10. Juli 2026 – Mara Schwarzenberger
"Passion Timmy": Ein Team um den Regisseur Alexander Klessinger und den Schauspieler Enrique Fiß arbeitet die Geschichte des an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals künstlerisch auf.
- Im Ernst Deutsch Theater feiert am Samstag das Stück "Timmy – Die Hope stirbt zuletzt" Premiere und greift das Schicksal des gestrandeten Buckelwals künstlerisch auf.
- Schauspieler Enrique Fiß und Regisseur Alexander Klessinger verbinden Theater, Podiumsdiskussion und Konzert zu einem Abend über Empathie, Aktivismus und gesellschaftliche Debatten.
- Im Mittelpunkt stehen die Polarisierung in sozialen Medien sowie die politische Instrumentalisierung des Wal-Schicksals und der Umgang mit unterschiedlichen Meinungen.
Der in der Ostsee mehrfach gestrandete und von manchen Timmy genannte Buckelwal war der Aufreger dieses Frühjahrs. Erst haben sich ihm unzählige Menschen in großer Empathie zugewandt und täglich sein Schicksal in Livestreams verfolgt. Am Ende, als er trotz aufwendiger Rettungsaktion stirbt, blieben Debatten über den richtigen Umgang mit dem Tier.
Der TV- und Theater-Schauspieler Enrique Fiß ("Großstadtrevier") nimmt sich dem Thema nun künstlerisch an. Seit langem arbeitet er mit dem Regisseur Alexander Klessinger in einem erweiterten Team zusammen. Gemeinsam entwickelten sie den Abend "Timmy - Die Hope stirbt zuletzt", der am Samstag (11. Juli, 19.30 Uhr) im Hamburger Ernst Deutsch Theater über die Bühne gehen soll.
Annäherung in drei Teilen
"Der Fokus ist bei uns die Frage, wo ist eigentlich der empathische Moment? Wenn eine Person in die Kamera weint und sagt, kommt, lasst uns doch zusammenstehen und dieses Tier retten, ist das etwas, was ich ernst nehme. Ebenso dieser Moment von Selbstwirksamkeit, von dem jede Person, die sich mal aktivistisch engagiert hat, weiß, wie gut er sich anfühlt", erklärt Fiß. "Wie dieses Thema aber aus der esoterischen und aus der rechten und nationalen Ecke gekapert wurde, aus derselben, die mit dem Spektakel dann auch Profit gemacht hat, wie das Ganze instrumentalisiert wurde, das ist etwas, was wir ganz klar kritisch sehen und thematisieren wollen."
Der Abend versucht, sich dem Thema in drei Teilen zu nähern. Das Theaterstück "Passion Timmy" verarbeitet die Ereignisse mit performativen Mitteln. Anschließend wird die Tierärztin Kirsten Tönnies, die bei einem Rettungsversuch vor Ort war, mit den Tierschutzaktivisten Anna Schubert und Hendrik Haßel diskutieren. Zum Abschluss wird die Berliner Band Tulpe, die mit dem - bewusst provokant betitelten - Song "Sprengt den Wal" einen Streaming-Hit landete, ein Konzert geben.
Platz für unterschiedliche Meinungen
Für Fiß ist es der Versuch, den verschiedenen Perspektiven und Meinungen Raum zu geben. «Passion Timmy» will das Drama als überspitzte Passionsgeschichte aufgreifen. "Es gibt einen rituellen Moment, den es ja auch um Timmy herum gab. Man hat sehr viel in diesen Wal hineininterpretiert, was er bedeuten könnte für uns als Gesellschaft, für uns als Menschheit", erklärt Fiß. "Diesen Moment ziehen wir größer, indem wir ihn wirklich religiös aufladen. Wir spielen da natürlich mit einer Grenze und müssen schauen, wo können wir mal rüber, wo gehen wir wieder einen Schritt zurück."
Es beschäftigt den Schauspieler, wie viel Wut in den sozialen Medien hochkochte in dem Moment, als die einen das Tier sterben lassen, die anderen es aber um jeden Preis retten wollten. "Am Ende hassen sich alle gegenseitig, dabei war es das Ziel, etwas Positives zu bewirken."
Kritisch sieht er auch die Vereinnahmung des Wal-Schicksals. «Wenn ein Spitzenpolitiker anfängt, darüber zu sprechen, dass der Wal ihm im Traum begegnet ist, dann ist das schon ein sehr komischer Moment. Da werde ich stutzig. Oder wenn ein Gründer von Mediamarkt sagt, dass wir vielleicht als Gesellschaft zu kapitalistisch geworden sind, frage ich mich, was passiert hier gerade?», so Fiß. "Auf einmal wird auch von rechten Influencern und Podcastern der Verfall des deutschen Staates anhand des sterbenden Wals begründet. Das ist ein sehr gefährlicher Moment."
All diese Fragen sollen auch Gegenstand der Gesprächsrunde sein. "Wir wünschen es uns, dass es hoch hergeht, ohne dass es explodiert. Ich mag Debatte und Austausch und Diskussion um die Sache. Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig zuhören und auch zugestehen, eine gewisse Haltung zu Themen zu haben, ohne dass wir eine bestimmte Basis verlassen. Dass wir uns darauf einigen können, dass es Fakten gibt." Doch das, so Fiß, müssten einige vielleicht erst wieder lernen.
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Foto: Bloomicon / Shutterstock.com
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