Radio Hamburg

Der Kater als Krankheit

Das exklusive Interview: Ist der Kater eine Krankheit?

Hamburg, 24.09.2019
Verkaterter Mann Radio Hamburg

Ein Kater ist tatsächlich eine Krankheit. In diesem exklusiven Interview erfahrt ihr, was ihr mit diesem Urteil dürft und was ihr nicht dürft.

Wer kennt es nicht, das gesamte Wochenende nochmal ordentlich durchgefeiert und am nächsten Morgen trotzdem bei der Arbeit auf der Matte stehen. In einem Verfahren, dass mit einem Nahrungsergänzungsmittel zu tun hat, wurde nun ein spannendes Urteil gefällt. Denn: Der Kater ist eine Krankheit. Darf man bei einem Kater nun etwa zu Hause bleiben? Wir haben einen Anwalt und einen Arzt für euch gefragt.

Zu dem Vorfall

Der Hersteller eines Nahrungsergänzungsmittels hat dafür geworben einem Kater vorzubeugen oder diesen sogar lindern zu können. Das Oberlandesgericht kam nun zum Schluss, dass es sich beim Kater um eine Krankheit handelt. So hebt es hervor: „Informationen über ein Lebensmittel dürfen diesem keine Eigenschaften der Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer menschlichen Krankheit zuschreiben oder den Eindruck dieser Eigenschaft entstehen lassen“

Das exklusive Kater-Interview

Um herauszufinden, ob man sich bei einem Kater wirklich krankschreiben lassen kann, haben wir für euch ein exklusives Interview geführt. Unter anderem mit Rechtsanwalt Matthias Timm von "RPS Strahmer Rechtsanwälte" und Chefarzt der "Asklepios Klinik Nord Ochszenzoll" Dr. Peter Strate.

Die Kater-Krankmeldung auf der Arbeit

Wir haben Rechtsanwalt Matthias Timm gefragt, ob man einfach bei der Arbeit anrufen kann, um zu sagen: Hallo, ich habe einen Kater und kann heute nicht zur Arbeit kommen. 

Matthias Timm: „Grundsätzlich muss der Arbeitnehmer den Grund seiner Arbeitsunfähigkeit gegenüber dem Arbeitgeber nicht angeben. Wenn ich arbeitsunfähig bin, das heißt in Folge einer Krankheit – wie auch immer diese gelagert ist – brauche ich nur sagen, ich bin arbeitsunfähig. Das hat mir möglicherweise auch ein Arzt bestätigt. Ein weiteres Nachfragerecht des Arbeitgebers besteht nicht. Auf den Grund, weshalb man erkrankt ist, kommt es erstmal nicht an.“

Die Kater-Krankschreibung beim Arzt

Dr. Peter Strate haben wir gefragt, ob er Leute krankschreiben würde, die in die Praxis kommen und sagen: Hallo, ich habe einen Kater. Können Sie mich krankschreiben?

Dr. Peter Strate: "Ich würde sie vermutlich nicht krankschreiben. Man sagt ja im Volksmund: Wer trinken kann, kann auch arbeiten. Anders sieht es aus, wenn sie sich schwer vergiftet haben und sie in diesem Zustand arbeiten gehen müssten. Sie wären also schwerst verkatert mit Erbrechen, Durchfällen, Zittern, milden oder auch stärkeren Entzugserscheinungen. Da würde ich sie bitten zur stationären Behandlung zu kommen und zu entgiften. Sie müssen immer sehen, was denn die Ursache ist. Das ist die selbstverursachte Schädigung der Gesundheit. Wenn sie einen Kater kriegen, ist das eine gesunde Reaktion auf eine kranke Handlung. Sie sollten nicht so viel trinken, dass sie am nächsten Tag nicht arbeitsfähig sind."

Mehr zu diesem Fall hört ihr auch bei uns im Stream.