrem Mann aber nicht rechtzeitig gegangen ist.

Die 32 Jahre alte Mutter der Zweijährigen sei am Montagabend zur Polizei gegangen, um Anzeige gegen ihren Ehemann wegen Bedrohung zu erstatten, sagte ein Polizeisprecher. Gemeinsam mit Polizisten fuhr sie dann zur Wohnung der Familie, die nach Angaben der Ermittler aus Pakistan stammt. Dort wollten die Beamten dem Ehemann ein Hausverbot erteilen. Beim Betreten der Wohnung entdeckten sie das tote Mädchen.

Der verdächtige 33-Jährige war verschwunden. Die Mutter erlitt einen Schock und wurde betreut. Die Frau hat außerdem einen Sohn, der ebenfalls betreut wurde. Bevor sie zur Polizei ging, hatte sie den Sechsjährigen anderswo untergebracht.

Der Vater soll 2011 nach Deutschland gekommen sein. Nach mehreren abgelehnten Asylanträgen hatte er Widerspruch eingelegt. Das Verfahren läuft noch.

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Die Nachbarn sind geschockt

"Grauenhaft, traurig", sagt Nachbarin Fatma Keklikci. In die Betroffenheit der etwa 40 Jahre alten Frau mischt sich Wut. "Es ist Wahnsinn, ich könnte echt Schimpfwörter sagen." Den 33-Jährigen beschreibt sie als "hochaggressiv". In der Wohnung der Familie sei es oft laut geworden. Die Polizei sei einige Male gekommen, auch Mitarbeiter des Jugendamts.

Eine Sprecherin des Bezirksamts Harburg bestätigt, dass die Familie dem Jugendamt bekannt war. Laut Polizei gab es mehrere Fälle von häuslicher Gewalt. Keklikci sagt, die Mutter habe offensichtlich keinen Kontakt zu Nachbarn haben dürfen, nicht mal "Guten Morgen" habe sie gesagt.

"Wir haben echt Angst", sagt Bäckereiverkäuferin Saliha Gajiran. Zur Tatzeit habe sie bei Freunden Kaffee getrunken, auf dem Heimweg am späten Abend sah sie zahlreiche heranrasende Polizeifahrzeuge. Sicherheitshalber habe sie sich von ihrem Mann abholen lassen. Im Stadtteil leben viele Menschen mit Migrationshintergrund, das Viertel ist aber kein Ghetto. Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie höhere Wohnblocks stehen nah beieinander. Das Haus in dem die Tat geschah, ist ein zweistöckiger Plattenbau. Das Gebäude wurde vermutlich in den 70er Jahren errichtet und ist etwas in die Jahre gekommen. Auf der Wiese vor dem Haus gebietet ein Schild: "Fußballspielen und Hunde verboten - Grünflächen schonen". Vor den Eingang wenige Meter weiter haben Nachbarn zwei Teddys und mehrere Kerzen gestellt.

(dpa/aba)