Radio Hamburg

Hamburg-Takt alle 5 Minuten

Fahrpläne sollen überflüssig werden

Hamburg, 02.04.2019
HVV UBahn

Geht es nach der SPD sollen in Hamburg bis 2029 Busse und Bahnen alle fünf Minuten an jedem Ort Hamburgs fahren. Noch gibt es aber Zweifel.

Fahrpläne, das Suchen nach der perfekten Verbindung in der App oder das Nachfragen beim Busfahrer könnte bald der Vergangenheit angehören, denn die SPD will mit dem sogenannten "Hamburg-Takt" Fahrpläne komplett überflüssig machen. Demnach würden Busse und Bahnen alle 5 Minuten an jedem Ort im Hamburger Stadtgebiet fahren. Neben viel Zustimmung für die Pläne, gibt es aber auch Zweifel an Umsetzung, Kosten und Zeitrahmen.

HVV lobt Pläne der SPD

Der Hamburger Verkehrsverbund hat die Pläne der SPD zum sogenannten Hamburg-Takt begrüßt. Es sei erfreulich, dass "das Angebot im öffentlichen Nahverkehr weiter massiv ausgebaut
werden soll", sagte HVV-Geschäftsführer Dietrich Hartmann am Montag (01.04.). "Die Pläne bringen zusätzlichen Schwung in unser Bestreben, das Angebot für die Hamburgerinnen und Hamburger noch deutlich attraktiver zu machen." Klar sei auch, "dass so ehrgeizige Ziele noch mehr modernere und umweltfreundlichere Fahrzeuge bedeuten."

Hamburger sollen nicht länger als 5 Minuten warten

Der Landesparteitag der SPD hatte am Wochenende einen Leitantrag der Parteiführung zum Thema Mobilität und Verkehr beschlossen. Bürgermeister Peter Tschentscher sagte, Ziel sei bis spätestens 2029 die Schaffung eines "Hamburg-Takts", der dafür sorge, dass Menschen nicht länger als fünf Minuten auf Bus, U- und S-Bahn oder andere Mobilitätsangebote warten müssten.

Nur Wahlkampfgetöse?

Auch seitens der Opposition in der Bürgerschaft wurden die Pläne grundsätzlich begrüßt. "Nun muss es nach der Ankündigung aber auch in die Umsetzung gehen", sagte der Verkehrsexperte der CDU, Dennis Thering. Die technischen Voraussetzungen gebe es bereits. Ein Umsetzungszeitraum von zehn Jahren sei daher "nicht nachvollziehbar". Ihm dränge sich der Verdacht auf, "dass es sich bei diesem Projekt bereits um ein wenig Wahlkampfgetöse der SPD handelt und man die Verkehrsprobleme von heute auf Senate von morgen abwälzen will", sagte Thering.

Kritik durch Opposition

"Dieser Senat bleibt groß im Ankündigen, aber klein beim Umsetzen", bemängelte auch sein FDP-Kolllege Ewald Aukes. "Bürgermeister Tschentscher muss konkretisieren, wie sein Plan umgesetzt werden soll: Gilt der Fünf-Minuten-Takt auch im Umland? Was kostet die Anschaffung zusätzlicher Busse und Bahnen? Wo soll das Geld herkommen?" Interessant sei, dass nicht nur der HVV den Fünf-Minuten-Takt sichern solle, sondern auch Shuttleservices neuer Mobilitätsanbieter, sagte Linksfraktionschefin Heike Sudmann. "Die SPD soll gefälligst das HVV-Angebot ausbauen und nicht Privatunternehmen wie der VW-Tochter MOIA einen Absatzmarkt sichern", forderte sie. Außerdem mute es seltsam an, als heutige Regierungspartei ein Versprechen für zehn Jahre später zu machen. "Das wirkt wie ein vorgezogener Aprilscherz."

Grüne sehen richtiges Signal

Beim grünen Koalitionspartner freute man sich hingegen, "dass endlich Dynamik in die Diskussion kommt", wie der Fraktionsvorsitzende Anjes Tjarks sagte. "Der Fünf-Minuten-Takt wird in der Rot-Grünen Koalition schon länger diskutiert und geht in die richtige Richtung." Orientierungspunkt sei für die Grünen Wien, wo die Verkehrspolitik erfolgreich sei, "weil sie mit einer konsequenten Priorität für den Fußverkehr, den Radverkehr und den öffentlichen Nahverkehr" einhergehe. "Für diesen Dreiklang setzen wir uns als Grüne ein, denn er ist die Voraussetzung dafür, dass die Verkehrswende gelingt."

HVV-Angebot weiter verbessern

Um die Verkehrssituation in Hamburgs Westen bis zu einer geplanten Schnellbahnanbindung zu verbessern, plant Rot-Grün eine zusätzliche Busverbindung zwischen Othmarschen und Eidelstedt, eine weitere Haltestelle der Metrobuslinie 3 und Taktverdichtungen. Über einen entsprechenden Antrag soll die Bürgerschaft bei ihrer nächsten Sitzung abstimmen, wie die Fraktionen am Montag (01.04.) mitteilten.

Lest auch: Radio Hamburg Nachrichten: Die aktuellsten News bei uns als Podcast

Informiert zu jeder Zeit. Holt euch die Radio Hamburg jetzt als Podcast aufs Smartphone und Co.

(dpa/san)