26. Juli 2026 – Sebastian Tegtmeyer
Mit Trauerflor und klaren Worten setzt Hamburg ein Zeichen der Solidarität nach der Attacke beim Berliner CSD. Bürgermeister Tschentscher verspricht Schutz bei der Hamburger CSD-Parade.
- Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf CSD-Feiernde in Berlin überprüfen Hamburgs Sicherheitsbehörden die Schutzmaßnahmen für die Pride Week und die CSD-Parade.
- Bürgermeister Peter Tschentscher und Innensenator Andy Grote kündigten ein Höchstmaß an Sicherheit an, damit Hunderttausende Menschen in Hamburg friedlich für Vielfalt und Toleranz demonstrieren können.
- Hamburg Pride ruft trotz des tödlichen Angriffs zur Teilnahme am CSD auf, während Politikerinnen vor zunehmender Gewalt gegen queere Menschen warnen und gesellschaftlichen Zusammenhalt fordern.
Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Angriff auf feiernde Menschen beim Christopher Street Day in Berlin soll die Sicherheit auch bei den Feiern der queeren Community in Hamburg noch einmal überprüft werden. "Der Anschlag in Berlin überschattet auch den Beginn der Pride Week in Hamburg", sagte Bürgermeister Peter Tschentscher.
"Die Hamburger Sicherheitsbehörden tun alles, um die CSD-Demonstration und die Veranstaltungen der Pride-Week in unserer Stadt zu schützen, damit von Hamburg auch in diesem Jahr ein starkes Zeichen der Toleranz und Vielfalt ausgehen kann", versprach er. Zu der Hamburger CSD-Parade werden am kommenden Samstag Hunderttausende Menschen erwartet. Die Pride Week hatte an diesem Wochenende begonnen.
Grote will Sicherheitsmaßnahmen überprüfen
Innensenator Andy Grote kündigte eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen an. Zwar sei das Sicherheitsniveau bei Veranstaltungen in Hamburg hoch - "gerade was den Schutz vor Überfahrtaten angeht", sagte er. Aber: "Vor dem Hintergrund der schrecklichen Tat in Berlin werden die Sicherheitsmaßnahmen für den CSD kommende Woche in Hamburg noch einmal sorgfältig überprüft, um ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten."
Ihre Behörde stehe im engen Austausch mit der Innenbehörde, der Polizei und der queeren Community, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, sagte Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne). "Wir werden alles dafür tun, dass die Teilnehmenden so frei, selbstbestimmt und sicher wie jedes Jahr demonstrieren können."
Hamburg Pride geht nach Angriff auf die Straße
Die Veranstalter der Hamburger Pride Week riefen nach dem tödlichen Angriff zu einer Demonstration in der Hamburger Innenstadt auf. "Wir sind in Gedanken bei der Berliner Community", hieß es in dem bei Instagram verbreiteten Aufruf. Demnach sollte die Demonstration an der Ecke Neuer Jungfernstieg/Lombardsbrücke stattfinden.
Zu der Hamburger CSD-Parade sei man nach der Bluttat von Berlin im Austausch mit Polizei, sagte Manuel Opitz, Sprecher von Hamburg Pride. Einzelheiten nannte er nicht. "Wichtig ist, dass wir uns nicht unsichtbar machen lassen von Gewalt. Das was wir jetzt brauchen, ist der Rückhalt aus der Stadtgesellschaft", betonte er. "Deswegen rufen wir alle Hamburgerinnen und Hamburger auf, sich am CSD zu beteiligen."
Fegebank nennt Angriffe auf queere Menschen unerträglich
Die Zweiter Bürgermeisterin Katharina Fegebank zeigte sich von dem tödlichen Angriff in Berlin zutiefst betroffen. Sei sei "traurig und wütend", sagte die Umweltministerin. "Meine Gedanken und mein ganzes Mitgefühl sind in diesen schweren Stunden bei der verstorbenen Person, den vielen Verletzten, ihren Angehörigen und der gesamten Community."
Dass ausgerechnet ein Fest der Liebe und Vielfalt Ziel eines mutmaßlich islamistischen Anschlags geworden sei, mache einmal mehr deutlich, "dass queere Menschen auch heute noch Angst haben müssen - einzig und allein deshalb, weil sie queer sind", sagte die Grünen-Politikerin. "Das ist unerträglich."
Linke: Queere Menschen leben wieder in Angst
Die Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft verwiesen darauf, dass Straftaten und Gewalttaten gegen queere Menschen seit Jahren zunähmen. "Hass wirkt zersetzend - ganz egal, von wo er kommt", sagte die queerpolitische Sprecherin der Fraktion, Carola Ensslen. "Dieser Hass darf uns aber nicht auseinanderbringen: Wir stehen gemeinsam gegen die Angriffe aller Feinde einer freien Gesellschaft."
Auch sie sprach sie dafür aus, die vor dem Hamburger CSD noch einmal ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit zu legen. "Schon viel zu lange leben queere Menschen wieder in Angst, werden verfolgt und bedroht", sagte Ensslen.
Mutmaßlicher Täter nach CSD-Anschlag getötet
Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin ist der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Das bestätigte die Berliner Senatsinnenverwaltung. Nach dpa-Informationen wurde der Mann angeschossen und erlag den Verletzungen.
Bei dem Angriff am Samstagabend mit dem Auto sowie anschließend mit einer Stichwaffe, mutmaßlich eine Machete, wurde laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) eine Frau getötet, 29 Menschen wurden verletzt. Sie befanden sich laut Polizei am Nachmittag nicht mehr in Lebensgefahr.
Hunderttausende bei der Parade
Hunderttausende Menschen hatten in der Hauptstadt am Samstag den CSD gefeiert. Die Straßenparade - Höhepunkt eines bunten Programms während der Woche - begann am Mittag und endete abends am Brandenburger Tor. Mit ihrem Demonstrationszug wollten die Veranstalter ein Zeichen für Demokratie, Toleranz und Vielfalt setzen. Am Abend trat unter anderem Popmusikerin Sarah Connor bei der Abschlusskundgebung auf.
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Foto: Bloomicon / Shutterstock.com
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