15. Januar 2026 – Mira Oetinger
Mit Expertentipp
Neu im Kino: Das sind die Neuheiten der Woche
Unter anderem Hape Kerkeling und Christoph Maria Herbst bringen in dieser Woche ein ernstes Thema in komödiantischer Verpackung auf die Kinoleinwand. Außerdem laufen zwei Filme im Thriller, Horror Genre an - einer setzt den Film "28 Years Later" fort, setzt aber einen anderen Charakter in den Vordergrund.
Foto: picture alliance / COLLECTION CHRISTOPHEL | Lionsgate - Hidden Pictures - Fe
Im Kinoprogramm der neuen Woche entfacht das Thema Grillen eine lodernde Debatten um Identität und Vorurteile . In der Gesellschaftssatire "Extrawurst" zerbricht ein Tennisclub am Gasgrill XQ 3010. Außerdem wird der Erfolg einer US-amerikanischen Schauspielerin erneut auf die Probe gestellt. Nach einer umstrittenen Jeans-Werbung stand sie in der Kritik, zwei ihrer Filme floppten: Nun gerät Sydney Sweeney in "The Housemaid" in ein Spiel um Macht und dunkle Geheimnisse.
Vergangenen Sommer setzten Danny Boyle und Alex Garland ihren Horrorkultfilm "28 Days Later" nach über 20 Jahren fort. Jetzt geht es schon weiter - dieses Mal mit Ralph Fiennes im Fokus.
15.01.2026
Jetzt anhören: Christian Aust zur Neuheit der Woche
Grillen - eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Unverzichtbar: ein standesgemäßer Grill und vor allem Fleisch. Würstchen, Halsgrat oder was sich sonst noch so brutzeln lässt. Doch was ist, wenn diese fetttriefende Idylle in Gefahr gerät, etwa durch Tofu-Wurst oder religiöse Speisevorschriften?
Dann ist Schluss mit lustig, so wie in der Kinokomödie "Extrawurst" von Marcus H. Rosenmüller. Die Adaption des gleichnamigen Theaterstücks von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob zeigt die Sitzung eines Tennisclubs, die in einem erbitterten Streit mündet.
Wer sorgt für Zunder?
Eigentlich alle. Hape Kerkeling spielt Heribert, den "etwas beschränkten Tennisclubvorsitzenden", wie der Schauspieler selbst über seine Rolle sagt. Für ihn wird der Streit um die Wurst zum Kampf um seine Würde und sein Amt. Christoph Maria Herbst gibt den hippen Werbetexter Torsten, der sich als Ex-Berliner den Provinzlern weit überlegen fühlt und glaubt, mit seiner Einstellung natürlich auf der politisch korrekten Seite zu stehen.
Seine Frau Melanie (Anja Knauer) ist zunehmend genervt und findet Torstens Sprüche ebenso peinlich wie die Machoattitüden der Männer. Ausnahme: Ihr Tennis-Doppelpartner Erol (Fahri Yardim), mit dem sie einen Sieg nach dem nächsten holt für den TC Lengenheide, und der völlig überrumpelt ist von den rassistischen Ressentiments, die ihm urplötzlich entgegenschlagen wegen des türkischen Migrationshintergrunds seiner Familie.
Fehlt noch Friedrich Mücke als verklemmter Matthias, der von seiner energischen Mutter (Gaby Dohm) heftig dazu gedrängt wird, Heribert abzusägen und selbst zum neuen Clubvorsitzenden aufzusteigen.
Worum wird gestritten?
Unschuldig geht es erst mal um den Gasgrill XQ 3010 von Seiler, den Matthias mit Excel-Tabellen den Clubmitgliedern beeindruckend präsentiert und der das alte wacklige Ding ersetzen soll: "Mit dem Grill kann man bis zu 50 Würstchen gleichzeitig grillen. Oder 30 Würstchen und 15 Koteletts".
Darauf könnten sich die Clubmitglieder einigen. Doch dann hat Melanie eine Idee: Sollte man nicht einen Zweitgrill haben, auf dem Erol - als einziger Muslim im Verein - mit seiner Familie fernab von Schweinefleisch grillen kann? Ein gut gemeinter Vorschlag, der aber für erbittertste Diskussionen sorgt, auch wenn Erol klarstellt, dass er das eigentlich gar nicht bräuchte.
Wie entwickelt sich die Debatte?
Die Emotionen schlagen hoch. Wird Erol überhaupt diskriminiert? Und warum soll der Club "seinen" Grill finanzieren? Und ging das bislang nicht auch ohne Zweitgrill? Die Reaktionen werden immer drastischer - und Empörungen, die offenbar lange im Verborgenen gelodert haben, brechen sich Bahn nach dem Motto: "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen" und "Ich will ja nichts sagen, aber...".
Manche meinen es auch nur gut, so wie Melanie, die beim Thema Schweinswürste Partei für Erol ergreift: "Die kann er eben nicht essen, weil er Türke ist". Darauf Erol: "Nein, ich bin Deutscher". Später stellt Matthias fest: "Man merkt jetzt halt nicht so stark, dass du Türke bist, weil du dich jetzt nicht so türkisch verhältst."
Vereinsmeierei, Rechthaberei und Vorurteile verbinden sich zu einem grotesken Schlagabtausch, in dem es eigentlich nur Verlierer gibt.
Lohnt sich der Film?
Auf jeden Fall, und das nicht nur wegen der pointierten Dialoge, die ein ernstes Thema sehr unterhaltsam, aber auch mit Tiefgang aufbereiten. Regisseur Rosenmüller inszeniert eine amüsante und skurrile Gesellschaftssatire, die aber auch nachdenklich stimmt.
Auch das Ensemble macht seine Sache großartig und zeichnet die Charaktere eindrücklich und mit großer Spielfreude. Insgesamt also ein spannendes Filmvergnügen, das nachwirkt und entlarvt, wie viele Vorurteile doch in uns allen stecken.
Das Fazit?
Darauf weiß Hape Kerkeling eine Antwort: "Dass wir mit unserer Umgebung und uns selbst sanft und sorgsam umgehen müssen und jeder, der diesen Pfad verlässt und glaubt, er kann den Hass versprühen, wo er gerade steht, der ist auf dem absoluten Holzweg und wird ernten, was er sät".
Und auch ganz real hat der Schauspieler einen Tipp, was zu einem guten Grillfest gehört: "Mit Wurst liegt man nie falsch, die isst der Deutsche immer gerne und auf ein deutsches Grillfest gehört eine Bratwurst, ich meine eine Söder-Bratwurst", sagt er in Anspielung auf kulinarische Vorlieben des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU).
Er selbst bringt meist etwas anderes mit, wenn er eingeladen wird: "Immer meinen Nudelsalat, der ist der Hammer, mit viel Mayonnaise, Gürkchen und frischen Zwiebeln. Fleischwurst muss auch noch rein. Aber den gibt’s natürlich auch vegan."
The Housemaid: Wenn sie wüsste
Für Sydney Sweeney lief es vergangenes Jahr alles andere als rund. Ihr Boxer-Biopic "Christy" floppte an den Kinokassen, und auch der Abenteuer-Thriller "Eden" blieb hinter seinen Erwartungen zurück. Nicht zuletzt mit einer umstrittenen Jeans-Werbung für American Eagle sorgte die Amerikanerin für reichlich Diskussionen, in die sich sogar US-Präsident Donald Trump einmischte.
Schon Fortsetzung für Sweeneys neuen Film angekündigt
Bei ihrem neuesten Filmprojekt scheint sich das Blatt allerdings nun wieder gewendet zu haben. Der Psychothriller "The Housemaid – Wenn sie wüsste" mit Amanda Seyfried in einer weiteren Hauptrolle ist in den USA so erfolgreich gestartet, dass bereits eine Fortsetzung angekündigt wurde.
In Deutschland startet der Film - eine Adaption des Bestseller-Romans «Wenn sie wüsste» von Freida McFadden - erst jetzt. Es ist nach den besagten Rückschlägen sozusagen ein kleiner Neuanfang für die 28-Jährige - auch inhaltlich. In "The Housemaid" verkörpert Sweeney eine junge Frau namens Millie, die ihr bisheriges Leben hinter sich lassen möchte.
Als Haushälterin wird sie bei der wohlhabenden Familie Winchester (Seyfried und Brandon Sklenar) angeheuert, deren Leben in einer luxuriösen Villa auf den ersten Blick perfekt scheint. Doch schnell wird klar, dass sich hinter der makellosen Fassade viele düstere Geheimnisse verbergen.
Wendungsreicher Thriller mit Amanda Seyfried
So wird Millie, die ihre kriminelle Vergangenheit geheim hält, durch Hausherrin Nina (Seyfried) nach einem überschwänglichen Kennenlernen plötzlich immer wieder schikaniert und verunsichert. Die Stimmung kippt und die Lage spitzt sich weiter zu, als sich Millie zu Ninas Ehemann Andrew (Sklenar) hingezogen fühlt.
Regisseur Paul Feig, der für Komödien wie "Brautalarm" bekannt ist, inszeniert "The Housemaid" als einen wendungsreichen Rache-Thriller mit Perspektivwechseln und einigen Rückblenden. Es geht um schiefe Machtverhältnisse und Intrigen.
Während sich die Handlung zu Beginn stellenweise in die Länge zieht, wird das Geschehen in der zweiten Hälfte durch einen entscheidenden Plot Twist in ein neues Licht gerückt und nimmt so wieder an Fahrt auf.
Mehr Unterhaltung als Tiefgang
Besonders überzeugend ist dabei Amanda Seyfried als vermeintlich psychotische Hausherrin zwischen Wutausbrüchen und eiskalter Kontrolle. Klar ist: "The Housemaid" will vor allem unterhalten und setzt weniger auf subtile Hinweise oder psychologischen Tiefgang.
Fans von eher konventionell gemachten Thrillern kommen bei dem rund zweistündigen Film auf ihre Kosten. Und auch Sweeney dürfte sich mit Blick auf ihre Karriere freuen: Laut dem Branchenblatt "Variety" soll die Produktion der Fortsetzung bereits im Laufe des Jahres starten.
28 Years Later 2: The Bone Temple
Mit "28 Years Later" bereicherten Danny Boyle und Alex Garland ihren Virus-Horror im vergangenen Sommer um ein spannendes und bildgewaltiges neues Kapitel. Es war der Auftakt einer geplanten Trilogie, die nun mit Ralph Fiennes in der Hauptrolle fortgesetzt wird.
Entstanden ist mit "28 Years Later: The Bone Temple" ein düsteres, oft brutales Werk. Tanzszenen mit Fiennes sorgen zwischendurch für etwas Auflockerung. Regie führte die Amerikanerin Nia DaCosta ("The Marvels"). Ihre Fortsetzung schlägt eine andere Richtung als Boyles Film ein.
Davon handelt "28 Years Later: The Bone Temple"
Großbritannien steht nach wie vor unter Quarantäne, weil dort seit langem das Rage-Virus grassiert. Es verwandelt Menschen in rasende, hochaggressive und blutrünstige Wesen.
In "28 Years Later" spielten Aaron Taylor-Johnson, Alfie Williams und Jodie Comer die Hauptrollen. Ralph Fiennes war als Dr. Kelson in einer Nebenrolle zu sehen. Im Nachfolger ist Kelson nun die zentrale Figur und das Herz des Films, der direkt an den Vorgänger anschließt.
Kelson, der seit Jahrzehnten allein lebt, hat aus Schädeln und Knochen der Toten eine Art Tempel ("Bone Temple") gebaut. Wie schon in "28 Years Later" bekommt er regelmäßig Besuch von einem riesigen, aggressiven Infizierten (Ex-MMA-Kämpfer Chi Lewis-Parry), den er Samson nennt. Immer wieder muss er ihn mit einem Pfeil mit Beruhigungsmitteln stoppen.
Ralph Fiennes tanzt zu Duran Duran
Eines Tages erscheint Samson verletzt und erwartet offenbar medizinische Hilfe. Kelson, der an einem Gegenmittel zum Rage-Virus forscht, wittert eine Chance. Zwischen dem Arzt und seinem sedierten Patienten entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, die in einer sehenswerten Tanzszene der beiden nackten Männer gipfelt. Der größtenteils improvisierte Moment ist in dem nicht gerade leicht verdaulichen Film ein Highlight - auch für Fiennes.
"Das war ein Höhepunkt. Ich liebe so etwas", schwärmt der 63-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist toll, wenn Filme ihre Figuren unerwartete Dinge tun lassen. Wer hätte gedacht, dass Kelson tanzt?" Es ist nicht die einzige Tanzszene mit Kelson, der eine Vorliebe für Duran Duran und Iron Maiden hat.
Unerträgliche Gewaltszenen
Während Taylor-Johnson und Comer nicht mehr dabei sind, hat Alfie Williams als Spike immerhin noch eine Nebenrolle. In Boyles Film hatte der junge Insel-Bewohner die gefährliche Reise zum Festland unternommen - in der Hoffnung, Kelson könne seiner schwer kranken Mutter (Comer) helfen. Der Film endete mit einem Cliffhanger: Spike trifft auf eine schräge Bande. Sie nennen sich die Jimmies und jagen Infizierte, als wäre es ein Sport.
Wer erwartet hatte, dass er mit den Jimmies gegen Infizierte kämpft, liegt falsch. Nur gezwungenermaßen wird Spike nach einem brutalen Aufnahmeritual Mitglied der Gang. Zwar töten die Jimmies auch einige Infizierte. Vor allem aber macht die Gang, deren Anführer Sir Jimmy Crystal (Jack O'Connell) einen Teufelskult praktiziert, Jagd auf Menschen. Und das ist nicht schön anzusehen. Eine Szene, in der die Jimmies eine Familie brutal foltern, ist unerträglich.
Die Vorgeschichte von Jimmy Crystal wurde zu Beginn von "28 Years Later" gezeigt. Der Name und die blonden Haare der Jimmies sind eine provokante - manche würden sagen geschmacklose - Anspielung auf den ehemaligen BBC-Moderator Jimmy Savile. Nach dessen Tod legten Untersuchungen nahe, dass Savile jahrzehntelang Kinder missbraucht hatte.
Crystal ist ein Monster. Mit seiner Gang sucht er immer nach neuen Opfern. Als er vom Knochentempel hört, vermutet er, dass Dr. Kelson der leibhaftige Teufel sein könnte - und macht sich auf den Weg.
Eine Fortsetzung mit Licht und Schatten
"Im Film passieren ganz viele andere Dinge, auch tonal fühlt er sich anders an", sagt DaCosta mit Blick auf die Unterschiede zu Boyles Vorgängerfilm. "Als ich die beiden Drehbücher gelesen habe, hatte ich sofort das Gefühl, dass sie sich stark voneinander unterscheiden", erzählt die 36-Jährige. Einschränkungen habe es nicht gegeben. "Ich hatte wirklich das Gefühl, absolute Freiheit zu haben, den Film so zu machen, wie ich ihn machen wollte."
Vor dem Hintergrund des Infizierten-Horrors zeigte "28 Years Later" eine Coming-of-Age-Geschichte, die sich mit Themen wie Familie, Gesellschaft und Tod auseinandersetzte. "28 Years Later: The Bone Temple" ist hingegen schwer einzuordnen.
Es gibt zwei Handlungsstränge, die aufeinander zusteuern. Die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Kelson und Samson, ein Hoffnungsschimmer in düsteren Zeiten, ist der bessere Teil. Die Geschichte um die Jimmies bleibt hingegen ohne erzählerische Substanz. Mit Ausnahme des grandiosen Finales dienen die Jimmies vor allem einer sinnlosen Zurschaustellung von brutaler Gewalt.
Grandiose schauspielerische Leistung von Fiennes
Allerdings ist Jack O'Connell als gleichermaßen charismatischer wie diabolischer Anführer der Gruppe genial. Und wie üblich liefert auch Ralph Fiennes in "28 Years Later: The Bone Temple" wieder eine grandiose schauspielerische Leistung - besonders beim Showdown.
Boyles mitunter fast poetischer Film begeisterte mit großartigen Bildern seines langjährigen Kameramannes Anthony Dod Mantle und einem mitreißenden Soundtrack der schottischen Band Young Fathers. DaCostas Fortsetzung hat die raue Optik von Sean Bobbitt ("12 Years A Slave") und mit ruhigen Panoramen und einem düsteren Soundtrack von Oscar-Gewinnerin Hildur Guðnadóttir ("Joker") auch einiges zu bieten.
Ein cineastisches Erlebnis für die Sinne wie der Vorgängerfilm ist "28 Years Later: The Bone Temple" indes leider nicht.
Silent Friend
Ein Film mit einem Baum als Hauptdarsteller - kann das funktionieren? Wenn die Regisseurin Ildikó Enyedi heißt, auf jeden Fall. Die Ungarin, die 2017 mit "Körper und Seele" den Hauptpreis der Berlinale gewann, ist bekannt für poetisches, leises und märchenhaftes Kino.
Das ist auch ihr neuer Film "Silent Friend", eine deutsche Koproduktion, die in Marburg spielt. Premiere feierte das Werk im Wettbewerb des Filmfests Venedig, wo es sehr positive Kritiken erhielt. Enyedi erzählt darin in einzigartigen Bildern und mit leisem Humor von der Sehnsucht der Menschen nach Verbundenheit.
Drehort Marburg - an der Universität
Handlungsort ist die Philipps-Universität Marburg und dort insbesondere ein Ginkgo-Baum, der über Jahrzehnte hinweg Zeuge des Geschehens um ihn herum wird. "Ich habe einen wunderbaren deutschen Ehemann, einen Literaturliebhaber aus Nordrhein-Westfalen, der mir vor 35 Jahren diesen alten, charmanten botanischen Garten mitten in Marburg gezeigt hat", teilte Enyedi der Filmagentur mit.
Im Interview der dpa ergänzte sie: "Als ich die Stadt zum ersten Mal besuchte, war ich erstaunt, wie sehr sie mit ihren dramatischen Höhenunterschieden wie geschaffen für Filme ist. Und vor allem war ich total begeistert davon, dass es mitten in der Stadt einen botanischen Garten gibt, was ziemlich ungewöhnlich ist."
Ein Nachwuchspreis in Venedig für Luna Wedler
Der Film ist in drei miteinander verwobene Episoden aufgeteilt. Sie spielen 1908, 1972 und 2020. Menschen, die an der Uni arbeiten oder studieren, suchen darin auf unterschiedliche Weise nach Nähe, Erkenntnis und Austausch. Ihr Verhältnis zur Welt wird dabei durch Begegnungen mit der Natur geformt und verändert.
Unter anderem spielen Luna Wedler, Tony Leung ("In The Mood for Love") und Léa Seydoux mit. Die Schweizerin Wedler ("22 Bahnen") wurde in Venedig mit einem Nachwuchspreis ausgezeichnet.
Darum geht es
Wedler spielt im Film die erste Studentin der Universität, die 1908 ihre Leidenschaft für die Fotografie entdeckt und sich gegen ihre patriarchale Umwelt zur Wehr setzen muss. In Fotoexperimenten dokumentiert sie Strukturen von Pflanzen.
Enzo Brumm ist als junger Student zu sehen, der sich Anfang der 1970er Jahre in eine Kommilitonin namens Gundula (Marlene Burow) verliebt, aber zu unbeholfen ist, ihr seine Gefühle zu zeigen. Als sie Marburg vorübergehend verlässt, übernimmt er die Betreuung ihrer Geranie. Diese dient als Forschungsprojekt: mit einer eigens gebauten technischen Konstruktion will Gundula beweisen, dass auch Geranien eine Wahrnehmung haben.
Tony Leung verkörpert einen Neurowissenschaftler aus Hongkong, der 2020 während der Pandemie in Marburg strandet. Außer ihm und dem grummeligen Hausmeister (Sylvester Groth) ist niemand mehr an der Uni. Der Wissenschaftler startet Experimente mit dem Ginkgo-Baum und tauscht sich in Videotelefonaten mit einer französischen Wissenschaftlerin (Seydoux) dazu aus.
Das ist das Besondere am Film
Wie frühere Werke zeichnet sich «Silent Friend» durch eine besondere Bildsprache aus. Die Optik unterscheidet sich je nach Zeitebene - manchmal sind die Bilder gestochen scharf, manchmal körnig analog, manchmal Schwarz-Weiß. Zwischendurch sind Nahaufnahmen von Pflanzen zu sehen, die wirken, als seien sie durch ein Mikroskop aufgenommen.
Charmant ist, dass Enyedi von großen Themen in kleinen, alltäglichen Momenten erzählt. Der Film lädt außerdem dazu ein, seine Umwelt mit frischer Neugier zu betrachten. "Wir müssen anerkennen, dass andere Menschen, Tiere und Pflanzen ihre eigene, sehr reichhaltige Welt bilden, die genauso gültig ist wie unsere", sagte Enyedi im Interview der dpa in Venedig.
"Wenn Sie eine halbe Stunde lang durch einen Wald spazieren, verändert sich Ihre Sicht auf die Welt. Sie halten inne und spüren einfach, dass Sie Teil von etwas sind und nicht über etwas stehen."
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(Quelle: dpa)