05. Februar 2026 – Mira Oetinger
05. Februar
In der neuen Kinowoche zeigt "No Other Choice" die eine südkoreanischer Satire der Arbeitswelt zeigt. Außerdem erscheint "Return To Silent Hill", der auf Grundlage einer Videospielreihe entstanden ist und besonders Fans des Horror-Genres begeistern dürfte. Aber das Kinoprogramm hat noch weit mehr zu bieten.
Ein einfacher Kuchen, eine skrupellose Regierung: Hasan Hadis Film über den Irak Anfang der 90er regt zum Nachdenken an und lässt einen kaum los. Außerdem: Von Bubble Head Nurses bis Pyramid Head. "Return to Silent Hill" zeigt groteske Monster und setzt auf die Atmosphäre der legendären Videospielreihe. Mit dem neuen Film "No Other Choice" ging der Regisseur Park Chan-wook bei den Filmfestspielen in Venedig leer zwar leer aus, hoch gehandelt wird er trotzdem. Der Film begeistert als Arbeitswelt-Satire - und mit dem "Squid Game"-Star Lee Byung-hun.
Return To Silent Hill
Horror garantiert! Die Videospielreihe "Silent Hill" fesselt ihre Fans mit finster-dystopischen Zwischenwelten, fiesen Monstern und einem brutalen Überlebenskampf, und das extrem erfolgreich. Schon zwei Mal gab es dazu auch Kinofilme. Nun ist es wieder einmal so weit. Der Horrorstreifen "Return to Silent Hill" startet auf der großen Leinwand. Wer mitspielt und was es darüber zu wissen gibt.
Woher kommt die Idee?
Grundlage ist nach Angaben der Filmemacher das Videospiel "Silent Hill 2" des Japaners Keiichiro Toyama. Nach dem ersten Erscheinen im Jahr 2001 machte man sich beim Hersteller Konami an eine Neuauflage, die im Oktober 2024 erschien. Parallel wurde da bereits am Film gearbeitet, der unter anderem in den serbischen Alpen und am oberbayerischen Walchensee gedreht wurde.
Was wird erzählt?
Erzählt wird eine moderne Version des antiken griechischen Mythos von "Orpheus und Eurydike". So wie Orpheus reist auch James Sunderland in eine Art Unterwelt, um seine tote Frau Mary zu finden. Im Film wie auch im Spiel ist dieser Ort die Geisterstadt Silent Hill, in der es beständig Asche regnet und Nebel wabert.
Auf der Suche nach Mary trifft er höllische Kreaturen und ein paar wenige völlig verstörte Menschen. Eingestreut sind Einblicke in das reale Leben. Mal sieht man James und Mary in früheren Zeiten, mal verpasst James einen Termin mit seiner Psychologin, dann wieder liegt er im Krankenhaus unter Beobachtung. Spielt sich all dieser Horror in Silent Hill womöglich nur in seinem Kopf ab?
Wer ist dabei?
Eine Hauptrolle spielt Jeremy Irvine. Fans des "Outlander"-Spinoffs «Blood of My Blood» kennen ihn als Henry Beauchamp, Vater von Claire Fraser. Auch beim Horrorstreifen "Baghead" machte er mit. Ihm zur Seite: Hannah Emily Anderson, unter anderem zu sehen im Splatterfilm "Jigsaw" und im Psycho-Horror-Film "What Keeps You Alive". Sie spielt Mary, die im Film in mehreren Gestalten auftaucht.
Gut zu wissen für alle "Wednesday"-Fans: Evie Templeton alias "Little Creep" Agnes Demille ist auch mit dabei. Sie spielt die achtjährige Laura, die in Silent Hill durch ein Krankenhaus geistert und versucht, James zu Mary zu locken. Regie führt Christophe Gans ("Pakt der Wölfe"), der schon den ersten Teil "Silent Hill" 2006 inszeniert hat, beim Nachfolgefilm "Silent Hill: Revelation" (2012) aber nicht dabei war.
Lohnt sich der Film?
Kommt drauf an. Wer eine packende Geschichte sucht, dürfte enttäuscht sein, das wird gleich zu Beginn klar. Wenn James und Mary sich in den ersten Szenen kennenlernen, springt der Funke aufs Publikum nicht über. Ihre Dialoge wirken gekünstelt und steif. Von wahrer Liebe ist wenig zu spüren. Auch sonst wirkt vieles recht steril und so ist es kein Wunder, dass es schwerfällt, sich in diese Geschichte hineinziehen zu lassen und mitzugehen, wenn James sich den schlimmsten Ausgeburten der Hölle stellt, um seine Mary zu finden.
Was wird sonst noch geboten?
Schauderhafte Horrorfantasien - etwa nackte, menschenähnliche Wesen ohne Arme, die aus einem Loch in ihrem Oberkörper eine allesverätzende Säure im Schwall ausspeien. Es gibt Bubble Head Nurses (zombieähnliche Krankenschwestern) und den wütenden Pyramid Head, der mit seinem spitzen Helm und seinem riesigen Schwert grausam niedermetztelt, was sich ihm in den Weg stellt. Dazu Horrorfilm-Klassiker wie überdimensionierte Kakerlaken, Ratten und anderes Getier.
Der Film kann zwar nicht mit millionenschweren Effekten anderer Produktionen mithalten. Die Videospieloptik kann sich aber sehen lassen, so etwa, wenn James durch verlassene Gassen voller Asche streift oder im Krankenhaus durch brennende Gänge rennt. Wie bei den Videospielen stammen auch hier die Kompositionen von Akira Yamaoka. Eine besondere Rolle spielt zudem ein berühmtes Stück von Johann Sebastian Bach: "Air on the G String".
No Other Choice
Beim Filmfestival in Venedig gab es im Herbst einige Verwunderung, als der südkoreanische Regisseur Park Chan-wook für seinen neuen Film nichts gewann. Park, unter Filmfans ein regelrechter Star, zeigte dort "No Other Choice" und bekam einhellig positive Kritiken.
"Er ist einer der derzeit größten Regisseure"
Und so fragte ein Journalist nach der Siegerehrung die Jury, warum Park leer ausgegangen ist. Die Antwort von Jury-Präsident Alexander Payne hörte sich an wie eine Entschuldigung. "Wie alle hier, haben auch wir größten Respekt für Regisseur Park", sagte er. "Er ist einer der derzeit größten Regisseure. Wir hatten enorme Bewunderung und Respekt für seinen Film." Aber: Die Jury habe viele Filme geliebt.
Filmbewertung bleibt am Ende eben eine subjektive Sache. Doch im Kino dürfte der Film jetzt weitere Fans hinzugewinnen. "No Other Choice" ist eine gelungene und eigenwillige Satire über die moderne Arbeitswelt. Visuell ist der Film - wie schon Parks Vorgänger-Werke ("Oldboy") - meisterhaft inszeniert.
In der Hauptrolle überzeugt Lee Byung-hun, der wegen seines skulpturalen Gesichts in Venedig häufiger mal als südkoreanische Version von Mads Mikkelsen bezeichnet wurde. Serienfans kennen ihn aus dem Netflix-Hit "Squid Game".
Davon handelt der Film
Lee Byung-hun verkörpert Man-su, den Ingenieur einer Papierfabrik, der eines Tages entlassen wird. Verzweifelt versucht er, eine gleichwertige Anstellung zu finden, während seine Familie nach und nach alle Annehmlichkeiten verliert und letztlich sogar das mühsam finanzierte Haus aufgeben muss.
Nach langer erfolgloser Jobsuche greift er zu drastischen Mitteln und überschreitet dabei moralische Grenzen. Um für seine Familie zu sorgen, ist er zu allem bereit.
Wie oft im südkoreanischen Kino, zeichnet sich der Film durch eine Mischung aus Gesellschaftskritik, Humor und Gewalt aus. Kontrastiert wird die teils brutale Handlung durch visuelle Schönheit.
Warum die Bildsprache besonders ist
Park arbeitet mit ungewöhnlichen Blickwinkeln und Bildachsen. Mal blickt die Zuschauerin aus der Froschperspektive auf das Geschehen, mal von oben herab. Oft werden die Bilder spielerisch überblendet. Man kann sich kaum sattsehen an jeder Einstellung.
Auch der Soundtrack ist besonders. Eine Slapstick-hafte Szene, in der Man-su mit zwei anderen Leuten auf dem Boden um eine Waffe ringt, ist mit einem K-Pop-Hit aus den 80er Jahren von Cho Yong-pil unterlegt. Auf Youtube finden sich unter dem Song inzwischen zahlreiche Kommentare von Fans des Films.
Entlassen zu werden, heißt in Korea: "Kopf ab!"
Der Film überzeugt mit seiner Bildsprache und einem unterhaltsamen Plot, gibt aber auch interessante Einblicke in die südkoreanische Gesellschaft. Etwa in die Tatsache, wie wichtig dort vielen Menschen Status ist. In Korea, erklärt Man-su an einer Stelle, sagt man nicht, man sei "gefeuert" worden. Entlassen zu werden, heiße: "Kopf ab!"
"Jeder, der in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft seinen Lebensunterhalt verdienen muss, hegt diese tiefe Angst vor Arbeitsplatzunsicherheit", sagte Park in Venedig. In "No Other Choice" spart er nicht an Kapitalismuskritik.
Ein Regisseur mit besonderer Fangemeinde
Bei den Filmfestspielen äußerte auch der Cast seine Begeisterung über Regisseur Park. "Egal wer: Wenn Sie einen Schauspieler fragen würden, ob er mit Regisseur Park zusammenarbeiten möchte, würde er diese Gelegenheit ohne zu zögern ergreifen", sagte Lee Byung-hun. "Das gilt auch für mich: Unabhängig von der Geschichte hätte ich immer Ja gesagt."
Sie habe immer darauf gewartet, dass Park sie endlich kontaktieren würde, um mit ihr zusammenzuarbeiten, sagte Schauspielerin Son Yejin. Auch ihr Kollege Park Hee-soon beschrieb sich als "großen Fan". Als er den Anruf von Park bekommen habe, habe er das Skript nicht einmal gelesen, bevor er zusagte. Er habe seinen Manager gedrängt, sofort zurückzurufen: "Nicht, dass er es sich anders überlegt."
Ein Kuchen für den Präsidenten
Es ist eine simple Aufgabe und doch scheint sie in den Wirren des Krieges im Irak der 1990er Jahre unlösbar: Die neunjährige Lamia soll einen Kuchen backen zu Ehren des Geburtstags des damaligen Machthabers Saddam Hussein.
«Ein Kuchen für den Präsidenten» ist einer der Filme, die leise beginnen und den Zuschauer am Ende mit einem Kloß im Hals zurücklassen. Hier geht es um weit mehr als nur um einen Kuchen für einen ruchlosen Diktator.
Hasan Hadis Spielfilmdebüt zeigt auf berührende Weise, dass Sanktionen, wie so oft, nicht die Herrschenden und Verantwortlichen treffen, sondern viel mehr die schutzlose Bevölkerung. Ab 5. Februar ist der Film bundesweit in Kinos zu sehen.
Lamias verzweifelte Suche nach den Zutaten
Im Mittelpunkt des Films stehen Lamia und ihre Großmutter Bibi. In der Schule zieht die Neunjährige das "große Los": Sie muss zu Ehren Saddam Husseins den Geburtstagskuchen für die örtliche Feier backen. Einer Pflicht, der sie sich nicht entziehen kann. Denn in Zeiten der repressiven Herrschaft Husseins hatten "die Wände Ohren". Wer nicht auf Linie mit dem Präsidenten war, verschwand, wurde getötet oder schikaniert.
Die Suche nach den simplen Zutaten - Mehl, Zucker, Backpulver und Eier - nimmt in Zeiten harter Sanktionen existenzielle Dimensionen an für Lamia und ihre Oma. Sie sind unbezahlbar und fast nicht auffindbar.
"Sanktionen sind keine harmlosen politischen Instrumente", sagte Regisseur Hadi im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Sie sind ein gewaltsames Mittel, das eine ganze Nation terrorisieren kann."
"Sanktionen treffen nie nur den Präsidenten"
Der Film zeigt auf ruhige Art, wie die Regierung Husseins die "Geburtstagsfeier" des Diktators als zynische Machtdemonstration nutzt. Ein Kuchen, üblicherweise Symbol für Freude und Fülle, wird hier zum Instrument politischer Erpressung, das das Überleben einer Familie an den Rand der Existenz treibt.
"Ich denke, es ist wichtig zu verstehen, dass es in einer Diktatur nicht nur um Meinungsfreiheit geht, sondern auch um die Würde des Menschen, das Recht auf ein normales Leben", sagte Regisseur Hadi. In einer Diktatur werde einem oft das Recht auf Normalität genommen, das Recht, seinen Alltag auf eine selbstbestimmte Weise zu gestalten. "Wenn man das nächste Mal in den Nachrichten liest, dass eine bestimmte Anzahl von Menschen oder ein bestimmtes Land mit Sanktionen belegt wird, sollte man daran denken: Es wird nie nur den Präsidenten treffen. Es wird nie nur seine Familie treffen."
Für Oscarnominierung eingereicht
Der Film ist kein lautes Kriegsdrama. Er spielt zwischen dem irakischen Marschland, vollen Straßen und furchteinflößenden Behörden. Spannung wird durch die ständige Bedrohung der Armut, der Willkür und der Sanktionen erzeugt.
Beeindruckend ist die junge Schauspielerin Banin Ahmad Najef, die Lamia spielt. Sie trägt den Film und die Realität der Menschen nah an den Zuschauer heran. "Ein Kuchen für den Präsidenten" wurde vom Irak für eine Oscarnominierung in der Kategorie "Bester internationaler Film" eingereicht, kam aber nicht in die Endrunde.
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