Radio Hamburg

Das müsst ihr wissen

Das neue Verpackungsgesetz fördert Recycling

Haufen von Plastikmüll und Verpackungsmüll

Wer verpackte Waren verkauft und/oder versendet, ist dafür verantwortlich, dass diese korrekt entsorgt werden. 

Damit sich niemand um seine Verantwortung drücken kann, tritt ab dem 01.01.2019 das neue Verpackungsgesetz in Kraft. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass die Recyclingquoten im Verpackungsgesetz stufenweise erhöht werden. Ein guter Anlass, Verpackungsmaterial zu reduzieren, die Umwelt zu schonen und dabei sogar Kosten zu senken.

Neues Verpackungsgesetz soll die Recyclingquote erhöhen

In allen Branchen, in denen Waren verkauft werden, kommen Verkaufsverpackungen zum Einsatz. Das betrifft den Einzelhandel, aber auch Onlinehändler und Hersteller, die ihre Waren versenden. Sie alle müssen sich mit dem Ziel, die Transparenz über die lizenzierenden Unternehmen zu steigern, in dem neuen, zentralen Verpackungsregister namens "LUCID" registrieren sowie einen Vertrag mit einem dualen System eingehen. Das Verpackungsregister wurde eingerichtet, um mehr Transparenz und Fairness in die Entsorgung von Verpackungen zu bringen. Hersteller und Händler sind aufgefordert, mehr Verpackungen zu verwenden, die sich recyceln lassen. Damit soll die werkstoffliche Recyclingquote bei Kunststoffverpackungen innerhalb der nächsten vier Jahre von derzeit 36 Prozent auf 63 Prozent steigen, bei Papier, Glas und Metall sind sogar 90 Prozent angestrebt. Konkret heißt das: Je stärker Verpackungen unter ökologischen Gesichtspunkten eingesetzt werden, desto günstiger wird deren Entsorgung sein. Denn es besteht laut Gesetz eine Beteiligungspflicht an System und Kosten der Entsorgung von Verkaufsverpackungen, die letztendlich beim Kunden als Endverbraucher anfallen.

Wer ist vom Verpackungsgesetz betroffen?

Schon seit 1991 müssen Hersteller die Entsorgung der Verkaufsverpackungen, in denen Ware an Kunden geht, gewährleisten. Da jedoch nicht jeder dieser Verpflichtung nachgekommen ist, kam es zu Kosten, die von den korrekt am dualen System teilnehmenden Unternehmen mitgetragen werden mussten. "LUCID" soll nun dafür sorgen, dass jeder seiner Verantwortung vollumfänglich nachkommt. Das bedeutet, dass jeder, der gewerbsmäßig verpackte Ware in Umlauf bringt und dessen Verpackungen letztlich beim privaten Endverbraucher als Abfall anfallen, sich bis zum 1. Januar 2019 bei "LUCID" registrieren muss. Diese Pflicht betrifft jedes Unternehmen, unabhängig vom Verpackungsvolumen. Die Registrierung erfolgt in drei Schritten:

1. Händler und Hersteller registrieren sich bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister online.

2. Mit der dort erhaltenen Registrierungsnummer erfolgt der Vertragsabschluss mit einem dualen System wie z.B. Interseroh.

3. Die beim dualen System beteiligten Mengen werden wiederum an die Zentrale Stelle Verpackungsregister gemeldet.

Im Prinzip wurde nur ein weiterer Zwischenschritt zu den bereits bestehenden Regularien eingefügt. Denn die aktuell noch gültige Verpackungsverordnung fordert ohnehin, einen Beteiligungsvertrag mit einem dualen System abzuschließen. Durch die Rückmeldung an das neue Zentrale Verpackungsregister kommt hauptsächlich mehr Transparenz in das Verfahren.

Diese Kosten bringt das Verpackungsgesetz für Hersteller und Händler mit sich

Unternehmen entstehen durch die Registrierung bei der Zentralen Stelle keine zusätzlichen Kosten. Kostenpflichtig ist jedoch die Beteiligung an einem dualen System, die per „Lizenzentgelt“ erfolgt. Die Lizenzierung erfolgt im Idealfall zu Beginn des Kalenderjahres. Die Höhe des Entgeltes richtet sich dabei im Wesentlichen nach der Menge der verwendeten Verpackungen und den Verpackungsmaterialien. Händler und Hersteller schätzen die Menge der Verpackungen, die im kommenden Jahr in Umlauf gebracht werden. Zu Beginn des Folgejahres werden rückwirkend die tatsächlich während der letzten zwölf Monate verwendeten Verpackungen gemeldet. Lizenziert werden müssen alle Verpackungen, die tatsächlich in Verkehr gebracht werden und zum privaten Endverbraucher gelangen. Das betrifft Dosen und Kartons, aber auch Folien, Flaschen und Füllmaterialien.

So wird Verpackungsmüll reduziert

Das neue Verpackungsgesetz freut nicht nur die Umwelt, sondern auch den Kunden. Schließlich hat niemand Lust, ein handliches Produkt aus einem riesigen Karton zu fischen und den letzteren samt Füllmaterial zu entsorgen. Die neuen Vorgaben sind daher ein Anreiz für Hersteller und Händler, ihre Verpackungsweisen auf den Prüfstand zu stellen und so langfristig Kosten und Ressourcen zu sparen.

So funktioniert es:

Den richtigen Verpackungslieferanten auswählen: Wichtig bei der Auswahl der Verpackungen ist, dass die Materialien von der Größe her optimal auf die jeweiligen Artikel passen, damit nicht zu viel Füllmaterial eingesetzt wird.

Umverpackungen vermeiden oder klein halten: Befindet sich die Ware bereits in einem Karton, muss die Umverpackung nicht überdimensioniert werden. Es ist völlig ausreichend, wenn die Umverpackung so nahe wie möglich an der Kartongröße der Ware bleibt.

Füllmaterial sparsam einsetzen: Im Grunde sind Füll- und Polstermaterialien nur bei zerbrechlichen Sendungen notwendig. Alle anderen Waren können so kompakt gepackt werden, dass sie nicht im Karton verrutschen.

Kommunikation mit dem Hersteller: Wer immer mit bestimmten Herstellern zusammenarbeitet, kann darum bitten, die Waren entsprechend kompakt und mit einem Minimum an Füllmaterialien zu versenden.

Bestellungen zusammenfassen: Hat ein Kunde mehrere vorrätige Produkte bestellt, ist es empfehlenswert, alles in einen Karton zu packen, statt verschiedene Pakete auf den Weg zu bringen.

Retouren: Nicht beschädigte Kartons von Retouren werden für den erneuten Versand verwendet.

Welche Ausnahmen von der Lizenzierungspflicht gibt es?

Ideal ist es, wenn ein Händler das Produkt in der Verpackung des Herstellers direkt an den Verbraucher weitersenden kann. In diesem Fall ist eine Verpackungslizenz nicht notwendig, da der Hersteller für die Lizenzierung der Verkaufsverpackung verantwortlich ist. Kommt es jedoch zu einer Überprüfung, liegt die Beweispflicht beim Händler, denn er ist der Letztvertreiber. In diesem Fall sollte eine Rückversicherung beim Hersteller erfolgen, sodass sichergestellt ist, dass die Verpackungen bereits lizenziert wurden. Alternativ lässt sich das bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister überprüfen. Auch andere Händler schätzen es, unbeschädigte Verpackungen aus anderen Quellen zum Warenversand zu nutzen. Trotzdem besteht bei dieser Zweitverwertung eine Lizenzierungspflicht, da diese Materialien im Zuge der Neubefüllung zu Versand- und Verkaufsverpackungen werden und somit beim Endkunden für ein Abfallaufkommen sorgen. Wer seine Waren exportiert, benötigt keine Lizenzierung, sofern nachgewiesen wird, dass diese Verpackungen nicht für den Gebrauch innerhalb Deutschlands bestimmt sind. Serviceverpackungen können ebenfalls eine Ausnahme bilden, weil sie als einzige Verkaufsverpackungsart „vorlizenziert“ erworben werden dürfen., d. h. der Händler kann vom Hersteller bzw. Vorvertreiber der Serviceverpackungen verlangen, dass sie die Beteiligung übernehmen. Eine Serviceverpackung wird direkt im Geschäft für die Abgabe an den Verbraucher befüllt. Dabei handelt es sich z. B. um Einwegkaffeebecher, Tüten und Boxen für Snacks oder Papier, in das Wurst und Käse eingewickelt werden. Auch hier gilt jedoch, dass die Nachweispflicht beim Letztvertreiber liegt und dieser sich die ordnungsgemäße Lizenzierung vom Hersteller der Serviceverpackungen bescheinigen lassen sollte.

Die Grenzen des neuen Verpackungsgesetzes

Die neue Zentrale Stelle wird sich zunächst darum kümmern, ob Händler und Hersteller ihren Meldepflichten nachkommen und Nichtbefolgungen entsprechend ahnden. Davon wird der Verpackungsabfall allerdings im ersten Schritt nicht weniger. Denn das neue Verpackungsgesetz schreibt nur vor, dass mehr Materialien recycelt werden sollen, aber nicht, dass nur mit dem Minimum an Papier, Pappe und Füllstoffen verpackt wird. Jeder Hersteller und Händler kann jedoch selbst eine Menge dafür tun, dass die Idee des Recyclings vorankommt, indem ein Minimum an Verpackungen, das ausschließlich aus umweltfreundlichen Materialien besteht, verwendet wird.