26. Februar 2026 – Mira Oetinger

Mit Expertentipp

Neu in Kino: Das sind die Neuheiten der Woche

Viele Kinofans freuen sich auf die neue Filmwoche. Unter anderem, weil die Scream Reihe mit einem siebten Teil fortgesetzt wird. Auch Marty Supreme, der für die anstehenden Oscars hoch gehandelt wird, läuft in den Kinos an. Eine deutsche Komödie komplettiert die dieswöchigen Kinohighlights.

Marty Supreme, Timothée Chalamet
Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited

In "Marty Supreme" lügt Timothée Chalamet, stiehlt und lässt sich den nackten Hintern verprügeln. Der Film ist für neun Oscars nominiert - sein Protagonist hat dafür einiges auf sich genommen. In der deutschen Komödie "Ein fast perfekter Antrag" spielen Heiner Lauterbach und Iris Berben zum ersten Mal ein Liebespaar. Das hat großes Potenzial - doch es gibt ein ebenso großes Aber. Und auch Horrorfans dürfen sich freuen. In dieser Woche erscheint der siebte Teil der "Scream"-Reihe.

Marty Supreme

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26.02.2026
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In seinem neuen Film hat Timothée Chalamet (30) ziemlich sichtbare Aknenarben. Das veranlasste seine Schauspielkollegin Gwyneth Paltrow (53) dazu, ihm am Rande des Drehs Hautpflegetipps zu geben. Was Paltrow aber nicht wusste: Die Aknenarben sind nur Teil von Chalamets Maske. In echt, erzählte Paltrow in einem Interview, habe Chalamet wunderschöne Haut.

Die beiden sind zusammen in "Marty Supreme" zu sehen. Und wie in allen seinen Filmen zuletzt wirkt Chalamets Rolle so authentisch, dass die Grenzen zwischen echtem Menschen und Filmfigur schon mal verschwimmen. Chalamet verkörpert einen Tischtennisspieler mit Aufstiegshunger, dem alles recht ist, um sein Ziel zu erreichen.

Chalamet: Trainierte jahrelang und trug Fake-Kontaktlinsen

Der Film ist weniger Sportlerbiografie als Charakterstudie. "Marty Supreme" erzählt vom Preis des Ehrgeizes und einer wahnhaften Suche nach Erfolg. Im Fokus steht ein junger Mann namens Marty, der im Manhattan der frühen 1950er Jahre aufwächst und eigentlich im kleinen Schuhgeschäft seines Onkels arbeiten soll.

Marty aber hat andere Ziele und will Tischtennis-Champion werden. Um sich Reisen zu verschiedenen Turnieren etwa in Japan finanzieren zu können, belügt er seine Familie, beklaut sein Umfeld und strotzt dabei vor Selbstvertrauen. Während er mit Turnieren um die Welt reist, wartet in New York seine schwangere Affäre - die aber eigentlich mit jemand anderem verheiratet ist.

Er habe dafür jahrelang Tischtennis gelernt, sagte Chalamet. Und präsentierte sich in Interviews zum Film so größenwahnsinnig wie sein Filmcharakter. Er erzählte auch, dass er Kontaktlinsen getragen habe, die sein Sichtfeld verschwammen - so dass er wie sein Filmcharakter eine Brille mit echter Sehstärke tragen konnte.

Jüdische Identität im New York der 1950er

In "Marty Supreme" erreicht Chalamet, da ist sich die Kritik einig, tatsächlich Großes. Er verkörpert seinen Antihelden mit beeindruckender körperlicher Präsenz. Jede nervöse Schulterbewegung, jeder Blick erzählt vom inneren Druck, der Marty antreibt.

Ein Teil von Martys Selbstverständnis liegt - so legt es der Film nahe - in seiner jüdischen Identität und dem Erbe des Holocaust begründet. Er sei "Hitlers schlimmster Alptraum", sagt er an einer Stelle.

Im Interview des Senders NPR beschrieb Regisseur Josh Safdie Martys Ausgangslage so: "Er stammt aus einem sehr provinziellen Ort, der Lower East Side, Mitte des 20. Jahrhunderts, die zwar ein Schmelztiegel war, aber eine hohe Konzentration jüdischer Einwanderer aufwies. Und nach dem Krieg blühte das Konzept des jüdischen Stolzes gewissermaßen auf. Und das Überleben des Holocaust war etwas, worauf man irgendwie stolz sein konnte."

Die Schattenseiten der "hustle culture"

Grundsätzlich geht es auch um die Schattenseiten der US-amerikanischen "hustle culture", also einem Lebensstil, der Selbstoptimierung, Leistung und ständige Arbeit glorifiziert. Das hat Safdie gemeinsam mit seinem Bruder Benny schon im Film "Der schwarze Diamant" (Originaltitel: "Uncut Gems") mit Adam Sandler thematisiert.

Ein Gegengewicht zu Marty bildet die abgeklärte Filmdiva Kay Stone (Paltrow). Marty lernt sie in einem Hotel kennen und beginnt eine Affäre mit ihr. Sie ist mit einem sehr reichen Unternehmer verheiratet, von dem sich Marty Geld erhofft. Dafür lässt er so einiges mit sich machen - sich zum Beispiel mit einem Tischtennisschläger den nackten Hintern verprügeln. Einem Interview mit Darsteller Kevin O'Leary zufolge verzichtete Chalamet in dieser Szene auf ein Double.

Eine Eizelle verwandelt sich in einen Tischtennis-Ball

Der Schauspieler und seine Kolleginnen machen den Film ebenso sehenswert wie die herausragende Kameraarbeit. Safdie inszeniert "Marty Supreme" sehr gelungen als nervöses Sittenbild der Nachkriegszeit. Die Kamera ist rasant, saust mit dem Tischtennis-Ball hin und her oder rast mit Marty auf einer Flucht die Feuertreppe hinterher. Das New York der 1950er Jahre ist schmutzig, laut und voller Verheißungen, die nur selten eingelöst werden.

Es gibt im Film zudem einige eigenwillige Ideen, die gut funktionieren. Gleich am Anfang etwa hat Marty mit seiner Jugendfreundin Rachel (Odessa A'zion) in einem Lagerraum Sex. Was daraus resultiert, ist in einer Art Retro-Animation zu sehen: Spermien befruchten eine Eizelle, die sich schließlich in einen Tischtennis-Ball verwandelt.

Das Filmgeschehen ist mit einem herausragenden 1980er-Jahre-Soundtrack unterlegt. Tears for Fears' "Everybody Wants To Rule The World" ist ebenso zu hören wie Forever Young" von Alphaville.

Als Chalamet vom Stuhl fiel

Doch vor allem bleibt der Film wegen Chalamets Schauspielleistung in Erinnerung. Er gilt als heißer Anwärter für den Oscar als bester Darsteller. Insgesamt ist "Marty Supreme" neunmal für die Oscars nominiert, die Verleihung findet in der Nacht vom 15. auf den 16. März statt.

Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit? Safdie erzählte in einer Pressekonferenz, er sei mit "Call Me By Your Name" auf Chalamet aufmerksam geworden. Das Drama war Chalamets Durchbruch. Safdie sah den Film in New York, wie er bei einer Pressekonferenz erzählte, anschließend gab es eine Fragerunde mit dem Filmteam. "Und du sitzt nicht still, sondern wippst hin und her und fällst auf den Hintern", sagte Safdie an Chalamet gewandt.

"Das gesamte Publikum, 1.200 Leute, hat gelacht (...). Das war ein unglaublicher Moment. Für mich war es einfach perfekt, weil er dieser superernste, verschlossene Typ war, der auf den Hintern fällt. Da war ein Teil von Marty dabei, und da dachte ich mir: Oh Mann, mit dem Typen muss ich arbeiten."

Ein fast perfekter Antrag

Mehrmals schon standen sie zusammen vor der Kamera – doch ein Liebespaar spielten sie bislang noch nie. Das ändert sich nun: Iris Berben und Heiner Lauterbach auf die romantische Tour gibt es jetzt im Kino in dem Film "Ein fast perfekter Antrag". Es war an der Zeit", sagt die 75-Jährige. Der Dreh sei professionell, leidenschaftlich und inspirierend gewesen. "Das war wie eine kluge Choreographie."

An einem "fast perfekten Antrag" hat Walter sich in jungen Jahren versucht, um seine Jugendliebe Alice ins Standesamt zu bekommen. Doch der per ausgetüftelter Kettenreaktion gestellte Antrag geht schief, Alice ergreift die Flucht - und 40 Jahre ziehen ins Land.

Zufälliges Treffen nach vier Jahrzehnten

Dann, plötzlich trifft Walter (Heiner Lauterbach) eben diese Alice (Iris Berben) in einem Sushi-Restaurant wieder, für das er eine akribische Online-Bewertung verfasst (sein Hobby). Blitzschnell denkt sich der etwas eigenwillige Witwer: Die wär doch immer noch was für mich. Und vielleicht kann das vor Jahrzehnten gekränkte, männliche Ego die Schmach von einst wiedergutmachen. So versucht er, seine Ex im Alter doch noch von sich zu überzeugen.

Doch das gestaltet sich schwierig. Alice, Professorin für Kunstgeschichte an der Uni Regensburg, hat überhaupt kein Bedürfnis, ihr freies und eigenständiges Leben aufzugeben und sich an jemanden zu binden - und schon gar nicht an diesen Walter, den sie für egozentrisch, verstockt und viel zu wenig an ihrem Leben interessiert hält.

Studium im Alter

Weil er ihr das Gegenteil beweisen will, schreibt Walter sich an der Uni ein, um ihre Kunstvorlesungen zu besuchen. Dabei muss er sich nicht nur mit einem Fach herumschlagen, von dem er keine Ahnung hat, sondern auch noch mit einer Studenten-Generation, von der er noch weniger versteht.

Doch es kommt natürlich, wie es kommen muss: Walter taut auf, entdeckt Toleranz und Spontaneität und dass das Leben doch noch mehr zu bieten hat als in seiner Garage zu basteln oder Online-Bewertungen zu schreiben - und natürlich liegen die beiden Ex-Partner sich zum Schluss glücklich in den Armen.

Lauterbach findet die meisten Sexszenen überflüssig

Intime Liebesszenen haben beide nicht vermisst, sagen Lauterbach und Berben im Interview zum Film. "Wilde Sexszenen, das brauche ich persönlich nicht", sagt Lauterbach (72). "Abgesehen davon finde ich die meisten Sexszenen in Filmen überflüssig."

Mehr Liebesfilme mit und für ältere Menschen fände Berben gut. "Die Bedürfnisse sind ja keine anderen, ob man 20, 30, 40 oder 50 ist", stellte die Berlinerin klar. "Liebe und Wahrnehmung und gesehen werden und miteinander teilen wollen ist ein Wunsch, den Menschen in jedem Alter haben."

Dass die Geschichte in diesem Film von Regisseur Marc Rothemund einigermaßen vorhersehbar ist, das ist ja nicht selten bei romantischen Komödien. Allerdings kommt der Walter'sche Wandel dann in so abrupten Schüben, dass sie aufgesetzt wirken.

Und was genau ihn an Alice und sie schließlich auch andersherum an ihm fasziniert, bleibt seltsam unklar. Das liegt nicht an den Hauptdarstellern oder daran, dass die Chemie zwischen den beiden fehlen würde - im Gegenteil. Da gab es ganz viel Potenzial.

Aber das Drehbuch steuert einfach viel zu gehetzt auf das verpflichtende Happy End zu, ohne den Charakteren und ihren Beziehungen wirklich Zeit zu lassen, sich zu entwickeln.

Zweite Hauptdarstellerin: Regensburg

Erfreulich dagegen der Drehort: Während Filme wie Berlin oder München in inzwischen etwas ermüdender Regelmäßigkeit Kulissen für romantische Komödien werden, war Regensburg das bislang eher selten. Dabei ist die Stadt an der Donau mit ihrer Steinernen Brücke und der malerischen Altstadt wie gemacht dafür und damit der heimliche Star des Films.

Father Mother Sister Brother

Es gibt diese Momente am Familientisch, in denen alles gesagt scheint - und doch nichts ausgesprochen wird. Man reicht das Salz, man fragt nach dem Job, man nickt. Zwischen Eltern und ihre erwachsenen Kinder passt oft kein Streit mehr, sondern nur noch eine höfliche Stille.

Genau in diese Risse schaut Jim Jarmusch in seinem Film "Father Mother Sister Brother", der jetzt in die deutschen Kinos kommt. Er entdeckt dort ein ganzes Universum aus Blicken, Pausen und verpassten Sätzen.

Ein stiller Film, der mit Tragikomik berührt

Der US-amerikanische Kultregisseur gewann dafür beim Filmfest Venedig den Goldenen Löwen. Cate Blanchett, Adam Driver, Tom Waits, Charlotte Rampling und Vicky Krieps gehören zur Starbesetzung.

In drei Episoden blickt Jarmusch (73) in "Father Mother Sister Brother" auf verschiedene Familiendynamiken. Entstanden ist ein stiller Film, der mit seiner Tragikomik berührt - und der manche Zuschauer wohl an eigene Familienerlebnisse erinnern dürfte.

Eine Familie in New Jersey

Im ersten Teil stehen Tom Waits, Adam Driver und Mayim Bialik im Mittelpunkt. Das Setting: das auf den ersten Blick verlottert wirkende Haus eines eigenbrötlerischen Vaters (Waits) in New Jersey. Seine erwachsenen Kinder besuchen ihn - und schnell wird klar, dass solche Treffen selten stattfinden.

Verstockt sitzen sie am Couchtisch und bemühen sich um Smalltalk über Gesundheit und Arbeit. Immer wieder stoßen sie mit Wasser und Tee an: "Auf die Familie!" Der Vater erkundigt sich nach der Partnerin seines Sohnes - ahnungslos, dass die beiden längst getrennt sind. Die vermeintliche Armut des Vaters wird zum Gesprächsthema.

Doch dann blitzt etwas an seinem Handgelenk auf - eine Rolex? Gefälscht, behauptet er. Erst als die Kinder gehen, wird klar: Die Uhr ist echt und der Vater alles andere als arm. Über seine Designermöbel hatte er alte Decken gelegt, seinen BMW unter einer Plane versteckt. Unbekümmert setzt er sich hinter das Steuer, um das Geld, das ihm sein Sohn gerade zugesteckt hat, auf den Kopf zu hauen.

Eine Familie in Dublin

Der zweite Teil spielt in Dublin. Cate Blanchett und Vicky Krieps spielen die Töchter einer strengen Mutter (Rampling). Der jährliche Afternoon Tea steht an - elegant gedeckt, geschmackvoll eingerichtet, aber voller Spannung. Die Mutter ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, ihre Kälte steht im Kontrast zu den Töchtern.

Die eine Tochter wirkt chronisch pleite und sympathisch verpeilt (Krieps mit pastellrosaner Fransenfrisur), die andere etwas verstockt, als hätte sie ihr Leben lang zurückstecken müssen (Blanchett). Wieder kommt kein rechtes Gespräch zustande. Die eine Tochter zeigt stolz ihre gefälschte Rolex und erzählt einen Witz, um die Anspannung zu lösen. Alle sind erleichtert, als das Treffen vorbei ist.

Eine Familie in Paris

Die dritte Episode erzählt von zwei Geschwistern (Indya Moore und Luka Sabbat), die kürzlich ihre Eltern bei einem Flugzeugabsturz verloren haben. In Paris treffen sie sich in der leer geräumten elterlichen Wohnung. Sie durchstöbern Erinnerungsstücke - und merken, dass sie ihre Eltern vielleicht gar nicht so gut kannten, wie sie dachten.

"Father Mother Sister Brother" ist ein lakonischer Film, der Gefühle andeutet, aber nie ausspricht. Statt eines spannenden Plots setzt er auf Situationskomik. Formal ist er bis ins Detail durchdacht, es gibt wiederkehrende Motive und Sätze.

Ehrung in Venedig für Jarmuschs Gesamtwerk?

Für diese Ästhetik wird Jarmusch schon lange verehrt. Nicht nur Festivalgänger, auch Stars wie Blanchett und Bialik bezeichneten sich in Venedig als Fans. Als der Filmemacher zur Pressekonferenz kam, brachen Journalisten und andere Gäste in regelrechten Jubel aus. Und mehrere Menschen, auch aus dem Filmteam, bezeichneten Jarmuschs Kultfilm "Night on Earth" als einen ihrer Lieblingsfilme.

Vermutlich war die Auszeichnung Jarmuschs in Venedig auch als Ehrung für sein Gesamtwerk zu verstehen. Denn ganz so stark wie etwa "Night on Earth" ist "Father Mother Sister Brother" trotz vieler gelungener Szenen nicht. Mitunter ist der Film so unaufgeregt, dass er ins Langatmige kippt.

Scream 7

Night Stand

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(Quelle: dpa)

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