05. Mai 2021 – Stefan Angele

Eure Fragen - Ihre Antworten

Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard beantwortet eure Fragen bei Radio Hamburg

Eine Stunde live on Air

Foto: Picture Alliance
Foto: Picture Alliance

In der Coronakrise gibt es für die meisten von uns oftmals mehr Fragen als Antworten und dadurch verständlicherweise Unklarheiten, Ängste und Sorgen. Auch deshalb versuchen wir euch im Programm von Radio Hamburg so oft wie möglich die Chance zu geben, eure brennendsten Fragen denen zu stellen, die wir dazu per Wahl beauftragt haben - die Politikern unserer Stadt. So konntet ihr in den vergangenen Monaten bereits mehrfach beispielsweise Schulsenator Ties Rabe, Bürgermeister Peter Tschentscher oder Karl Lauterbach Fragen zur Coronakrise, zu Schulschließungen, zum Impfen und allen anderen Themen rund um diese historische Krise stellen. Auch Hamburgs Gesundheits- und Sozialsenatorin Melanie Leonhard war bereits mehrfach zu Gast und hat am Mittwoch (05.05.) zwischen 7 und 8 Uhr eine Stunde lang erneut in der Radio Hamburg Morningshow vorbeigeschaut.

Wie geht es mit dem Impfen weiter?

Wichtigste Frage für viele von euch war: Wann bekomme ich denn endlich meinen Impftermin? Genau das Thema "Impfen" war dann auch im Fokus von Melanie Leonhard Besuchs bei Radio Hamburg, denn dazu gibt es einfach noch so viele offene Baustellen und Unklarheiten, die wir zusammen mit euch zügig aus der Welt räumen wollten, um für uns alle Klarheit zu bekommen. Droht den Arztpraxen mit dem Aufheben der Impfpriorisierung ab Juni beispielsweise ein Chaos? Wann dürfen Betriebsärzte mitimpfen? Was mache ich, wenn ich keinen Hausarzt habe? Sind Freiheiten für Geimpfte nicht ungerecht wenn ich selbst noch kein Impfangebot bekommen habe? Oder kann ich den umstrittenen Astrazeneca-Impfstoff ablehnen und einen anderen bekommen? Nur wenige Fragen, die derzeit wohl viele Hamburger umtreiben und die die SPD-Politikerin in dem einstündigen Interview versucht hat zu beantworten.

Das gesamte Interview zum Nachhören

Das gesamte Interview mit der Gesundheitssenatorin bei Radio Hamburg könnt ihr euch hier jetzt noch einmal anhören:

Melanie Leonhard in der Radio Hamburg Morningshow Teil 1
05.05.2021
Melanie Leonhard in der Radio Hamburg Morningshow Teil 1
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Melanie Leonhard in der Radio Hamburg Morningshow Teil 2
05.05.2021
Melanie Leonhard in der Radio Hamburg Morningshow Teil 2
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Die wichtigsten Aussagen der Gesundheitssenatorin

Lockerungen beim Sport für Kinder & Jugendliche

Familiensenatorin Melanie Leonhard stellt unter anderem Lockerungen unter anderem beim Sport für Kinder und Jugendliche in Aussicht, sofern die 7-Tage-Inzidenz fünf Tage lang verlässlich unter 100 liegt. Es werde zu den ersten Schritten gehören, Sport mit Kontakt in Gruppen bis 10 Personen im Freien wieder zu erlauben. Dies sei unter anderem Thema in der Senatssitzung am Freitag (07.05.). Voraussetzung sei natürlich ein gutes Hygienekonzept der Sportvereine und anderer Anbieter.

Hamburger Inzidenzwert dichter am Infektionsgeschehen

Grundlage für die Entscheidung bilde der sogenannte „Hamburger Inzidenzwert“, der im Gegensatz zu den bundesweiten Erhebungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) auch Meldungen nach Mitternacht berücksichtige. Leonhard: „Wir in Hamburg zählen alle Infektionen, die uns bis zum Morgen 9 Uhr erreichen. Das sind ja auch die, die es wirklich gegeben hat. In Wahrheit unterscheidet sich Hamburg vom RKI gar nicht so doll, dann nämlich, wenn man die Tage rückwirkend betrachtet. Insofern ist unser Wert ein bisschen schneller, ein bisschen dichter am Infektionsgeschehen. Man kann ja auch aus der Vergangenheit sagen, dass es wichtig ist, dass man dicht dran ist. Dass es wichtig ist, dass man ein, zwei Tage mehr wartet. Denn wenn man zu früh öffnet, dann gibt’s wie im Februar und März diesen Jo-Jo-Effekt und dann dauert es umso länger, bis man die Infektionszahlen wieder eingebremst hat.“

Nachbesserungen in der Impf-Kommunikation nötig

Die Senatorin versprach zudem Verbesserungen in der Kommunikation. Melanie Leonhard zeigte großes Verständnis dafür, dass die Frustration bei Bürger/innen hoch sei, die nach einem kurzfristigen Aufruf in den Medien den Patientenservice / Impfhotline 116 117 anrufen und zu hören bekommen, sie seien angeblich noch nicht dran. Die Senatorin: „Wichtig ist: Alle versuchen möglichst ihr Bestes, damit alle möglichst schnell an die richtigen Nachrichten kommen. Wir haben, um möglichst viele Menschen rechtzeitig mit Terminen zu versorgen ein sehr sehr großes Callcenter. Ich will nicht ausschließen, dass nicht der eine oder andere, auch bei den anderen Bundesländern, nicht auf dem aktuellen Stand ist. Wir sind aber in einer Lage, in der wir zum Teil auch nicht große Verzögerungen haben wollen, wenn wir Menschen die Möglichkeit geben wollen, sich impfen zu lassen, die darauf lange warten. Wenn z.B. der Leiter des Impfzentrums merkt, da sind noch Termine frei, dann bedient er sich natürlich auch Twitter, um Menschen darüber zu informieren. Und zum Teil sind diese Termine schnell weg und Menschen, die dann anrufen und keinen bekommen, sagen: „Das stimmt ja gar nicht!“ Das sind die Dinge, die bei sehr angespannter Lage und so großem Interesse wie dem Impfen passieren. Das tut uns sehr leid, das soll so nicht sein, aber das lässt sich nicht ganz ausschließen.“

Impfpolitik müsse sich am Schutz der Bevölkerung ausrichten

Die Senatorin bestätigte, dass vollständig geimpfte Menschen keiner 14-tägigen Quarantäne mehr unterliegen würden, wenn sie aus dem Urlaub zurückkehrten. Dies gelte allerdings nicht für Rückkehrer aus Hochrisiko-Gebieten. Melanie Leonhard: „Es geht ja um die Frage, ob Geimpfte Getesteten gleichgestellt werden. Wir sind in einer weltweiten Pandemie und wenn dann von Geimpften ein geringeres Risiko ausgeht, dann müssen wir das berücksichtigen.“ Die Senatorin warnte allerdings davor, die Impfung auf das Thema Urlaub und Testverzicht zu reduzieren: „Wir impfen immer noch stark nach Priorisierung. Gerade junge Menschen haben sich sehr sehr eingeschränkt in den letzten Monaten. Und gerade junge Menschen sind beim Impfen leider einfach noch nicht dran. Vor dem Hintergrund ist Politik, bin ich selbst, sind alle gefragt, dieses Thema Impfung nicht ausschließlich mit dem Aspekt Urlaub oder Testverzicht zu sehen. Es geht eigentlich um Bevölkerungsschutz.“

Keine Haftung für eine siebte Impfdosis in Ampulle

Für eine siebte Impfdosis in der Ampulle übernimmt der Hersteller keine Haftung. Und sie als Hamburger Gesundheitssenatorin auch nicht. Dies stellte Leonhard klar. Die Senatorin erläuterte: „Grundsätzlich ist es so: Die rechtliche Sicherheit gibt nur die Zulassungsbehörde. Diese hat gemeinsam mit dem Hersteller gesagt: Sechs Dosen sind sicher drin. Die siebte kann im Einzelfall verimpft werden, da muss der Arzt gucken und entscheiden, ob es genug Impfstoff ist. Der Hersteller hat auch gesagt: Wir können nicht garantieren, ob die siebte Dosis genug Impfstoff enthält. Ein bisschen wie bei Pudding: Bei zu viel Milch haben Sie zwar mehr Menge, aber irgendwann wird er nicht mehr fest. Kein Wort von einer Senatorin kann die Haftungsfrage klären.“

Klare Absage an Impfgegner

Die Senatorin wandte sich im Interview zudem deutlich an Impfgegner und Verschwörungstheoretiker: „Der Hauptgrund für eine Impfung ist tatsächlich, dass man seine Gesundheit gut schützt und die seiner Lieben um sich herum. Wir hoffen natürlich, dass möglichst viele Menschen sich impfen lassen und wir es damit schaffen, das Virus zurückzudrängen. Anlass für eine Impfung ist hauptsächlich der, dass man sich und sein Umfeld vor schweren Verläufen, Krankheit und Tod schützt.“ Melanie Leonhard sicherte in diesem Zusammenhang zu, eine Lösung für Menschen unter 60 Jahren zu finden, die nach einer Erstimpfung mit Astra Zeneca auch die zweite Impfung damit wollen. Da es für diese Gruppe kein Angebot im Hamburger Impfzentrum gäbe, müsse eine Sonderregelung über die Hausärzte gefunden werden.

Nachweis der Genesung ist Kernthema

Senatorin Leonhard erklärte weiterhin, es sei ein Kernthema, wie Genesene beweisen sollen, dass sie erkrankt waren. Es gäbe in der Tat Überlegungen, dass der positive PCR-Test als Nachweis dienen solle. Allerdings habe man nur eine Immunität von etwa 6 Monaten nach der Erkrankung. Danach müssten sich auch Genesene impfen lassen. Die Senatorin bestätigte, dass vollständig geimpfte Menschen keiner 14-tägigen Quarantäne mehr unterliegen würden, wenn sie aus dem Urlaub zurückkehrten. Dies gelte allerdings nicht für Rückkehrer aus Gebieten mit Virus-Mutationen. Melanie Leonhard: „Es geht ja um die Frage, ob Geimpfte Getesteten gleichgestellt werden. Wir sind in einer weltweiten Pandemie und wenn dann von Geimpften ein geringeres Risiko ausgeht, dann müssen wir das berücksichtigen.“

Migrationshintergrund wird bei Erkrankung nicht erfasst

Im Interview nahm die Gesundheitssenatorin auch Stellung zu Berichten, nach denen die Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund mit Corona auf den Intensivstationen zunimmt. Leonhard: „Tatsächlich wird sowas wie der Migrationshintergrund bei Patienten überhaupt nicht erfasst. Es gibt immer so ein Bild nach Tagesansicht, Gefühl und Patientenkenntnis. Die Ärzte wissen ja, wen sie da behandeln. Und das ist sehr gemischt. Weiterhin sind es Menschen im Alter ab 50, die überwiegend voll im Leben stehen, berufstätig sind und in Berufen arbeiten, in denen sie sehr exponiert sind. Wir haben gerade eine ganze Reihe von Fällen von Menschen aus Distributionsunternehmen, aus Reinigungsunternehmen, wo wir Ausbrüche hatten. Sie kennen die Berichte über Spargelhofausbrüche, das sind alles Dinge, die auch dafür sorgen, dass unter den Infizierten sehr viel mehr Menschen mit Migrationshintergrund sind.

Lokale Informations-Strukturen für Menschen mit Migrationshintergrund

Senatorin Leonhard erklärte, dass man in Hamburg darauf setze, dass Menschen mit Migrationshintergrund und damit verbundenen Sprachbarrieren im lokalen Umfeld über Corona aufgeklärt und über die Impfung informiert würden. In Kooperation u.a. mit dem Hamburger Kinderschutzbund und dem städtischen Wohnungsanbieter fördern & wohnen gäbe es seit Herbst 2020 zuverlässige Strukturen der Information, unter anderem ein Infomobil. Hier würden Migranten in ihren Muttersprachen angesprochen. Man habe in betroffenen Stadtteilen mehr lokale Impfstellen etabliert, Angebote in Krankenhäusern erhöht und auch mehr Angebote bei niedergelassenen Ärzten/innen geschaffen. Nun müssten die Menschen über die lokalen Strukturen vernetzt werden. Auf Kritik, dass die Webseite impfterminservice.de nur in deutscher Sprache gehalten sei, entgegnete die Senatorin, dass man schnell ein tragfähiges System für die Impforganisation hätte etablieren müssen. Sie vertraue auf die geschaffenen lokalen Strukturen, um Menschen mit Migrationshintergrund ausreichend zu informieren.

Test-Modellversuch bei Kitakindern

Senatorin Leonhard erläuterte ferner, dass man bei den Kitas derzeit im Modus der erweiterten Notbetreuung sei, also etwa die Hälfte der Kinder werde derzeit betreut. Dies sei von besonders großer Wichtigkeit für alle Eltern, die in Berufen arbeiten, „um unsere Stadt am Laufen zu halten“. Die Senatorin kann aber auch die Not vieler Familien verstehen, die ihr Kind derzeit nicht in die Kita geben können. Sie macht Mut: „Die gute Nachricht ist, dass das Erste, was wir in Hamburg erweitert anbieten werden, ist der Kitabetrieb wieder. Gleichzeitig ist es so, dass alle Testverfahren, die wir derzeit in Hamburg haben, sich allesamt nicht sehr gut für kleinere Kinder eignen. Trotzdem haben wir derzeit gerade in Hamburg einen Modellversuch, wo Eltern ihre Kinder zuhause testen.“ Die Ergebnisse daraus werden nun in den nächsten Tagen ausgewertet werden. Ziel sei es, zukünftig für alle Kinder ab etwa 4 Jahren eine verlässliches Testangebot zu haben und somit ein erhöhtes Maß an Sicherheit zu erzielen.

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