05. Mai 2026 – Mara Schwarzenberger
Immer mehr möblierte und temporäre Wohnungen prägen den Hamburger Wohnungsmarkt, vor allem in beliebten Vierteln. Eine neue Studie zeigt, wie stark das Angebot gewachsen ist und warum nun strengere Regeln kommen sollen.
Die aktuelle Studie "Flexibles Wohnen in Hamburg" zeigt, dass möbliertes und temporäres Wohnen in Hamburg in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Während 2014 nur rund 3,5 Prozent der online inserierten Wohnungen diesem Segment zuzuordnen waren, lag der Anteil 2023 bereits bei 17,9 Prozent. Damit wächst der Markt in der Hansestadt deutlich schneller als im bundesweiten Durchschnitt, der im gleichen Zeitraum von 3,7 auf 11,9 Prozent gestiegen ist.
Besonders gefragt: zentrale Stadtteile
Vor allem in beliebten, innenstadtnahen Vierteln ist der Trend deutlich sichtbar. In Stadtteilen wie Eimsbüttel, St. Pauli oder Rotherbaum machen möblierte Angebote inzwischen rund ein Viertel bis knapp ein Drittel der Inserate aus. Gerade junge Menschen, etwa Studierende oder Auszubildende, suchen hier häufig nach Wohnungen und stoßen besonders oft auf flexible Wohnformen.
Online-Angebot verzerrt Realität
Die Studie zeigt, dass die starke Präsenz möblierter und temporärer Wohnungen auf Online-Portalen nicht automatisch bedeutet, dass sie auch einen entsprechend großen Teil des tatsächlichen Wohnungsmarktes ausmachen. Zwar wirken diese Angebote durch ihre Häufigkeit in den Inseraten sehr dominant, tatsächlich liegt ihr Anteil am gesamten Wohnungsbestand in den betroffenen Stadtteilen aber im Durchschnitt nur bei etwa einem Prozent. Selbst in Vierteln mit den höchsten Werten bewegt sich dieser Anteil lediglich zwischen 0,9 und 1,3 Prozent.
Der Grund für diese Diskrepanz liegt laut Studie vor allem in der Art, wie diese Wohnungen angeboten werden. Flexible Wohnformen gehen oft mit einer hohen Fluktuation einher. Die Wohnungen werden also deutlich häufiger neu vermietet als klassische Mietwohnungen. Dadurch werden sie auch häufiger online inseriert. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Inserate für klassische, unmöblierte Mietwohnungen auf Plattformen ab. Das verstärkt den Effekt zusätzlich. Möblierte Angebote sind überproportional sichtbar, obwohl sie real nur einen kleinen Teil des Wohnungsmarktes ausmachen.
Die Studie kommt deshalb zu dem Schluss, dass sich aus den hohen Inseratszahlen keine großflächige Umwandlung von normalen Mietwohnungen in möbliertes, temporäres Wohnen ableiten lässt.
Kritik an hohen Mieten
Problematisch sind laut Studie vor allem die oft hohen Mietpreise. Diese entstehen teilweise außerhalb der Mietpreisbremse, etwa durch Kurzzeitverträge oder Zuschläge für Möbel. Besonders für junge und einkommensschwächere Haushalte kann das zur Belastung werden.
Neue Regeln geplant
Die Politik reagiert nun mit strengeren Vorgaben. Künftig sollen Kurzzeitmietverträge auf maximal sechs Monate begrenzt werden, eine Verlängerung auf höchstens acht Monate ist nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Auch bei möblierten Wohnungen soll mehr Transparenz geschaffen werden: Zuschläge für Möbel müssen künftig gesondert ausgewiesen werden und sich am tatsächlichen Wert orientieren. Für vollständig möblierte Wohnungen wird eine pauschale Obergrenze von etwa zehn Prozent der Nettokaltmiete diskutiert.
Balance zwischen Flexibilität und Schutz
Die Studie macht deutlich: Flexible Wohnformen erfüllen durchaus eine wichtige Funktion – etwa für Pendler oder Menschen in Übergangsphasen. Gleichzeitig braucht es klare Regeln, um Missbrauch zu verhindern und den Wohnungsmarkt fair zu halten.
Hamburg sieht sich dabei als Vorreiter und hat mit entsprechenden Initiativen auf Bundesebene den Weg für die aktuellen Gesetzesänderungen mitbereitet.
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Foto: Bloomicon / Shutterstock.com
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