Radio Hamburg

Widerspruchslösung in der Kritik

Diskussion um neue Organspende-Regelung

Hannover, 02.04.2019
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In Deutschland herrscht ein chronischer Mangel an Organspenden - mit einem Organspendeausweis lässt sich das ändern.

Noch immer gibt es in Deutschland viel zu wenig Organspenden - mit einer Organspende kann jedoch jeder bis zu sieben Leben retten!

Trotz zahlreicher Organspenden warten weiterhin Tausende schwer kranke Menschen auf eine rettende Operation.

Chronischer Mangel an Organspenden

Überall auf der Welt gibt es zu wenig Spenderorgane. Mit einer Spende kann man bis zu sieben Menschen das Leben retten. In Deutschland warten dennoch mehr als 10.000 schwer kranke Menschen auf eine Transplantation - die meisten von ihnen auf eine neue Niere.

Organspendeausweis auch bei Nicht-Spende

Ganz egal, ob man sich für oder gegen die Organspende entscheidet: Einen Organspendeausweis sollte jeder bei sich führen. Im Fall der Fälle entlastet das nämlich auch die eigenen Angehörigen, die im Zweifel eine Entscheidung treffen müssen. In Deutschland wird niemand gezwungen, seine Organe zu spenden. Auch ein einfaches Kreuz bei "Nein" kann helfen. Und trotzdem tragen viel zu viele Personen keinen Organspendeausweis bei sich. In vielen europäischen Ländern gibt es mehr Spender als in Deutschland.

"Doppelte Widerspruchslösung" als neuer Gesetzentwurf

Karl Lauterbach (SPD) und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprechen sich für eine neue Regelung aus, die sogenannte "Widerspruchslösung". Dabei soll jeder, der zu Lebzeiten der Organspende nicht explizit widerspricht, automatisch im Falle des Todes zum Spender werden. Die Angehörigen sollen in dem Fall jedoch noch äußern, ob der Verstorbene jemals erklärt habe, gegen eine Spende zu sein. 

Der Gegenvorschlag sagt, dass nur diejenigen automatisch zum Spender werden, die zu Lebzeiten aktiv zugestimmt haben. Dabei soll jedoch, im Gegensatz zur jetzigen Regelung, jeder Bürger aktiv gefragt werden, zum Beispiel von den Passämtern. 

Ethische Diskussion

Der neue Gesetzentwurf sorgt nicht nur für Meinungsverschiedenheiten. Viele kritisieren die ethische Entscheidung hinter dem Entwurf. Klar ist: Jedes Organ würde Leben retten, aber es würden eben auch Organe von Personen gespendet werden, die das eventuell nicht explizit gewollt haben und es im unglücklichen Fall einfach zu Lebzeiten noch nicht geäußert hatten.

Tag der Organspende Alle Infos zur Organ- und Gewebespende

Informieren

Mit dem Thema Organ- und Gewebespende sollte man sich vor einer Entscheidung intensiv auseinandersetzen, um dann eine persönliche Entscheidung treffen zu können. Die eigene Entscheidung sollte in einem Organspendeausweis festgehalten werden und danach am besten bei den persönlichen Papieren bei sich getragen werden. Damit seid Ihr auch im Notfall auf der sicheren Seite.





Mit Angehörigen sprechen

Hat man sich für oder gegen eine Organspende entschieden, sollte das Ergebnis den Angehörigen mitgeteilt werden. So kennen diese den eigenen Willen und können im Fall der Fälle im entsprechenden Sinne handeln.





Ausweis am Körper tragen

Der Organspendeausweis ist ein verbindliches Dokument der eigenen Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende. Deshalb sollte dieser immer zusammen mit den Personalpapieren bei sich geführt werden. Im Notfall wird er dann schneller gefunden. Anders als bei der Knochenmarkspende gibt es bei der Organspende nämlich keine Registrierung der Spender.





Krankenkassen schreiben an

Seit November 2012 werden alle Personen ab 16 Jahren von ihrer Krankenkasse angeschrieben und zu einer freiwilligen Entscheidung aufgefordert. Dazu stellen die Krankenkassen kostenlose Organspendeausweise und Infomaterialen zur Verfügung.





Diese Organe kann man spenden

Spenden lassen sich die Organe: erz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie Hornhaut der Augen, Herzklappen und Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen (Gewebe). Bei der Knochenmarkspende werden Stammzellen entnommen.





Wer kann alles spenden?

Grundsätzlich kann jeder Mensch Organspender werden. Minderjährige können ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende ab dem 16. Lebensjahr und ihren Widerspruch ab dem 14. Lebensjahr erklären. Eine Einwilligung der Eltern ist dabei nicht notwendig. Eine Begrenzung bis zu welchem Alter eine Spende möglich ist gibt es nicht. Auch Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder sexuelle Orientierung sind keine Ausschlusskriterien. Lediglich wenige Vorerkrankungen schließen eine Organspende direkt aus. Wichtig ist jedoch immer die Feststellung des Hirntodes und die Zustimmung zur Organ- und Gewebespende, denn nur dann dürfen Organe und Gewebe entnommen werden.





Welches Körpergewebe kann gespendet werden?

Körpergewebe kann für viele verschiedene Krankheiten und Verletzungen gespendet werden. So können Augenhornhaut, Blutgefäße, Haut, Herzklappen und Knochen gespendet werden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen körpereigener Spende, also von einer Patientin oder einem Patienten selbst, und dem Gewebe einer fremden, verstorbenen oder auch lebenden Person. Gewebespenden werden in der Regel nicht sofort transplantiert, sondern zunächst in speziellen Gewebebanken gereinigt, aufgearbeitet und konserviert.





Was bedeutet Hirntod?

Der Hirntod bedeutet den kompletten und unwiderruflichen Ausfall aller Gehirnfunktionen und wird deshalb als unwiederrufliches Todeszeichen angesehen. Der Hirntod wird von zwei Ärzten unabhängig voneinander nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt und dokumentiert.





Spürt ein hirntoter Patient Schmerzen?

Bei der Organentnahme werden keine schmerzstillenden Medikamente verabreicht, weil eine Schmerzwahrnehmung beim Hirntod nicht mehr möglich ist. Jedoch können spontan oder als Reaktion auf äußere Reize durch die Tätigkeit des Rückenmarks Bewegungen der Arme und Beine auftreten. Diese Bewegungen, die sogenannten Lazarus-Zeichen, sind für den Hirntod geradezu typisch. Sie haben mit dem personalen Leben des Menschen nichts zu tun und weisen auch nicht auf Schmerzempfindungen hin.





Der genaue Ablauf einer Spende

Sobald der Hirntod festgestellt wurde und eine Zustimmung des Verstorbenen oder der Angehörigen vorliegt, werden der DSO die relevanten Informationen vermittelt, sodass sie sich um weitere Abläufe kümmern kann. Hierzu zählen unter anderem die Koordinierung weiterer Untersuchungen, die Weiterleitung der erhobenen Daten an Eurotransplant zur Ermittlung eines geeigneten Empfängers oder einer Empfängerin oder die Organisation des Transports der entnommenen Organe.





Was ist Eurotransplant?

Neben der DSO ist auch die Stiftung Eurotransplant für den Organspendeprozess verantwortlich. Sie kümmert sich um die Vermittlung der Organe nach Richtlinien der Bundesärztekammer, wobei diese nach Dringlichkeit, Erfolgsaussicht sowie Wartezeit vergeben werden.





Was passiert mit dem Körper des Spenders?

Das Transplantationsteam geht zu jedem Zeitpunkt respektvoll mit dem Körper der oder des Toten um. Die Entnahme findet in einem Operationssaal statt, die Regeln der medizinischen Kunst werden wie bei anderen chirurgischen Eingriffen beachtet. Nach der Entnahme verschließen die Ärztinnen und Ärzte den Körper wieder, um den Patienten zur Beisetzung an die Angehörigen zu übergeben. Ein würdevolles Abschiednehmen ist immer möglich.





Die Lebendspende

Eine Lebendspende ist nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades, zum Beispiel Eltern und Geschwistern, unter Ehepartnern, Verlobten oder unter Menschen, die sich persönlich sehr nahe stehen erlaubt. Es können in Deutschland die Niere oder ein Teil der Leber lebend gespendet werden. Eine Lebendspende muss sehr sorgfältig abgewogen werden. Wie jede andere Operation stellt eine Organentnahme für den Spender ein medizinisches Risiko dar.





Organspendeausweis als Download

Den  Organspendeausweis könnt Ihr Euch direkt bei uns downloaden oder aber auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Dort gibt es auch ausführliche Informationen zum Thema Organ- und Gewebespende, dem Spendeprozess und weitere aktuelle Informationen.

(san/nla/dpa)

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