Radio Hamburg

Schwere Missstände in Tierversuchslabor

Insider berichten von grausigen Zuständen im LPT-Labor

Neu Wulmstorf, 17.10.2019
Aufnahmen aus dem Tierversuchslabor LPT in Neu Wulmstorf

Schockierende Aufnahmen aus dem Tierversuchslabor von LPT in Neu Wulmstorf.

Nachdem Aktivisten der Tierrechtsorganisation "SOKO Tierschutz" verheerende Zustände in einem Tierlabor in Neu Wulmstorf aufdecken konnten, berichten Insider jetzt zusätzliche, grausame Details.

Die Meldung um grausame Zustände im LPT Tierversuchslabor in Neu Wulmstorf geht seit Montag (14.10.) um die Welt. Mitarbeiter der Tierschutzorganisation "Soko Tierschutz" konnten mehrere Monate in dem Labor drehen, in dem Medikamente, Kosmetika und Lebensmittel an Katzen, Hunden, Hamster, Ratten, Affen oder Kaninchen getestet werden, und haben dabei schockierende Aufnahmen machen können. Bei Affen, die in viel zu kleinen Käfigen gehalten werden, verblutenden Hunden und verstörten Tieren können die Umstände in dem Labor schlichtweg nur als grausam angesehen werden. Inzwischen haben sich mehrere Insider bei Radio Hamburg gemeldet, die ebenfalls hinter die Kulissen des Labors blicken konnten.

Blutverschmierte Mitarbeiter

So hat sich bei uns ein Kurier gemeldet, der jahrelang das Labor im Kreis Harburg beliefert hat. Er berichtet davon, dass er das Gelände niemals betreten durfte und ihm die Lieferungen auf dem Parkplatz abgenommen wurden. "Ich hab nur damals schon gesehen, wie die Mitarbeiter Blut auf Kitteln und Schuhen hatten. Da dachte ich mir nur, was geht da drin nur ab", so der Kurierfahrer. Darüber hinaus hat uns eine ehemalige Anwohnerin angerufen, die in ihrer Kindheit direkt in der Nähe des Labors gewohnt hat. Was sie berichtet, klingt fast wie aus einem Horrorfilm. Ständig seien die Schreie, das Heulen und Jaulen der Tiere zu hören gewesen. Man habe deutlich hören können, dass es den Tieren nicht gut gehen würde.

Ex-Mitarbeiter packt aus

Zudem hat sich ein ehemaliger Mitarbeiter bei Radio Hamburg gemeldet, der vier Monate in dem Labor als Biologielaborant gearbeitet habt. Er war demnach für die artgerechte Tötung, Sezierung und Organentnahme der Tiere verantwortlich. Ziel war es, herauszufinden, was verschiedene Substanzen im Körper und in den Organen der Tiere anrichten. Von außen hätten die Tiere laut des Laboranten einen halbwegs lebendigen Eindruck gemacht, von innen habe man dann aber doch teils gravierende Veränderungen feststellen können. "Da waren Dinge, die da nicht hingehört haben." Er berichtet davon, wie die Versuchstiere morgens im Akkord per Magensonde Versuchsprodukte testen mussten: "Da dachte ich nur 'Oh Gott'! Ich möchte kein Tier in diesem Labor sein."

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Schließung des Labors gefordert

Der Verein SOKO Tierschutz wirft dem Landkreis Harburg mittlerweile vor, die Tierschutzmängel im Versuchslabor LPT von Geschäftsführer Jost Leuschner zu spät erkannt zu haben. Die Tierschutzorganisation fordert deshalb die Schließung des Labors und schießt scharf gegen die zuständigen Behörden. Es sei schon sonderbar, dass die Veterinärbehörde erst jetzt viele Mängel erkennen würde, die dort aber schon seit Jahren installiert seien. Durch manche Aussagen der Kontrolleure, sei an deren Kompetenzen zu zweifeln. Inzwischen ist aufgrund der Aufnahmen auch der Landkreis tätig geworden und hat Anzeige wegen Tierschutzverstößen erstattet. Radio Hamburg gegenüber beteuert der Landkreis, bei allen neun Kontrollen in dem Labor seit 2015 seien keine gravierenden Mängel festgestellt worden. Die Verstöße seien erst seit entsprechenden Berichten von Tierschutzorganisationen und Whistleblowern bekannt.

(san)