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Brückeneinsturz in Genua

Wie sicher sind Hamburgs Brücken?

Hamburg, 15.08.2018
Brückeneinsturz in Genua

Nach dem Brückeneinsturz in Genua mit mittlerweile 35 Opfern, geht die Suche nach Vermissten weiter. Experten suchen aber auch nach der Ursache für das Unglück.

Nach dem entsetzlichen Einsturz der Moradi-Autobahnbrücke im italienischen Genau mit inzwischen offiziell 35 Todesopfern, geht die Suche nach unter den Trümmern Verschütteten auch am Mittwoch (15.08.) weiter. Daneben fragen sich Experten, Politiker und Anwohner: Wie konnte das passieren? Und: Kann so etwas auch jederzeit mit anderen Brücken passieren?

Experten suchen nach der Einsturzursache

Wie das italienische Innenministerium erklärte, seien unter den Opfern auch drei Minderjährige im Alter von acht, zwölf und 13 Jahren, nachdem am Dienstagmittag (14.08.) während eines schweren Unwetters der Polcevera-Viadukt auf der Autobahn A10 in mehr als 40 Metern Höhe auf einem etwa 100 Meter langen Stück eingestürzt war und 30 Autos und Lastwagen in die Tiefe gerissen wurden. Innenminister Matteo Salvini machte am Dienstagabend die mangelnde Instandhaltung der Brücke für das Unglück verantwortlich. Die Verantwortlichen müssten für das Desaster bezahlen, "alles bezahlen, teuer bezahlen", erklärte er. Wie die italienische Tageszeitung "La Repubblica" berichtet, seien im ganzen Land 300 Brücken und Tunnel marode. Grund dafür seien die veraltete Infrastruktur und die lückenhafte Instandhaltung.

Deutschlands Infrastruktur vor ähnlichen Problemen

Auch in Deutschland schrillen nach dem Einsturz der Brücke die Alarmglocken. "Unsere Brücken verrotten gefährlich, ein Einsturzrisiko kann inzwischen nicht mehr ausgeschlossen werden", sagte der Bauingenieur und Architekt Richard J. Dietrich dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" am Mittwoch (15.08.). Der Experte sieht vor allem im verwendeten Beton ein Problem, da Schäden erst spät oder sogar zu spät sichtbar werden würden. "Wenn der Beton Risse hat, durch die Feuchtigkeit eindringt, löst sich irgendwann der Zement auf, dadurch rostet die freigelegte Stahlbewehrung, und spätestens dann leidet die Stabilität", so Dietrich. Stattdessen sollte man zu Stahlbrücken zurückkehren, die deutlich langlebiger und weniger schadensanfällig seien.

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Hamburgs brücken laut Verkehrsbehörde sicher

Doch wie ist die Situation in Hamburg. Direkt nach dem Unglück sah sich die Hamburger Verkehrsbehörde noch am Dienstagabend zu einem umfassenden Statement veranlasst und erklärte: "Alle Straßenbrücken in Hamburg sind stand- und verkehrssicher." Man erklärte aber auch: "Ein Unglück wie in Genua kann niemals mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden, ist aber in Deutschland eher unwahrscheinlich." Nach Angaben der Behörde gibt es hierzulande ein erprobtes System von Bauwerksbesichtigungen und -prüfungen nach DIN-Norm. Außerdem seien täglich Wegewarte in der Stadt beziehungsweise Autobahnmeister auf Kontrollfahrten unterwegs. So würden Gefahrenstellen rechtzeitig erkannt. Außerdem greife ein Nachrechnungsprogramm, mit dem potenziell gefährdete Bauwerke überprüft würden. "Wir sanieren Straßen und Brücken mit Hochdruck", so die Behörde.

Behörde überprüft tausende Brücken

Die Verkehrsbehörde ist nach eigenen Angaben für 1.176 städtische Brücken zuständig sowie weitere 297 Autobahnbrücken im Bundeseigentum. Für deren Unterhalt werden jährlich rund 18 Millionen Euro veranschlagt. Die Hamburger Hafenbehörde betreut 119 Brücken, darunter auch die 1974 in Betrieb genommene Köhlbrandbrücke. Deren Lebenszeit wird nach früheren Angaben im Jahr 2030 überschritten sein, weshalb derzeit ermittelt wird, ob sie durch einen höhren Neubau oder einen Tunnel ersetzt werden soll. Schon jetzt gibt es Einschränkungen auf der markanten Hochbrücke, die täglich von bis zu 40.000 Fahrzeugen passiert wird. Für Lastwagen gilt seit 2012 ein Überholverbot.  Auf der A7 südlich des Elbtunnels wird voraussichtlich von Jahresende an eine marode 400 Meter lange Tunnelrampe zwischen Waltershof und der Elbtunnel-Einfahrt abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Anschließend wird dort eine vier Kilometer lange Hochstraße der Autobahn für das hohe Verkehrsaufkommen von mehr als 120 000 Fahrzeugen täglich von sechs auf acht Spuren ausgebaut.  Von Hamburgs Bezirken werden 394 kleinere Brücken verwaltet.

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(dpa/san)