18. Februar 2026 – Mira Oetinger
Mit Expertentipp
Neu in Kino und Streaming: Das sind die Neuheiten der Woche
In einer neuen Horror-Komödie zeigt sich der Stranger Things Schauspieler Joe Keery in seinem gewohnten Gefilde. Gemeinsam mit Liam Neeson startet er in "Cold Storage" die neue Kinowoche. Außerdem dabei: Lars Eidinger und Luna Wedler in einer Tragikkomödie in Schwarz-Weiß.
Joe Keery beim "Stranger Things 5" UK Special Screening in London I Foto: Fred Duval / Shutterstock
Ungewöhnliche Bilder, starke Figuren, poetische Töne: In der Tragikomödie "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" von Nicolas Steiner erzählt, wie eine junge Frau einem einsamen Mann Hoffnung gibt – und dabei selbst an Grenzen stößt. In "Cold Storage" geht es in ein Untergrund-Labor, indem ein parasitärer Pilz lagert. Als der ausbricht, werden Menschen und Tiere zu Zombies. "Stranger Things"-Star Joe Keery und Georgina Campbell rufen Liam Neeson zu Hilfe. In der neuen Kinowoche gibt es aber noch mehr zu sehen - und auch im Streaming.
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19.02.2026
Jetzt anhören: Die Neuheit der Woche von Christian Aust
Sie glauben an Engel, Herr Drowak?
Ein Film in Schwarz-Weiß? Das ist für so manchen Kinobesucher von heute vermutlich ungewöhnlich. Und ungewöhnlich ist die Tragikomödie "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" von Nicolas Steiner allemal. Längst nicht nur wegen seiner Bildgestaltung, die auch das auf den Kopf stellt, was man gewohnt ist: Dass nämlich die Echtzeit in Farbe spielt - und Rückblicke zur besseren Orientierung oft in Schwarz-Weiß.
Aber der Reihe nach. Das Spielfilmdebüt des Schweizers Nicolas Steiner (Buch: Bettina Gundermann) erzählt von der Studentin Lena (Luna Wedler), die einen Job als Schreibtherapeutin in einem Resozialisierungsprojekt annimmt. Einziger Teilnehmer: Hugo Drowak (Karl Markovics). Ein verbitterter, einsamer, alkoholkranker Misanthrop, der in einem heruntergekommenen Hochhaus in einem Meer von leeren Flaschen lebt und sich andere Menschen am liebsten vom Leibe hält. Im besten Fall mit Beschimpfungen, im schlechtesten mit "Piss-Bomben".
Unerschütterlicher Glaube an das Gute
Doch die junge Frau lässt sich nicht abschrecken - weder von Äußerlichkeiten noch von persönlichen Beleidigungen. Ihre unfassbar positive Ausstrahlung und ihr unerschütterlicher Glauben an das Gute wirken in der deprimierenden Umgebung fast fehl am Platz - und gleichzeitig umso wohltuender. Selbst Hugo kann sich dem irgendwann nicht mehr entziehen. Vielleicht weil es ihm wie allen geht - mit einer Sehnsucht nach Liebe, Nähe und Zugehörigkeit?
Wie Lena es schafft, den alten Mann zu "knacken", ihn zum Schreiben zu bewegen und dazu, sich wieder auf Gefühle einzulassen, das ist herrlich mitzuerleben - und schauspielerisch grandios. Ebenso wie Lars Eidinger in seiner Rolle als abgedrehter Amtsleiter.
Herausforderungen für die Zuschauer
Allerdings wird man als Zuschauer auch gefordert - vor allem am Anfang. Denn zunächst muss es einem irgendwie gelingen, sich auf diese besondere Atmosphäre und eigenwilligen Bilder des Filmes einzulassen, die mitunter mal märchenhaft, mal surrealistisch daherkommen.
Zudem wird man emotional hin- und hergeworfen: von amüsanten und rührenden Momenten über skurrile Situationen bis zu bildgewaltigen, bedrohlichen Szenen.
Das Schreiben scheint Hugo Drowak irgendwann tatsächlich die Kraft zu geben, sein trostloses Leben verändern zu wollen. Aber wie lange wird das Blau des Himmels durchblitzen können? Immer mehr wird er von den Dämonen seiner Vergangenheit eingeholt. Gut, wenn man in solch einer "Drecksloch-Siedlung" dann noch an Engel glauben kann.
Cold Storage
Seit fast 20 Jahren ist der Charakterdarsteller und einstige Oscar-Nominierte Liam Neeson ("Schindlers Liste") der Mann fürs Grobe im Actiongenre. Seit dem Kultfilm "96 Hours - Taken" starten jährlich zwei bis drei Filme im Kino oder im Streaming, in denen Neeson durchgreift und knallhart Schurken aus dem Weg räumt.
Zuletzt überzeugte der nord-irische Schauspieler auch im Comedy-Reboot "Die nackte Kanone". In "Cold Storage" nimmt es Neeson jetzt mit einem gefährlichen, parasitären Pilz und Zombie-ähnlichen Kreaturen auf.
Mischung aus Zombie-Horror, Action-Film und Komödie
"Cold Storage" ist anders als seine typischen Actionkracher. "Das ist er definitiv", bestätigt der 73-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. Es ist eine wilde Mischung aus Zombie-Horror, Actionfilm und Komödie. Neben Neeson spielen "Stranger Things"-Star Joe Keery und die Horror-erprobte Britin Georgina Campbell ("They See You") die Hauptrollen.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des renommierten Drehbuchautors David Koepp ("Jurassic Park", "Mission: Impossible"). "Es ist ein großartiges Drehbuch", schwärmt Neeson. "Ich weiß noch, wie ich zuerst den Roman von David Koepp gelesen habe. Ich bin seit Jahren ein Fan von David. Ich musste es einfach machen."
Ein parasitärer Pilz breitet sich aus
Australien im Jahr 2005: Aus einem alten Sauerstofftank, der zu einem amerikanischen NASA-Weltraum-Labor gehörte und nun Teil eines Freiluft-Museums in einem Wüstenkaff ist, tritt ein hochinfektiöser, mutierter Pilz aus. Kurz darauf sind alle Lebewesen in der näheren Umgebung tot. Viele von ihnen sind einfach explodiert.
Das Pentagon schickt Robert Quinn (Liam Neeson) und Trini Romano (Lesley Manville), zwei Spezialisten für biochemische Waffen hin. Das Duo reinigt die Umgebung und nimmt eine Probe des Pilzes mit, die in einem geheimen Hochsicherheits-Kryolager in einer Militärbasis in Kansas aufbewahrt wird.
Jahrzehnte später ist aus dem abgelegenen Gebäude der ehemaligen Militärbasis ein Self-Storage-Laden geworden. Dort arbeiten Travis alias Teacake (Joe Keery) und seine neue Kollegin Naomi (Georgina Campbell) in der Nachtschicht, als sie ein merkwürdiges Geräusch hören.
Zombies, die grünen Schleim spucken
Als sie dem mysteriösen Ton nachgehen, entdecken sie hinter der dünnen Wand die Überreste der Militärbasis. Das Geräusch ist ein Warnton, der einen Temperaturabfall in dem Kryosafe signalisiert. Der Pilz ist bereits ausgetreten und treibt sein Unwesen. Infizierte speien grünen Schleim und versuchen, das Virus zu verbreiten. Teacake und Naomi informieren die Behörden.
Für den Einsatz kehrt Spezialist Robert Quinn aus dem Ruhestand zurück. Mit Teacake und Naomi kämpft er gegen Zombie-ähnliche Tiere und Menschen, während er versucht, den hochgefährlichen Mikro-Organismus zu stoppen und die Welt zu retten.
Das unterirdische, verlassene Labor mit seinen engen Gängen, Tunneln und alten Geräten erzeugt eine klaustrophobische, beklemmende Atmosphäre. Für weitere Spannung sorgen nächtliche Besucher - Naomis Ex-Mann Mike (Aaron Heffernan) und Teacakes unangenehmer Kollege Griffin (Gavin Spokes), der mit seiner Gang ein paar geklaute Fernseher abtransportieren will.
Neeson nimmt sein Action-Image auf die Schippe
Spannung und Horror werden immer wieder durch Comedy-Elemente aufgelockert. Ein Highlight ist der kurze, unterhaltsame Auftritt der britischen Schauspiel-Veteranin Vanessa Redgrave (89) als Ma Rooney. "Ich bin begeistert, dass sie mitspielt", sagt Neeson. Redgrave ist die Mutter seiner verstorbenen Ehefrau Natasha Richardson. "Sie ist wirklich eine Legende."
Sein Image als knorriger Veteran und Aufräumer nimmt Neeson in "Cold Storage" amüsant auf die Schippe. So leidet Quinn an Rückenproblemen, die seinen Spezialeinsatz beeinträchtigen. "Eine menschliche Schwäche der Figur, die mir gefiel", sagt er. "Es gibt außergewöhnliche Science-Fiction- und Fantasy-Elemente, aber letztlich kehrt alles zum Menschlichen zurück. Und genau das mochte ich."
"Pass gut auf – Dieser Scheiß ist echt!"
"Pay Attention – This shit is real!" ("Pass gut auf – Dieser Scheiß ist echt!"), heißt es zu Beginn des Films. Tatsächlich existiert in den Tropen einen parasitären Pilz namens Ophiocordyceps unilateralis, der das Nervensystem von Ameisen befällt und damit ihr Verhalten beeinflusst. Er wird auch Zombie-Ameisenpilz genannt.
Natürlich übertreibt "Cold Storage" bewusst. Während sich der Pilz ausbreitet, dürfen Zuschauer über die musikalische Begleitung schmunzeln - Popsongs wie "I Get Around"von den Beach Boys oder "One Way Or Another" von Blondie - mit der Zeile "I'm Gonna Get You". Die Zombies sind schleimige, unberechenbare Kreaturen mit Hang zur Selbstzerstörung, die auch sehr witzig sind.
Der Film von Regisseur Jonny Campbell hat absichtlich die Aura eines trashigen B-Films. Der Horror ist grotesk und überzeichnet - aber er funktioniert. "Cold Storage" ist ein bewusst schräges Vergnügen und kurzweiliges Popcorn-Kino, wie es heute viel zu selten geworden ist.
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(Quelle: dpa)