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Radio Hamburg

Achtloser Umgang mit Kunststoff

Plastik in Meersalz Fleur de Sel

Hamburg, 19.01.2018
Fleur de Sel

In Fleur de Sel sind Mikroplastik-Teilchen gefunden worden.

Forscher haben dieses jetzt in Meersalz, besonders im Fleur de Sel Mikroplastik-Teilchen gefunden. Am meisten bei handgeschöpftem Salz.

Fleur de Sel gilt als besonders edles Meersalz. Es besteht aus Salzkristallen, die per Hand von der Wasseroberfläche abgeschöpft werden. Wegen der aufwendigen Gewinnung ist es teurer als das klassische Meersalz - und es enthält auch mehr Mikroplastik, wie Forscher der Universität Oldenburg herausgefunden haben. Überraschend ist das nicht, meinen die Experten.

Kein Problem der Hersteller

Fünf verschiedene Sorten Fleur de Sel haben Barbara Scholz-Böttcher und ihre Mitarbeiter vom Oldenburger Institut für Chemie und Biologie des Meeres im Auftrag des NDR-Verbrauchermagazins "Markt" auf neun Kunststoffarten untersucht. Dabei fanden sie Plastikrückstände von 138 bis 1796 Mikrogramm pro Kilogramm. Beim herkömmlichen Meersalz lagen diese mit 15 bis 59 Mikrogramm deutlich niedriger. "Die Hersteller können dafür erst einmal nichts. Das ist das Ergebnis
unseres achtlosen Umgangs mit Plastik", sagt Scholz-Böttcher.

Nach Schätzungen der Weltnaturschutzunion gelangen jährlich 9,5 Millionen Tonnen Plastik ins Meer.  Alle Proben enthielten vor allem Polyethylen, Polypropylen und Polyethylenterephthalat (PET) und damit die Kunststoffe, aus denen beispielsweise Shampooflaschen, Tüten, Folien, Wasserflaschen oder Kunstfasern wie Fleece gefertigt werden. Die Menge des Mikroplastiks in den Salzproben hält die Chemikerin zum gegenwärtigen Wissensstand für gesundheitlich nicht bedenklich.

"Wenn man das auf einen Teelöffel umrechnet sind das Spürchen", sagte Scholz-Böttcher. "Mikroplastik befindet sich überall in unserer Umgebung". Auch einige Hersteller verweisen auf die relativ geringen Mengen Fleur de Sel, die ein Mensch esse. In der Luft, im Staub - und wenn man in einem neuen Fleece-Pullover koche, können laut Scholz-Böttcher ebenfalls winzige Plastikpartikel ins Essen gelangen. Dennoch findet sie das Ergebnis der Studie beunruhigend: "Dass wir Mikroplastik in dem Naturprodukt Meersalz finden, zeigt, dass ein gesellschaftliches Umdenken zwingend notwendig ist."

Zu Mikroplastik zählen alle Teilchen, die kleiner als fünf Millimeter und größer als 0,1 Mikrometer sind. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist bis zu 100 Mikrometer dick. In der Vergangenheit haben Forscher solch winzige Plastikteilchen in Fischen, Muscheln, Krebsen und in Speisesalz nachgewiesen.