08. Januar 2026 – Mira Oetinger

Mit Expertentipp

Neu im Kino: Das sind die Neuheiten der Woche

Fünf Jahre nach dem Erscheinen von "Greenland" bekommt der US-amerikanische Katastrophenthriller nun eine Fortsetzung die es in sich hat. Außerdem macht sich "Checker Tobi" erneut auf eine Reise um die Welt und Hugh Jackman und Kate Hudson erwärmen die Herzen der Kinozuschauer im Film "Song Sung Blue".

Greenland 2,  Gerard Butler, Morena Baccarin, Roman Griffin Davis
Der Film "Greenland 2" startet am 08. Januar in den deutschen Kinos. In den Hauptrollen: Gerard Butler, Morena Baccarin und Roman Griffin Davis I Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Lionsgate

Der Auftakt in das neue Kinojahr geht direkt unter die Haut - unter anderem mit dem Kinoneuling "Song Sung Blue". Erst geht es herzerwärmend um Musik und Liebe - dann wird der Film zum Drama. Hugh Jackman und Kate Hudson brillieren in guten wie in schlechten Zeiten. Und lehren uns drei Dinge fürs Leben. Außerdem geht Checker Tobi erneut auf große Reise. In seinem neuen Film stößt er auf eine Reporterfrage aus seiner Kindheit. Um die Antwort darauf zu finden, reist der Reporter wieder um die Welt und spricht dabei sein Herzensthema an.

Wer Fan von postapokalyptischen Katastrophenfilmen ist, könnte in der Fortsetzung von Greenland auf seine Kosten kommen. Fünf Jahre nachdem ein Komet den größten Teil der Welt zerstört hat, muss eine der geflüchteten Familien (in den Hauptrollen Gerard Butler, Morena Baccarin und Roman Griffin Davis) den Schutz des Bunkers in Grönland verlassen und nach einem Ort suchen, an dem sie vor den katastrophalen Zuständen, die auf der Welt herrschen, geschützt sind.

Song Sung Blue

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08.01.2026
Jetzt anhören: Darum empfiehlt euch der Filmexperte "Song Sung Blue"
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Mit Musik reich und weltberühmt werden - davon träumen viele.Der Musikfilm "Song Sung Blue" gibt denen eine Bühne, die es nicht schaffen. Hugh Jackman und Kate Hudson singen und spielen hier, inspiriert von wahren Begebenheiten, ein Musikerpaar, das als Coverband mit Neil-Diamond-Songs in den späten 80ern und 90ern in den USA lokale Berühmtheit erlangte. Aber für den ganz großen Durchbruch reichte es nicht.

Regisseur Craig Brewer (54) rückt mit seinem Film den oft übersehenen Alltag von Hobbymusikern ins Rampenlicht. "Ich lebe in Memphis, Tennessee, und Musik ist dort ein ganz wesentlicher Teil unserer Kultur. Viele meiner Freunde spielen jeden Abend in Rockclubs, und sie sind großartig auf der Bühne", erzählt Brewer im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Und am nächsten Morgen servieren sie mir Kaffee im Diner um die Ecke."

Wenn Musiker aufstocken müssen

Genau hier setzt der erste von drei Lebenstipps an, die "Song Sung Blue" bereithält. Für Mike und Claire Sardina, die realen Vorbilder der Filmhandlung, scheint der Zug zur Musikkarriere längst abgefahren: Er ist Vietnam-Veteran, trockener Alkoholiker und jobbt als Mechaniker, sie schlägt sich als Friseurin und alleinerziehende Mutter durch und singt höchstens auf kleinen Bühnen.

Doch zwischen beiden funkt es – musikalisch und privat. Aus gemeinsamer Musikleidenschaft und trotzigem Optimismus entsteht die Neil-Diamond-Tribute-Band Lightning & Thunder. Kate Hudson sieht darin weder Naivität noch finanziellen Leichtsinn, sondern den wahren Weg zum Glück: "Selbst wenn du Musik machst, während du anderswo noch Geld verdienst – dann folgst du deinem Traum."

In gewisser Weise passend für eine Schauspielerin, die mit "Almost Famous – Fast berühmt" bekannt wurde, misst Hudson Erfolg nicht an Weltruhm oder Charthits. "Ich glaube, dass mehr Menschen verstehen müssen: Es ist okay, ein Musiker zu sein, der nicht den Erfolg eines Mick Jagger hat", findet die 46-Jährige, die inzwischen auch als Sängerin auftritt. "Es ist genauso bedeutend, weil es dir etwas bedeutet. Denn es bedeutet, dass du dein Leben so lebst, wie du es leben möchtest."

"Und dann weißt Du nie, wohin es dich führt"

Leidenschaft vor Geld - dieses Gefühl kennt auch Hudsons Filmpartner Hugh Jackman - aus seiner Zeit an der Schauspielschule: "Ich liebte es einfach. Ich dachte: Selbst wenn ich nie einen Tag in meinem Leben arbeiten werde, waren das die besten drei Jahre meines Lebens", erinnert sich der 57-Jährige im dpa-Interview.

Lebenstipp Nummer eins also für Menschen mit einer Leidenschaft aber ohne sichere Erfolgsaussichten - in Hugh Jackmans Worten: "Mach es einfach. Das sage ich immer. Und dann weißt Du nie, wohin es dich führt." Vielleicht ja sogar zum Broadway: Inzwischen tanzt und singt Jackman neben seiner Schauspielkarriere ("Deadpool & Wolverine", "The Greatest Showman") regelmäßig in Broadway-Shows.

"Ist mein Leben vorbei?"

Der zweite Lebenstipp, den man aus "Song Sung Blue" mitnehmen kann, dreht sich um den Mut zum späten Neuanfang. Mike und Claire finden einander und die Berufung als Neil-Diamond-Tribute-Musiker erst in ihrer Lebensmitte.

Für Regisseur Craig Brewer ein wiederkehrendes Thema: "Das ist etwas, das ich schon in mehreren meiner Filme untersucht habe. 'Hustle & Flow' war einer davon, 'Dolemite Is My Name' mit Eddie Murphy ein anderer. Ich interessiere mich sehr für Menschen in ihren 40ern, 50ern und manchmal 60ern, die sich fragen: Ist mein Leben vorbei?"

Für Brewer (54) gibt es genau eine richtige Zeit für einen Neustart - Lebenstipp Nummer zwei eben: "Der richtige Moment neu anzufangen, ist der, in dem du es am leidenschaftlichsten fühlst. Dann musst du dir erlauben, voranzugehen." Zweifel oder äußere Umstände gelten für Brewer dabei nicht als Ausrede: "Oft sind wir selbst ja die Einzigen, die uns zurückhalten."

In guten wie in schlechten Zeiten - ein voreiliges Versprechen?

Der dritte und letzte Lebenstipp entfaltet seine Kraft in den dunkelsten Momenten von "Song Sung Blue". Urplötzlich brechen sie über Mike und Claire herein. Sie sind zu diesem Zeitpunkt längst verheiratet. Wie zahllose andere Ehepaare haben sie sich versprochen, in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da zu sein - ohne zu ahnen, wie hart eine Bewährungsprobe wirklich sein kann.

Der Film übertreibt hier nicht, auch dieser Teil der Geschichte ist tatsächlich passiert. Hugh Jackman: "Jeder erlebt mal Höhen und Tiefen - aber dieses Paar wahrscheinlich mehr als die meisten von uns. Der Film handelt sehr davon, wie diese beiden einander retten, füreinander da sind."

Dass Kate Hudson, anders als Hugh Jackman, für ihre Rolle mit einer Golden-Globe-Nominierung bedacht wurde, dürfte vor allem diesem düsteren Abschnitt geschuldet sein. Im ersten Teil tragen Jackman und Hudson die Geschichte durch ihr Charisma und ihre mitreißende Chemie auf der Bühne. Jackman wirft sich dabei mit Haut und Haaren und ohne Scham in seine Rolle - inklusive Gesangseinlage zu Hause in Unterwäsche. Aber wie Hudson die vorher so strahlende Claire in den Abgrund führt, ist ergreifend.

"Diese Art von Liebe"

"Das ist eines der Dinge, die ich an diesem Film so liebe und von denen ich glaube, dass die Leute sie wirklich erfrischend finden werden", glaubt Hudson. In einer Zeit, in der Beziehungen oft schnell beendet würden, erzähle "Song Sung Blue" hier von einer tieferen Art der Romantik. "Ich denke, heutzutage ist es sehr einfach, jemanden zu verlassen", sagt Hudson. "Aber die Stärke, mit jemandem gemeinsam durch etwas hindurchzugehen – diese Art von Liebe ist doch das, wonach wir alle suchen."

Lebenstipp Nummer drei also - mit den Worten von Hugh Jackman: "Hier geht es wirklich um Familie. Sich gegenseitig beistehen – durch die wirklich, wirklich schweren Zeiten - das ist wunderschön." So gesehen bleibt "Song Sung Blue" doch bis zum Schluss ein Wohlfühlfilm - wenn auch einer, der zwischendurch schmerzlich unter die Haut geht.

Checker Tobi 3 - Die heimliche Herrscherin der Erde

Normalerweise erklärt Reporter und Moderator Tobias Krell im Fernsehen Kindern die Welt. Als "Checker Tobi" schaffte er es so auch schon auf die ganz große Leinwand. Ab dem 8. Januar ist er dort wieder zu sehen. Dann startet sein Kino-Film "Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde".

Wie auch schon in den letzten beiden Filmen spricht Tobias Krell darin ein Thema an, das ihm am Herzen liegt: den Klimawandel. "Das ist das größte Thema, das ich so mit mir herumtrage", sagte der Reporter im Interview der dpa. Ihm sei wichtig gewesen, dass der Klimawandel im Film benannt werde - aber ohne Angst zu machen.

Ziel sei nicht, dass alle Kinder nach dem Schauen wüssten, dass die Klimakrise ein Riesen-Thema sei, erklärte Tobias Krell. Aber er wünsche sich, dass sowohl Kinder als auch die Eltern etwas aus dem Film mitnehmen.

"Checker Tobi" sucht weltweit nach Antworten

Dafür reist "Checker Tobi" mal wieder um die Erde. Es geht für ihn in den Dschungel Madagaskars, an den Nordpol nach Spitzbergen und zu den Spuren der alten Maya in Mexiko. So will der Reporter eine Frage aus seiner Kindheit beantworten. Denn schon als Achtjähriger formulierte er seine erste "Checker-Frage": Wer hinterlässt die mächtigsten Spuren im Erdreich?

Auf diese Frage von früher stößt er, als er mit seiner Freundin Marina den Keller ausmistet. Denn die beiden finden dort eine alte Video-Kamera mit Aufnahmen aus "Checker Tobis" Kindheit. Zu sehen gibt es eine Art selbstgemachte Fernsehsendung des acht Jahre alten Tobi. Darin fehlt aber die Antwort auf die große Frage. Um die zu klären, begeben sich der junge Tobi und der erwachsene "Checker Tobi" gemeinsam auf ein Abenteuer.

Ganz ausgedacht ist das frühe Interesse von Tobias Krell an komplizierten Fragen wohl nicht. Denn schon damals habe er mit einem alten Kassetten-Rekorder und einem Mikrofon Radiosendungen aufgenommen, sagte Krell. "Ich wusste schon da: Ich möchte Journalist werden."

Ein einfacher Unfall

Die Nacht ist still, bis ein Aufprall die Dunkelheit zerreißt. Auf einer abgelegenen Landstraße im Iran erfasst ein Auto einen streunenden Hund. Am Steuer: Eghbal, unterwegs mit seiner hochschwangeren Frau und der kleinen Tochter. Als der Wagen kurz darauf liegen bleibt, sucht die Familie Hilfe in einer nahegelegenen Werkstatt. Dort horcht der Mechaniker Vahid auf: Das metallische Quietschen von Eghbals Beinprothese erinnert ihn an die Schritte seines Peinigers aus der Zeit im Gefängnis.

Mit dieser Szene eröffnet der iranische Regisseur Jafar Panahi seinen neuen Film "Ein einfacher Unfall" – doch einfach ist hier nichts. Der Filmemacher, selbst seit Jahren im Visier der Justiz, erzählt von Momenten, in denen das Politische ins Private eindringt und so ein moralisches Dilemma entsteht. Panahi zeigt eine Gesellschaft, in der die Vergangenheit nie ganz vergangen ist. Und Begegnungen von der Vergangenheit überschattet werden können.

Was als zufällige Begegnung beginnt, wird zur Suche nach Gewissheit und Gerechtigkeit. Vahid, überzeugt davon, in Eghbal seinen einstigen Peiniger wiederzuerkennen, entführt den Mann und ringt mit seinen Zweifeln, als dieser seine Unschuld beteuert. Statt allein über Rache zu entscheiden, wendet er sich an ehemalige Mitgefangene und Bekannte, um gemeinsam herauszufinden, ob Eghbal tatsächlich der Mann ist, von dem sie damals nur Stimme und Gang kannten. Auf ihrer Spurensuche in Teheran prallen verschiedene Haltungen aufeinander, zwischen Verdrängung und dem Wunsch nach späten Antworten.

Ohne offizielle Genehmigung im Iran gedreht

Gedreht wurde der Politthriller ohne offizielle Genehmigung der Behörden, wie schon mehrere gesellschaftskritische Filme Panahis. Im iranischen Kino, das strengen Zensurvorgaben unterliegt, darf der politisch brisante Film nicht gezeigt werden. Möglich wurde "Ein einfacher Unfall" auch durch internationale Partner, mit Firmen aus Frankreich und Luxemburg als Co-Produzenten. Seine Uraufführung feierte der Film 2025 in Cannes, er wurde dort mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Wie brisant Panahis neues Werk ist, macht ein aktueller Justizakt deutlich. Während der Regisseur im Ausland seinen Film vorstellt, verhängte ein Revolutionsgericht in Teheran in Abwesenheit gegen ihn eine Haftstrafe von einem Jahr. Nach Angaben seines Anwalts Mostafa Nili wurde ihm zusätzlich untersagt, Mitglied in politischen oder sozialen Gruppen zu sein, und ein zweijähriges Ausreiseverbot wurde ausgesprochen. Es ist nicht das erste Mal, dass die iranische Justiz gegen den bekannten Filmemacher vorgeht.

Panahi von Erfahrungen in der Haft inspiriert

Auch seine eigenen Erfahrungen aus der Haft im berüchtigten Ewin-Gefängnis vor drei Jahren hätten ihn bei seinem neuen Film inspiriert, sagt der 65-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Teils seien es gemeinsame Erfahrungen gewesen. «Beim Dialogschreiben habe ich die Hilfe eines Freundes in Anspruch genommen, der ein Viertel seines Lebens im Gefängnis verbracht und die meisten dieser Geschichten gehört hat.»

Irans lebendige Filmszene war stets ein Ort subtiler Kritik am autoritären Herrschaftssystem. Panahi ist sich der juristischen Risiken bewusst. «Für sozialkritische Filmemacher oder diejenigen, die nicht unter der Zensur arbeiten wollen, gibt es immer diese Probleme, und jeder zahlt seinen Preis», sagt er. "Es sind die gesellschaftlichen Bedingungen, die dir sagen, was du jetzt tun sollst." Als Beispiel nennt er, wie sich drei Jahre nach den landesweiten Protesten immer mehr Frauen in der Öffentlichkeit der Kopftuchpflicht widersetzen. Auch solche flüchtigen Alltagsszenen zeigt "Ein einfacher Unfall".

Chancen auf einen Oscar?

Doch nicht alle in der iranischen Filmszene feiern Panahis Werk vorbehaltlos. Einige Branchenvertreter blicken kritisch auf den Trend zum politischen, provokanten Kino. "Panahi ist zweifelsfrei ein mutiger Filmemacher", sagt ein Produzent in Teheran. Wie der Film im Iran aufgenommen würde? "Das Problem ist ja, dass der Film hier verboten ist." Er fordert, iranische Regisseure sollten für das heimische Publikum drehen, "nicht nur für ausländische Festivals". Und fügt hinzu: "Sollte Panahi wirklich zurückkehren, hätte er meinen Respekt." Auch andere Insider äußern Kritik – etwa an der schlichten Kameraführung oder daran, dass Panahi bevorzugt mit weniger bekannten Darstellern arbeitet.

Schon jetzt ist "Ein einfacher Unfall" Panahis erfolgreichster Film. Was im eigenen Land nicht gezeigt werden darf, tritt auf internationalen Bühnen umso deutlicher hervor. Bei den Gotham Awards in New York wurde er für die beste Regie, das beste Original-Drehbuch und als bester internationaler Film ausgezeichnet. Die Filmpreise gelten als Auftakt der Trophäensaison, die im März mit der Oscar-Verleihung endet. Frankreich hat Panahis Werk dort als nationalen Beitrag in der Kategorie "Bester internationaler Film" eingereicht.

Rental Family

Einsamkeit ist ein weit verbreitetes Problem. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation fühlt sich jeder sechste Mensch auf der Welt einsam. In Japan verspricht ein ungewöhnliches Geschäftsmodell Abhilfe. Agenturen vermitteln gegen Bezahlung Menschen, die als Familienmitglieder, Partner oder Freunde menschliche Nähe simulieren.

Regisseur Werner Herzog drehte darüber das dokumentarisch anmutende Drama "Family Romance, LLC". Nun hat die japanische Filmemacherin Hikari ("Tokyo Vice") das Thema in der Tragikomödie "Rental Family" – deutsch: Leihfamilie – verarbeitet.

"Wie leiht man eine Familie?"

Oscar-Gewinner Brendan Fraser ("The Whale") spielt die Hauptrolle. Das Drehbuch habe ihn sofort überzeugt: "Was ist eine Leihfamilie? Wie leiht man eine Familie?" – das seien seine ersten Gedanken gewesen, als er von dem Projekt erfahren habe, sagte Fraser der Deutschen Presse-Agentur in London. "Es ist ein funktionierendes Geschäftsmodell, das einen gesellschaftlichen Zweck erfüllt. Es schließt soziale Lücken und erfüllt Bedürfnisse nach Verbindung."

Auch in einer Millionenstadt wie Tokio könne man sich allein fühlen. Darunter litten vor allem ältere Menschen. "Wenn jemand sich zu ihnen setzt und zuhört oder sich eine Stunde lang die Haare bürsten lässt, klingt das vielleicht ungewöhnlich oder ein wenig merkwürdig, aber es ist zweifellos interessant." In "Rental Family" gehe es um den Moment, in dem die Grenzen zwischen Lebensrealität und gemieteter Fantasie verschwimmen.

Ein trauriger Amerikaner in Tokio

Fraser ist Phillip Vandarpleog, ein amerikanischer Schauspieler, der seit langem in Tokio lebt und dort sehr einsam ist. Durch einen schrillen Werbespot für eine Zahnpasta, in dem er mit einer überdimensionalen Zahnbürste gegen Karies kämpft, wurde sein Gesicht landesweit bekannt. Während Phillip auf eine bedeutende Rolle wartet, nimmt er kleine, belanglose Parts an.

So willigt er ein, einen "traurigen Amerikaner" auf einer Beerdigung zu spielen. Zu seiner Überraschung handelt es sich nicht um einen Film. Phillip ist tatsächlich Gast auf einer Trauerfeier - die jedoch einen kuriosen Verlauf nimmt. Nach emotionalen Trauerreden steht der vermeintlich Verstorbene aus dem Sarg auf und bedankt sich überglücklich und gerührt. Er hatte das Erlebnis bei einer Firma namens "Rental Family" gebucht.

Der Inhaber von Rental Family, Shinji Tada (Takehiro Hira, "Pflicht und Schande"), bietet Phillip ein langfristiges Engagement an. Mangels Alternativen sagt er zu. Kollegin Aiko (Mari Yamamoto, "Pachinko") weist ihn ein und nach anfänglichen moralischen Bedenken erkennt er bald einen tieferen Sinn.

Ein gemieteter Vater auf Zeit

Phillip gibt den Bräutigam auf einer falschen Hochzeit, die nur für die Eltern der lesbischen Braut ausgerichtet wird, oder einen Freund für einen Mann, der seine Wohnung nicht verlassen mag und jemanden zum Videospielen sucht. Er hilft den Kunden, sie geben seinem Leben einen Sinn.

Der einsame Ausländer spielt einen US-Reporter, der den alternden japanischen Filmstar Kikuo Hasegawa (grandios: Akira Emoto) interviewen soll. Dessen Tochter hat Rental Family engagiert, weil ihr Vater an beginnender Demenz leidet und Angst davor hat, in Vergessenheit zu geraten. Kompliziert wird es, als Kikuo - gegen den Willen seiner Tochter - mit Phillip eine Reise zu seinem Heimatort unternehmen will.

Weitere Probleme drohen, als eine Klientin (Shino Shinozaki) Phillip bucht, um sich als der seit Langem abwesende Vater ihrer elfjährigen Tochter auszugeben. Um das Auswahlkomitee einer elitären Privatschule davon zu überzeugen, die kleine Mia (Shannon Mahina Gorman) aufzunehmen, will sie eine perfekte Familie simulieren. Mia ist nicht in den Schwindel eingeweiht. Bald entwickelt sie Gefühle für ihren so lange vermissten, angeblichen Vater. Phillip empfindet ähnlich. Doch das Engagement ist zeitlich begrenzt.

Der traurige Blick ist Frasers Spezialität

Phillip sei teilweise von ihrer eigenen Geschichte inspiriert, erzählt Regisseurin und Autorin Hikari alias Kiyoka Miyazaki. "Das bin ich. Als ich mit 17 oder 18 nach Amerika kam, lebte ich in Utah. Dort leben fast ausschließlich weiße Menschen. Sechs Monate lang kannte ich keinen einzigen Asiaten. Der einzige Mensch in diesem riesigen Meer von Menschen zu sein, gab mir definitiv dieses Gefühl von Einsamkeit und Isolation."

In Brendan Fraser hat sie den perfekten Protagonisten für ihre Geschichte gefunden. Seit einigen Jahren ist der traurige Blick Frasers Spezialität. Als Zuschauer kann man einfach nicht anders, als Mitleid mit ihm zu empfinden. Die sympathische, einfühlsame Aura, die Phillip umgibt, strahlt Fraser auch im echten Leben aus. In Interviews verzückt der Kanadier, der demnächst für "Die Mumie 4" vor der Kamera stehen soll, regelmäßig seine Gesprächspartner.

Einfühlsame Komödie mit viel Herz

Wer zu ahnen glaubt, wie sich die Geschichte entwickelt, liegt wahrscheinlich falsch. "Rental Family" ist zwar nicht ganz frei von Kitsch. Doch Filmemacherin Hikari, die seit rund 30 Jahren in den USA lebt und hier gleichermaßen die japanische und amerikanische Perspektive einnimmt, verzichtet weitgehend auf die üblichen Hollywood-Klischees. Der Humor ist wohldosiert.

Ihre einfühlsame Komödie, die ganz entfernt an Sofia Coppolas "Lost In Translation" erinnert, berührt dank ergreifender Darstellungen von Brendan Fraser, Takehiro Hira, der jungen Shannon Mahina Gorman und der japanischen Filmlegende Akira Emoto ("Shin Godzilla"). Und sie verzaubert mit schönen Bildern aus einer Welt, die aus westlicher Sicht exotisch oder kurios wirken mag, vor allem aber faszinierend ist. Ein wunderbarer Film.

Greenland 2

Schwesterherz

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Immer Montags: Die Rette mich durch die Woche Serie von Christian Aust

Unser Serien- und Kino-Insider Christian Aust zappt sich für euch durch das riesen Angebot und stellt euch immer montags in der Radio Hamburg Morning-Show mit Stübi, Alicia und John Ment eine Top-Serie vor, die euch durch die Woche rettet. Solltet ihr nicht verpassen und einschalten. Entweder über unsere kostenlose Radio Hamburg App, mit dem Befehl Alexa/Echo, spiele Radio Hamburg über euren Smartspeaker oder direkt hier im Livestream.

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(Quelle: dpa)

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