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Radio Hamburg

Alle Infos zu Beratung und Transplantation

Organspende in Hamburg rückläufig

Hamburg, 07.02.2018
Organspende

In Hamburg ist die Zahl der Organspender drastisch gesunken.

Die Zahl der Organspender in Hamburg ist im vergangenen Jahr stark gesunken. 2017 haben die Organe von 24 Verstorbenen zu Verfügung gestanden.

Um der rückläufigen Zahl von Organspenden entgegenzuwirken, müssen Hamburgs Krankenhäuser künftig mindestens einen Transplantationsbeauftragten haben. Zugleich sollen die 22 Kliniken, in denen Organe entnommen werden, der Gesundheitsbehörde berichten, wie viele Menschen tatsächlich für Organspenden in Frage gekommen wären.

"Täglich sterben in Deutschland Menschen, weil sie vergebens auf ein Spenderorgan gewartet haben", sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag in Hamburg. Es sei höchste Zeit, diesen Negativtrend umzukehren. Nach dem Entwurf des neuen Landesgesetzes, das noch die Bürgerschaft verabschieden muss, sind die 22 Entnahmekliniken verpflichtet, die Transplantationsbeauftragten nach einem festen Schlüssel von anderen Aufgaben freizustellen. Eine vergleichbare Regelung gebe es sonst nur in Bayern, sagte Prüfer-Storcks.

Tag der Organspende

Alle Infos zur Organ- und Gewebespende

  • Informieren

    Mit dem Thema Organ- und Gewebespende sollte man sich vor einer Entscheidung intensiv auseinandersetzen, um dann eine persönliche Entscheidung treffen zu können. Die eigene Entscheidung sollte in einem Organspendeausweis festgehalten werden und danach am besten bei den persönlichen Papieren bei sich getragen werden. Damit seid Ihr auch im Notfall auf der sicheren Seite.

  • Mit Angehörigen sprechen

    Hat man sich für oder gegen eine Organspende entschieden, sollte das Ergebnis den Angehörigen mitgeteilt werden. So kennen diese den eigenen Willen und können im Fall der Fälle im entsprechenden Sinne handeln.

  • Ausweis am Körper tragen

    Der Organspendeausweis ist ein verbindliches Dokument der eigenen Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende. Deshalb sollte dieser immer zusammen mit den Personalpapieren bei sich geführt werden. Im Notfall wird er dann schneller gefunden. Anders als bei der Knochenmarkspende gibt es bei der Organspende nämlich keine Registrierung der Spender.

  • Krankenkassen schreiben an

    Seit November 2012 werden alle Personen ab 16 Jahren von ihrer Krankenkasse angeschrieben und zu einer freiwilligen Entscheidung aufgefordert. Dazu stellen die Krankenkassen kostenlose Organspendeausweise und Infomaterialen zur Verfügung.

  • Diese Organe kann man spenden

    Spenden lassen sich die Organe: erz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie Hornhaut der Augen, Herzklappen und Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen (Gewebe). Bei der Knochenmarkspende werden Stammzellen entnommen.

  • Wer kann alles spenden?

    Grundsätzlich kann jeder Mensch Organspender werden. Minderjährige können ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende ab dem 16. Lebensjahr und ihren Widerspruch ab dem 14. Lebensjahr erklären. Eine Einwilligung der Eltern ist dabei nicht notwendig. Eine Begrenzung bis zu welchem Alter eine Spende möglich ist gibt es nicht. Auch Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder sexuelle Orientierung sind keine Ausschlusskriterien. Lediglich wenige Vorerkrankungen schließen eine Organspende direkt aus. Wichtig ist jedoch immer die Feststellung des Hirntodes und die Zustimmung zur Organ- und Gewebespende, denn nur dann dürfen Organe und Gewebe entnommen werden.

  • Welches Körpergewebe kann gespendet werden?

    Körpergewebe kann für viele verschiedene Krankheiten und Verletzungen gespendet werden. So können Augenhornhaut, Blutgefäße, Haut, Herzklappen und Knochen gespendet werden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen körpereigener Spende, also von einer Patientin oder einem Patienten selbst, und dem Gewebe einer fremden, verstorbenen oder auch lebenden Person. Gewebespenden werden in der Regel nicht sofort transplantiert, sondern zunächst in speziellen Gewebebanken gereinigt, aufgearbeitet und konserviert.

  • Was bedeutet Hirntod?

    Der Hirntod bedeutet den kompletten und unwiderruflichen Ausfall aller Gehirnfunktionen und wird deshalb als unwiederrufliches Todeszeichen angesehen. Der Hirntod wird von zwei Ärzten unabhängig voneinander nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt und dokumentiert.

  • Spürt ein hirntoter Patient Schmerzen?

    Bei der Organentnahme werden keine schmerzstillenden Medikamente verabreicht, weil eine Schmerzwahrnehmung beim Hirntod nicht mehr möglich ist. Jedoch können spontan oder als Reaktion auf äußere Reize durch die Tätigkeit des Rückenmarks Bewegungen der Arme und Beine auftreten. Diese Bewegungen, die sogenannten Lazarus-Zeichen, sind für den Hirntod geradezu typisch. Sie haben mit dem personalen Leben des Menschen nichts zu tun und weisen auch nicht auf Schmerzempfindungen hin.

  • Der genaue Ablauf einer Spende

    Sobald der Hirntod festgestellt wurde und eine Zustimmung des Verstorbenen oder der Angehörigen vorliegt, werden der DSO die relevanten Informationen vermittelt, sodass sie sich um weitere Abläufe kümmern kann. Hierzu zählen unter anderem die Koordinierung weiterer Untersuchungen, die Weiterleitung der erhobenen Daten an Eurotransplant zur Ermittlung eines geeigneten Empfängers oder einer Empfängerin oder die Organisation des Transports der entnommenen Organe.

  • Was ist Eurotransplant?

    Neben der DSO ist auch die Stiftung Eurotransplant für den Organspendeprozess verantwortlich. Sie kümmert sich um die Vermittlung der Organe nach Richtlinien der Bundesärztekammer, wobei diese nach Dringlichkeit, Erfolgsaussicht sowie Wartezeit vergeben werden.

  • Was passiert mit dem Körper des Spenders?

    Das Transplantationsteam geht zu jedem Zeitpunkt respektvoll mit dem Körper der oder des Toten um. Die Entnahme findet in einem Operationssaal statt, die Regeln der medizinischen Kunst werden wie bei anderen chirurgischen Eingriffen beachtet. Nach der Entnahme verschließen die Ärztinnen und Ärzte den Körper wieder, um den Patienten zur Beisetzung an die Angehörigen zu übergeben. Ein würdevolles Abschiednehmen ist immer möglich.

  • Die Lebendspende

    Eine Lebendspende ist nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades, zum Beispiel Eltern und Geschwistern, unter Ehepartnern, Verlobten oder unter Menschen, die sich persönlich sehr nahe stehen erlaubt. Es können in Deutschland die Niere oder ein Teil der Leber lebend gespendet werden. Eine Lebendspende muss sehr sorgfältig abgewogen werden. Wie jede andere Operation stellt eine Organentnahme für den Spender ein medizinisches Risiko dar.

2000 Hamburger könnten spenden

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation sank die Zahl der Organspender in Hamburg im vergangenen Jahr stark. Nur 24 Menschen seien nach ihrem Tod Organe entnommen worden, obwohl jährlich etwa 2000 Hamburger für eine Organspende in Betracht kämen. Dies sei der niedrigste Wert seit neun Jahren, sagte Prüfer-Storcks.

Nach Angaben der Techniker Krankenkasse warteten Ende vergangenen Jahres 183 Menschen in Hamburg auf ein lebensrettendes Organ.  Ende 2016 waren Befürchtungen aufgekommen, Unregelmäßigkeiten bei Behandlungsunterlagen von Transplantationspatienten in zwei Kliniken im Großraum Hamburg könnten das Vertrauen potenzieller Spender erschüttern. Im Oktober 2016 wurden von einer Expertenkommission 10 von 25 Lungentransplantationen zwischen 2010 und 2012 beanstandet. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag, dass sie in dieser Angelegenheit noch immer ermittelt.

(dpa/aba)