18. Juni 2026 – Chiara-Lee Haartje
Nach Fan-Ausschreitungen flammt die Debatte um personalisierte Eintrittskarten neu auf. Während einige Innenminister darin eine Chance sehen, warnen andere vor zu weitreichenden Eingriffen in die Fankultur.
Bei der Frühjahrskonferenz der Innenminister in Hamburg steht das Thema Gewalt in und rund um Fußballstadien erneut im Fokus. Mehrere Bundesländer haben Änderungswünsche zu einem Beschlussvorschlag eingebracht, der sich mit der Sicherheit bei Spielen beschäftigt.
Vor allem Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) drängt auf neue Maßnahmen. Neben einem verbindlichen Sicherheitskonzept für Stadien und einem konsequenten Vorgehen gegen Pyrotechnik bringt er erneut personalisierte Tickets ins Gespräch.
Schuster wirbt für Pilotprojekte
Nach Ansicht Schusters könnten Eintrittskarten mit Namen helfen, Stadionverbote besser durchzusetzen. Der CDU-Politiker verweist auf die bereits eingeführte zentrale Stelle zur Überprüfung von Stadionverboten, die gemeinsam mit DFB und DFL umgesetzt wurde.
Nun sei der nächste Schritt nötig. Zunächst könne er sich Pilotprojekte mit einzelnen Vereinen vorstellen. Nach eigenen Angaben gäbe es auch in Sachsen Clubs, die für solche Modelle offen wären.
Hessens Innenminister sieht Pflicht kritisch
Widerstand kommt dagegen aus Hessen. Innenminister Roman Poseck (CDU) spricht sich zwar ebenfalls für ein striktes Pyrotechnik-Verbot aus, lehnt personalisierte Tickets als Regelfall aber ab.
Aus seiner Sicht sollten solche Maßnahmen allenfalls bei Hochrisikospielen zum Einsatz kommen. Eine generelle Verpflichtung für alle Fans hält er für den falschen Weg.
DFB-Sportgericht setzte bereits auf Namenskarten
Neue Nahrung erhielt die Debatte durch die Ausschreitungen beim Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC. Das DFB-Sportgericht verhängte daraufhin harte Sanktionen.
Für die nächsten beiden Pflichtspiele der beiden Vereine gegeneinander müssen unter anderem personalisierte Gästetickets eingesetzt werden. Zudem wurde das Kartenkontingent für Dresden begrenzt.
Schuster sieht darin ein wichtiges Signal. Stadionverbote könnten schließlich nur dann wirksam kontrolliert werden, wenn die Identität der Besucher überprüfbar sei.
Vorbild Europapokal
Auch auf internationaler Ebene sind personalisierte Tickets längst keine Seltenheit. In der Champions League, Europa League oder Conference League kommen sie bereits zum Einsatz.
Schuster verweist auf das Conference-League-Finale in Leipzig, bei dem nach Ausschreitungen zwischen englischen und spanischen Fans bestimmte Personen gezielt vom Stadionbesuch ausgeschlossen werden konnten.
Fankultur soll erhalten bleiben
Trotz der Diskussion betont Schuster, dass es nicht darum gehe, die deutsche Fankultur zu verändern. Insbesondere die Stehplätze stünden nicht zur Debatte.
Es gehe ausschließlich um eine bessere Zugangskontrolle und mehr Sicherheit. Wo die Fans im Stadion stehen, spiele dabei keine Rolle.
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Foto: Bloomicon / Shutterstock.com
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