06. November 2026 – Sebastian Tegtmeyer

"Lauter Tag"

Hamburger Schüler planen Protest gegen Bildungskürzungen

Hamburgs Schüler wollen am 7. Dezember mit einem "lauten Tag" gegen geplante Bildungskürzungen protestieren. Welche Aktionen sie vorbereiten – und wer sie dabei unterstützt.

Schülerkammer, Protest "Eure Kürzung! Unser Aufstand"
Hamburger Schüler planen Protest gegen Bildungskürzungen I Foto: Picture Alliance

  • Hamburgs Schülervertretung mobilisiert gegen die geplanten Bildungskürzungen des rot-grünen Senats und kündigt Proteste, Streiks und einen "lauten Tag" an.
  • Geplant sind unter anderem der Abbau von bis zu 220 Lehrerstellen, längere Arbeitszeiten für Lehrkräfte und größere Klassen an Hamburger Schulen.
  • Schüler-, Eltern- und Lehrkräftevertretungen warnen vor schlechteren Lernbedingungen und langfristigen Folgen der Sparpolitik für Bildung und Wirtschaftsstandort Hamburg.

Gegen die vom rot-grünen Senat geplanten Kürzungen im Bildungsbereich wächst der Widerstand. Nachdem bereits am Freitagmorgen Jugendliche auch aus Protest gegen Einsparungen an mehreren Schulen in Altona und Eimsbüttel Eingänge blockiert hatten, kündigte die Schüler:innenkammer Hamburg (SKH) für den 7. Dezember einen "lauten Tag" an - und schloss auch Demonstrationen und Streiks nicht aus. Bereits am kommenden Dienstag wollen zudem unter dem Motto "Licht an für Bildung" Menschen in Eimsbüttel auf die Straße gehen.

Knop: Es geht auch um den Wirtschaftsstandort

"Wir wollen (...) ganz klar machen, dass die Kürzungen im Bildungsbereich als gesamtgesellschaftliches Thema betrachtet werden sollen", sagte die Vorsitzende der SKH-Arbeitsgruppe "Gegen Kürzungen an

Hamburger Schulen", Emma Knop. Es gehe nicht nur um die Zukunft der jungen Menschen, es gehe auch darum, dass die Kürzungen langfristig Folgen für den Wirtschaftsstandort haben würden. "Deswegen fordern wir den Senat und die Hamburgische Bürgerschaft mit aller Dringlichkeit dazu auf, die Kürzungen im Bildungsbereich in der aktuellen Form nicht zu verabschieden."

Angesichts der prekären Haushaltslage plant die rot-grüne Koalition teils schmerzhafte Einschnitte im Doppelhaushalt 2027/28. Unter anderem sollen an Ganztagsschulen Lehrkräfte vom kommenden Schuljahr an nicht mehr für die Betreuung, sondern ausschließlich für den Unterricht eingesetzt werden. Dadurch sollen bis zu 220 Lehrerstellen entfallen und dauerhaft 16,5 Millionen Euro pro Jahr im Etat eingespart werden. Parallel dazu soll die Arbeitszeit aller Lehrkräfte von 40 auf 41 Stunden hochgesetzt und die Vertretungsreserve von 104 auf 103 Prozent abgesenkt werden.

"Der Pisa-Schock ist gerade mal ein paar Wochen her"

Knob kritisierte auch die von Schulsenatorin Ksenija Bekeris geplante Anhebung der Basisfrequenz. Demnach sollen vom Schuljahr 2027/2028 an die Klassen 7 bis 10 an Gymnasien einen Schüler mehr bekommen. Von 22 auf 24 Schülerinnen und Schüler sollen zudem die Oberstufenkurse an Gymnasien und Stadtteilschulen wachsen. "Der Pisa-Schock ist gerade mal ein paar Wochen her und nun wird gespart auf Kosten von uns", klagte die SKH-Vorsitzende Pia Langer. Das sei unbegreiflich.

Unterstützt werden die Schülerinnen und Schüler sowohl von der Eltern- als auch von der Lehrer*innenkammer Hamburg. Sie sehe die geplanten Kürzungen mit großer Sorge, "denn hinter den Zahlen und Berechnungen stehen ganz konkrete Auswirkungen auf den Schultag unserer Kinder", sagte die Elternkammer-Vorsitzende Simone Kohl. Der Vorsitzende der Lehrkräftevertretung, Kai Kobelt, betonte: "Gute Bildung ist nicht mit Sparen zu erreichen, sondern gute Bildung ist mit mehr Geld und mehr Ressourcen zu erreichen."

Tschentscher will nicht mit den Schülerinnen und Schülern reden

"Uns ist wichtig, dass man uns zuhört und nicht nur über unseren Kopf hinweg entscheidet", sagte Langer. Mit Schulsenatorin Bekeris habe bereits ein Gespräch stattgefunden und auch mit den Bildungsexperten von SPD, Grünen, Linken und der CDU sei man in Kontakt. Bürgermeister Peter Tschentscher und Finanzsenator Andreas Dressel hätten jedoch ein Gespräch abgelehnt. Die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) und Parlamentspräsidentin Carola Veit hätten auf eine Anfrage nicht reagiert.

Neben dem "lauten Tag" sei im Rahmen der Kampagne "Eure Kürzungen, unser Aufstand" auch eine "Postkarten-Flut" geplant, sagte SKH-Vorstandsmitglied Emma Andresen. Dabei sollen Schülerinnen und Schüler ihre Erfahrungen mit Kürzungen aufmalen, aufschreiben oder zeichnen - und die Ergebnisse anschließend an die politischen Entscheidungsträger schicken.

Arbeitsgruppenmitglied Mateo Hecht sagte mit Blick auf den "lauten Tag" am 7. Dezember: "An diesem Tag rufen wir alle Schülerinnen und Schüler Hamburgs dazu auf, für einige Zeit den Unterricht zu verlassen, um auf den Schulhöfen auf die Forderungen von ihnen und auf sich selbst aufmerksam zu machen."

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(Quelle: dpa)

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