Radio Hamburg

Fridays for Future

Das große Interview zum Klimastreik mit Arnaud Boehmann

Hamburg, 20.09.2019
Arnauld Fridays for Future

Arnaud Boehmann von "Fridays for Future" freut sich auf den Streik. 

Arnaud Boehmann von "Fridays for Future" besuchte Birgit und John bei uns im Studio. Seine spannenden Einsichten zum Streik gibt es hier. 

Arnaud Boehmann von „Fridays for Future“ hat uns heute in unserem Studio besucht, um darüber zu sprechen weshalb der heutige Streik so wichtig ist. Es geht insbesondere darum, weshalb die Politik so wenig macht, Greta Thunberg und die Frage, weshalb der Streik vormittags stattfinden muss.

Warum wird so wenig Geld in die Klimapolitik inverstiert?

Arnaud: "Es ist nicht so, dass die Bundesregierung kein Geld hat. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt und wenn es sich ein Land leisten kann, dann Deutschland. Wir haben es gesehen an den Ernteausfällen der letzten Jahre. Wenn ganz Deutschland für einen Kilo Brot 10 Cent mehr zahlt, dann sind das Geldmassen, die man sich hätte sparen können, wenn wir rechtzeitig begonnen hätten richtige Klimapolitik zu machen."

Der Verfassungsschutz warnt vor linksextremistischen Gruppen. Was sagt ihr dazu?

Arnaud: "Fridays for Future" ist seit etwas über einem Jahr aktiv. "Fridays for Future" ist jedoch nicht so einfach zu unterwandern. Es ist so, es gibt eine Aktion, die unabhängig geplant und unabhängig von der "Fridays for Future"-Bewegung durchgeführt wird. Das ist nicht unsere Aktion, wir rufen nicht dafür auf. Wer dahingehen möchte, kann dahingehen. Aber wir sagen: Unsere Protestform ist der friedliche Protest mit der breiten Bevölkerung, mit den Massen, mit den Familien, mit den Kindern und das ist unsere Agenda und da muss sich niemand Sorgen machen. Da lassen wir uns auch von niemandem die Show stehlen."

Was sagst du, wenn jemand vermummt neben dir läuft?

Arnaud: "Wir haben ja Ordnerinnen und Ordner da, das ist nicht unser Aktionskonsens. Wir sind die offene, unvermummte, sichtbare Demo, die friedlich durch Hamburg zieht und alleine durch unsere Masse Hamburg lahmlegt. Wenn es passieren würde, würde ich die Person ansprechen."

Warum macht die Politik so wenig?

Arnaud: "Ich glaube, das klassische Standardproblem ist, dass viele Politikerinnen und Politiker zu kurzfristig denken. Menschen die nicht so den ganz festen Wahlkreis haben, die sich bei jeder Wahl Sorgen darum machen müssen 'Werde ich wieder gewählt, kriege ich meinen Job, meine Verlängerung' - die denken nur an die Wiederwahl. Dementsprechend sind sie zu kurzfristig in ihrer Planung. Das ist etwas, was wir vermehrt festgestellt haben. Warum man nicht auf die Wissenschaft hört, ist uns ein Rätsel. Das ist auch ein großer Teil, der zur Frustration führt, die wir auf die Straße tragen. Weil das ja für uns ganz offensichtlich ist, dass es doch Sinn macht. Ich meine, wir haben eine der prominentesten Unterstützerinnen der "Scientists for Future" - Maja Göpel, ist ja direkt für die Bundesregierung tätig. Dass Menschen, die so hoch qualifiziert sind und den Politikern Wege vorschlagen - dass man denen nicht zuhört, ist uns ein Rätsel."

Es gibt noch so viele andere Probleme. Wohnungsnot oder Armut, zum Beispiel. Was sagst du dazu?

Arnaud: "Ja, wir haben viele andere Probleme. Bei "Fridays for Future" geht es nicht darum, von anderen Problemen abzulenken. Die eine große Devise die wir haben ist: Wir brauchen Klimagerechtigkeit. Das heißt, wir brauchen sozialverträglichen Klimaschutz. Das Andere ist, dass wir der Ansicht sind, dass das Problem "Klimakrise" aktuell das prägende und dominante Problem der Welt ist und für die nächsten zehn Jahre bleiben wird. Das heißt nicht, dass Menschen die anderes Leiden haben uns nicht wichtig sind, oder dass sie nicht auf der Agenda stehen."

Nervt Greta Thunberg?

Arnaud: "Ich glaube, dass vielen Menschen so ein bisschen suspekt ist, wie so ein junger Mensch mit einer so radikalen Agenda in so kurzer Zeit diese konstante mediale Aufmerksamkeit erfahren kann. Ich glaube, dass Menschen bei Themen, die konstant medial repräsentiert werden, irgendwann skeptisch oder genervt werden, ganz egal was das Thema ist. Ich bin, ganz im Gegenteil, ziemlich positiv überrascht, welche Wege Greta Thunberg findet, um diese Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, denn genau das bringt uns weiter."

Warum muss der Streik vormittags stattfinden?

Arnaud: "Heute streiken wir erst ab 12 Uhr, das heißt, gerade heute trifft das nicht zu. Grundsätzlich ist das so, dass es für die Schülerinnen und Schüler kein Streik ist, wenn es nachmittags stattfindet. Es ist so, es ist eine ganz bewusste Protestaktion, wenn wir vormittags streiken - dann haben wir die Aufmerksamkeit die wir brauchen. Wenn wir das nachmittags, abends machen - wenn wir das am Samstag machen, dann hört uns keiner zu."

Warum hört nachmittags keiner zu?

Arnaud: "Wir haben festgestellt, dass es am Anfang sehr stark um die Schulschwänzdebatte ging. Das war im Januar, Februar und März. Ab April wurde es weniger. Das war der Punkt, an dem wir erkannt haben, dass wir auch inhaltlich angekommen sind. Wir sind nicht dahin gekommen wo wir hingekommen sind, indem wir nachmittags streiken."

Wie stellt ihr euch die Zukunft der Menschen vor, die in Industrie-Berufen arbeiten, die unvermeidlich CO2 produzieren?

Arnaud: "Viele der Berufe sind hochtechnologisiert. Ich glaube es wird manchmal falsch kommuniziert in der Debatte. Entweder wir machen die Industrien nachhaltig oder wir schichten Jobs um."

Mehr über "Fridays For Future", dem großen Streik und Arnaud hört ihr auch bei uns im Stream.