Open-Air in Hamburg

So werden Veranstaltungen wetterfest geplant

Bei Open-Air-Veranstaltungen entscheidet sich gute Wetterplanung nicht daran, ob irgendwo ein Dach steht. Wichtiger ist, welche Bereiche auch bei Regen und Wind funktionsfähig bleiben müssen und welche Folgen veränderte Bedingungen für Besucher, Technik und Betriebsabläufe haben.

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Veranstaltung im Regen I Foto: JairoMZ, Shutterstock

Gerade auf größeren Veranstaltungsflächen greifen viele Faktoren ineinander: Ein überdachter Cateringstand hilft wenig, wenn sich davor Wasser sammelt. Eine geschützte Bühne löst das Problem nicht, wenn Technik oder Kabelwege weiterhin Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Und selbst eine großzügige Überdachung kann Schwierigkeiten verursachen, wenn Zugänge, Stützen oder Warteschlangen wichtige Verkehrsflächen einengen.

Wetterschutz gehört deshalb nicht ans Ende der Planung, wenn die Wetterprognose erstmals Regen ankündigt. Er sollte bereits bei der Aufteilung des Geländes berücksichtigt werden.

Wetterschutz beginnt mit den Funktionsbereichen

Nicht jeder Teil einer Veranstaltung benötigt denselben Schutz. Sinnvoll ist es, das Gelände zunächst in Funktionsbereiche zu gliedern und deren Empfindlichkeit gegenüber Niederschlag, Wind und verändertem Untergrund zu bewerten.

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Diese Unterteilung verhindert einen typischen Planungsfehler: das gesamte Veranstaltungsgelände mit einer einzigen Wetterschutzlösung abdecken zu wollen.

Ein Informationsstand hat andere Anforderungen als eine Bühne. Ein Cateringbereich wiederum muss nicht nur Personal und Gäste schützen. Entscheidend ist beispielsweise auch, wo Niederschlagswasser vom Dach ankommt und wie sich Warteschlangen bei schlechtem Wetter entwickeln.

Einlass: Der Wetterschutz darf nicht selbst zum Engpass werden

Am Einlass treffen mehrere Abläufe auf relativ engem Raum zusammen. Besucher warten, Tickets werden kontrolliert, Taschen überprüft und gegebenenfalls Zugangsberechtigungen ausgegeben. Bei Regen verändert sich zusätzlich das Verhalten der Wartenden: Schutzflächen werden dichter genutzt und Menschen bleiben bevorzugt unter vorhandenen Überdachungen stehen.

Eine Überdachung kann diesen Bereich deutlich funktionaler machen. Ihre Positionierung ist jedoch ebenso wichtig wie ihre Größe.

Stehen Stützen oder Abspannungen ungünstig, kann zusätzlicher Wetterschutz Verkehrsflächen verengen. Dasselbe gilt, wenn die geschützte Fläche kleiner ist als der tatsächliche Platzbedarf der Wartenden.

  • Vor der Positionierung sollten daher unter anderem folgende Fragen geklärt sein:
  • Wie entwickeln sich Warteschlangen vor den Kontrollstellen?
  • Bleiben Ein- und Ausgang voneinander getrennt?
  • Wohin wird Regenwasser von der Dachfläche geleitet?
  • Bleiben notwendige Verkehrsflächen frei?
  • Ist der Zugang auch bei länger anhaltendem Regen gut begehbar?
  • Können Personal und gegebenenfalls Einsatzkräfte den Bereich weiterhin erreichen?

Vor allem der Untergrund verdient Aufmerksamkeit. Ein trockener Kontrollpunkt reicht nicht aus, wenn die letzten Meter davor durch Wasseransammlungen, Schlamm oder stark aufgeweichten Boden schwer passierbar werden.

Bühne und Veranstaltungstechnik zusammen planen

Bühnen stellen besondere Anforderungen an den Wetterschutz, weil Konstruktion und technische Ausstattung unmittelbar zusammenspielen.

Ein Dach bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche technischen Komponenten gegen alle Feuchtigkeitseinwirkungen geschützt sind. Je nach Aufbau können seitlich eindringender Niederschlag, Spritzwasser oder Feuchtigkeit am Boden weiterhin relevant sein. Elektrische Anlagen und Betriebsmittel müssen daher zu den jeweiligen Einsatz- und Umgebungsbedingungen passen.

Für Veranstaltungs- und Produktionsstätten stellt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung unter anderem DGUV Regel 115-002 zu Veranstaltungs- und Produktionsstätten bereit. Die 2024 aktualisierte Regel konkretisiert die DGUV Vorschriften 17 und 18 und behandelt Präventionsmaßnahmen für Veranstaltungs- und Produktionsstätten.

Bei der Bühne selbst kommt die Konstruktion hinzu. Überdachungen, Verkleidungen und Planen bilden Flächen, auf die Wind einwirkt. Eine Seitenwand ist daher nicht ausschließlich zusätzlicher Regenschutz. Sie verändert gleichzeitig die äußeren Einwirkungen auf den Aufbau und darf nicht unabhängig von den Vorgaben der verwendeten Konstruktion betrachtet werden.

Für den Veranstaltungsbetrieb sollten deshalb mindestens fünf Punkte vorab feststehen:

  1. Welche Aufbau- und Verkleidungsvarianten sind für die Konstruktion vorgesehen?
  2. Wie erfolgt die erforderliche Befestigung beziehungsweise Verankerung?
  3. Welche betrieblichen Grenzen sind einzuhalten?
  4. Wer beobachtet während der Veranstaltung die Wetterentwicklung?
  5. Wer entscheidet über notwendige Maßnahmen bis hin zu einer Unterbrechung?

Der organisatorische Teil ist dabei ebenso relevant wie der bauliche. Ein Wetterschutzkonzept funktioniert nur dann, wenn Verantwortlichkeiten nicht erst unter Zeitdruck geklärt werden müssen.

Catering: Wetterschutz endet nicht an der Dachkante

Cateringflächen zeigen besonders deutlich, warum die reine Quadratmeterzahl einer Überdachung wenig über ihre praktische Qualität aussagt.

Unter dem Dach müssen Mitarbeiter arbeiten können. Davor bestellen und warten Gäste. Hinter dem Stand werden Waren angeliefert oder gelagert. Gleichzeitig können elektrische Geräte, Verpackungen, Abfallbehälter und empfindliche Lebensmittel zum Arbeitsbereich gehören.

Daher lohnt sich eine Betrachtung aus vier Richtungen:

Hinter dem Stand: Gibt es einen nutzbaren Liefer- und Lagerbereich?

Im Stand: Bleiben Arbeitsplätze und die eingesetzte Ausstattung ausreichend geschützt?

Vor dem Stand: Wo entstehen Warteschlangen, und bleiben Laufwege frei?

Neben dem Stand: Wohin gelangt das vom Dach ablaufende Wasser?

Das letzte Detail kann praktisch entscheidend werden. Wird Wasser lediglich von der Überdachung weggeleitet, aber unmittelbar auf einer stark frequentierten Lauf- oder Wartefläche gesammelt, wurde das Problem nur verschoben.

Ähnliches gilt für Merchandise- und Informationsstände. Dort ist die benötigte Fläche häufig kleiner, Waren, Drucksachen, Kartenterminals oder technische Geräte können aber ebenfalls empfindlich auf Feuchtigkeit reagieren.

Faltpavillon, Veranstaltungszelt oder größere Konstruktion?

Die geeignete Überdachung sollte aus ihrer Aufgabe abgeleitet werden – nicht umgekehrt.

Faltpavillons für klar begrenzte Bereiche

Faltpavillons kommen insbesondere für kleine Funktionsbereiche infrage, etwa für Informationspunkte, Registrierung oder Merchandise.

Der geringe Flächenbedarf und die kompakte Konstruktion können bei solchen Aufgaben von Vorteil sein. Auch ein kleiner Aufbau muss jedoch entsprechend den vorgesehenen Einsatzbedingungen aufgestellt und gesichert werden. Die Größe allein sagt nichts darüber aus, unter welchen Bedingungen eine Konstruktion eingesetzt werden kann.

Veranstaltungszelte für größere Aufenthaltsbereiche

Sollen größere Personengruppen wettergeschützt untergebracht werden, sind entsprechend dimensionierte Veranstaltungszelte eine mögliche Lösung. Typische Bereiche sind Gastronomie, Aufenthalt oder einzelne Programmpunkte.

Mit zunehmender Fläche steigen zugleich die planerischen Anforderungen. Neben Breite und Länge werden beispielsweise Seitenhöhe, Zugänge, innere Aufteilung und Besucherführung relevant. Auch Flucht- und Rettungswege müssen in der Gesamtplanung berücksichtigt werden.

Hallenkonstruktionen für große zusammenhängende Flächen

Bei größeren Flächen können darüber hinaus Hallenkonstruktionen betrachtet werden. Rundbogenhallen sind ein Beispiel dafür, allerdings keine pauschale Alternative zu einem klassischen Veranstaltungszelt. Ob eine konkrete Hallenkonstruktion für eine Veranstaltung eingesetzt werden kann, muss für den jeweiligen Einsatzzweck und Standort geprüft werden.

Bereits die Bauform zeigt, wie unterschiedlich solche Konstruktionen ausfallen können. Je nach Abmessungen und konstruktiver Ausführung verändern sich Innenraum, Zugänge und Möglichkeiten der Flächenaufteilung. Bei Rundbogenhallen werden beispielsweise Rundrohr- und Fachwerkbogen eingesetzt; zudem existieren unterschiedliche Größen sowie Planen- und Zugangsausführungen.

„Bei größeren Wetterschutzflächen sollte die Entscheidung nicht allein von der gewünschten Grundfläche abhängen. Ebenso relevant sind Zugänglichkeit, Untergrund, vorgesehene Nutzung und die Frage, wie sich die Konstruktion in die Abläufe auf dem Veranstaltungsgelände einfügt“, sagt Alexander Engel von Profizelt24.

Gerade bei größeren Konstruktionen müssen deshalb die tatsächliche Nutzung, die konstruktiven Vorgaben und die Bedingungen am Standort zusammen betrachtet werden. Ein Produkt, das beispielsweise für Lager- oder Gewerbezwecke vorgesehen ist, ist nicht automatisch für die Nutzung als Besucher- oder Veranstaltungsfläche geeignet. Die konkrete Eignung und mögliche behördliche Anforderungen müssen separat geprüft werden.

Der Untergrund ist Teil der Wetterschutzplanung

Bei der Standortwahl richtet sich der Blick häufig zuerst auf die verfügbare Fläche. Praktisch kann der Untergrund jedoch darüber entscheiden, ob ein Standort überhaupt sinnvoll nutzbar ist.

Eine Rasenfläche reagiert auf länger anhaltenden Niederschlag anders als Asphalt oder Pflaster. Unbefestigter Boden kann aufweichen, Fahrspuren können entstehen und häufig begangene Stellen können schwerer nutzbar werden. Gleichzeitig hängt die mögliche Befestigung einer Überdachung wesentlich vom vorhandenen Untergrund und von den Vorgaben des jeweiligen Systems ab.

Vier Prüffelder sind deshalb besonders relevant:

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Zur Standortprüfung gehört außerdem der Blick unter die Oberfläche. Bei Befestigungen im Boden können vorhandene Leitungen, bauliche Einrichtungen oder Vorgaben des Grundstückseigentümers eine Rolle spielen.

Deshalb sollte die Frage der Verankerung nicht erst während des Aufbaus beantwortet werden.

Regen sieht jeder – Wind verlangt mehr Planung

Regen ist unmittelbar wahrnehmbar. Menschen werden nass, Böden verändern sich und empfindliche Materialien müssen geschützt werden.

Wind ist weniger offensichtlich und kann bei leichten sowie großflächigen Aufbauten gleichzeitig konstruktiv besonders relevant sein.

Eine geschlossene Seitenfläche hält zwar seitlichen Niederschlag ab, bietet dem Wind aber zugleich zusätzliche Angriffsfläche. Deshalb sollten Planen, Seitenwände oder andere Verkleidungen nicht spontan ergänzt oder verändert werden, ohne dass diese Konfiguration für das jeweilige System vorgesehen ist.

Entscheidend sind die Vorgaben für die tatsächlich eingesetzte Konstruktion – nicht allgemeine Aussagen darüber, dass ein Zelt oder eine Halle „stabil“ oder „windfest“ sei.

Die Wetterplanung sollte drei Ebenen unterscheiden:

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Gerade die dritte Ebene lässt sich nicht durch eine robustere Konstruktion ersetzen. Selbst ein technisch geeigneter Aufbau benötigt einen klar geregelten Betrieb.

Besucherströme verändern sich bei schlechtem Wetter

Eine Überdachung verändert nicht nur den Schutz vor Niederschlag, sondern auch das Verhalten der Besucher. Bei Regen konzentrieren sich Menschen bevorzugt auf trockenen Flächen. Bereiche, die bei gutem Wetter großzügig wirken, können dadurch deutlich dichter genutzt werden.

Das betrifft insbesondere Übergänge zwischen offenen und überdachten Flächen.

Vor Ein- und Ausgängen sollte deshalb genügend Bewegungsraum verbleiben. Dasselbe gilt für Catering, Sanitärbereiche und andere stark frequentierte Punkte. Bei der Berechnung und Positionierung einer Überdachung sollte nicht nur die überdeckte Grundfläche berücksichtigt werden, sondern der tatsächlich benötigte Raum für Zugänge, Stützen, Befestigungselemente und den Betrieb rund um die Konstruktion.

Auch Rettungs- und Einsatzwege dürfen durch zusätzliche Zelte, Verkaufsstände oder Wetterschutzeinrichtungen nicht beeinträchtigt werden.

Der Lageplan ist daher mehr als eine Zeichnung mit einzelnen Stellflächen. Er muss abbilden, wie Besucher, Personal, Lieferanten und gegebenenfalls Einsatzkräfte das Gelände tatsächlich nutzen.

In Hamburg beginnt die Genehmigungsfrage beim Standort

Für Open-Air-Veranstaltungen gibt es keine einzelne Genehmigung, die unabhängig von Art, Größe und Standort immer ausreicht. Welche Verfahren notwendig sind, hängt von den konkreten Rahmenbedingungen ab.

Wer eine öffentliche Grün- oder Erholungsanlage in Hamburg über den üblichen Gemeingebrauch hinaus für eine Veranstaltung nutzen möchte, benötigt nach Angaben der Stadt eine Sondernutzungserlaubnis für öffentliche Grün- und Erholungsanlagen. Hamburg nennt die Durchführung einer Veranstaltung ausdrücklich als Beispiel für eine solche Sondernutzung.

Auch öffentliche Wege und Plätze können für Veranstaltungen einer gesonderten Erlaubnis bedürfen. Für Großveranstaltungen auf öffentlichen Plätzen stellt Hamburg eigene Informationen zur Genehmigung und zur Sondernutzung öffentlicher Wege bereit.

Eine weitere Ebene betrifft sicherheitsrelevante Großveranstaltungen. Hamburg sieht ein eigenes Verfahren vor, wenn mehr als 10.000 Veranstaltungsteilnehmer erwartet werden oder aufgrund der Art beziehungsweise Größe der Veranstaltung oder der Lage und Beschaffenheit des Veranstaltungsortes eine erhöhte Gefahr für Leib und Leben besteht. Die Voraussetzungen und das Verfahren erläutert die Stadt unter Genehmigung sicherheitsrelevanter Großveranstaltungen.

Die praktische Konsequenz ist wichtig: Genehmigungsfragen sollten nicht erst geklärt werden, nachdem sämtliche Aufbauten bestellt und auf einem Lageplan fest positioniert wurden.

Standort, Nutzung und vorgesehene Konstruktionen sollten früh genug konkretisiert sein, damit die zuständigen Stellen beurteilen können, welche Verfahren und Unterlagen erforderlich sind.

Eine robuste Reihenfolge für die Planung

Wetterschutz lässt sich systematischer planen, wenn nicht mit der Konstruktion, sondern mit dem tatsächlichen Veranstaltungsbetrieb begonnen wird:

  1. Funktionsbereiche definieren: Bühne, Technik, Einlass, Catering, Verkauf, Aufenthalt und Logistik getrennt betrachten.
  2. Wettereinflüsse bewerten: Auswirkungen von Regen, Wind und verändertem Untergrund für jeden Bereich prüfen.
  3. Standort untersuchen: Untergrund, Entwässerung, Zufahrten und Platzverhältnisse einbeziehen.
  4. Überdachung auswählen: Größe und Konstruktion aus der konkreten Nutzung ableiten.
  5. Besucherströme simulieren: Besonders Übergänge zwischen offenen und geschützten Flächen berücksichtigen.
  6. Befestigung und Konstruktion prüfen: Vorgesehene Aufbauvarianten und Einsatzbedingungen beachten.
  7. Genehmigungen früh klären: Anforderungen können von Fläche, Veranstaltung, Konstruktion und Standort abhängen.
  8. Wetterbetrieb organisieren: Beobachtung, Zuständigkeiten und notwendige Maßnahmen definieren.

Der entscheidende Perspektivwechsel besteht darin, Wetterschutz nicht als zusätzliche Dachfläche zu behandeln. Er ist Teil der Infrastruktur einer Open-Air-Veranstaltung.

Eine belastbare Planung sorgt deshalb nicht zwangsläufig dafür, dass möglichst viele Quadratmeter überdacht sind. Sie schützt gezielt die Bereiche, deren Ausfall den Veranstaltungsbetrieb beeinträchtigen würde – und stellt zugleich sicher, dass die gewählten Konstruktionen zum Untergrund, zu den Zugängen, zu Besucherströmen und zu den organisatorischen Abläufen passen.

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