12. August 2020 – Sebastian Tegtmeyer

Depressionen in Corona-Zeiten

Die Krankheit verstehen und überwinden

Unser Leben ist nicht nur von schönen und glücklichen Momenten geprägt. Dies gilt ganz besonders in der aktuellen Situation, wo Gefühle der Isolation oder Angst vor einer Erkrankung am Corona-Virus Leben und Alltag beeinflussen.

Foto: Shutterstock
Foto: Shutterstock

Wenn Sorgen und Verstimmungen Ihre Lebensfreude zunehmend beeinträchtigen, kann die Grundlage zur Ausbildung einer Depression gegeben sein. Dies frühzeitig zu erkennen und richtig zu behandeln, bewahrt vor einem schlimmeren Verlauf der oft unterschätzten Volkserkrankung.


Wie Corona unsere Stimmungslage beeinflusst


Jeder Mensch hat schlechte Tage und macht sich negative Gedanken. Wir von Radio Hamburg versuchen, unsere Hörer mit guter Musik oder Abwechslung durch unsere Programmaktionen bei Laune zu halten. Doch dies reicht nicht immer aus, gerade wenn schwerwiegende Ereignisse auf Ihr Leben einprasseln. Der Corona-Virus ist ein Beispiel hierfür, negative Emotionen oder psychische Belastungen können weit hierüber hinausgehen.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt oder Sie Ihre Arbeitsstelle verlieren, sind einige Wochen oder sogar Monate der Demotivation und des Trübsals normal. Dies ist eine depressive Verstimmung, die mittelfristig wieder von neuer Motivation und Lebensfreude ersetzt wird. Hält eine belastende Situation über Monate hinweg an, können sich hingegen vollwertige Depressionen auswerten. Die aktuelle Corona-Krise ist leider ein Nährboden hierfür.


Von der depressiven Verstimmung zur Depression


Depressionen sind zu einem geflügelten Word in unserer Gesellschaft geworden. Schnell wird der Begriff für jede Art von negativen Gedanken und Emotionen herbeigeführt, die das eigene Leben beeinflussen. Aus diesem Grund wird die Diagnose Depressionen bei ernsthaft betroffenen Patienten schnell abgetan, schließlich kennt man selbst schlechte Tage.

Das Krankheitsbild Depressionen geht jedoch weit über negative Gefühle oder eine depressive Phase hinaus. Die Krankheit ist mittlerweile sehr gut erforscht und zeigt eine Fülle von körperlichen und seelischen Beschwerden, die kaum mit einem „schlechten Tag” von jedermann zu vergleichen sind. Das Gute hieran: Eine Behandlung von Depressionen mit guten Erfolgsaussichten ist möglich, sofern diese erkannt und vom Betroffenen akzeptiert werden.

Angst um die eigene Existenz oft ausschlaggebend


Sorgen und Ängste, die zu einer chronischen Depression führen, nehmen oft existenzielle Ausmaße an. Gerade deshalb wird eine Depression durch die Corona-Krise begünstigt. Die genauen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft sind bislang kaum abzuschätzen. Zahllose Menschen hierzulande waren und sind in Kurzarbeit und müssen um ihre berufliche Zukunft fürchten.

Unter diese Unsicherheit mischt sich das Gefühl einer Hilflosigkeit. Tatsächlich fehlt vielen Menschen die Kontrolle über ihren Alltag und das Leben im Allgemeinen, was nicht alleine die berufliche Situation anbelangt. Unsicherheiten bei der Interaktion mit anderen Menschen, Einschränkungen wie Maskenpflicht und Mindestabstände und die kaum abschätzbare Zukunft machen vielen Menschen zu schaffen.

Symptome erkennen und ernstnehmen


Sich gelegentlich bei negativen Gedanken über die Zukunft zu erwischen, ist noch kein Anzeichen für eine beginnende Depression. Gleiches gilt für ein oder mehrere Tage, in denen man einfach nur im Bett bleiben möchte und keine Kraft oder Motivation für Unternehmungen aller Art findet. Kommt es jedoch über Wochen und Monate hinweg zu Antriebslosigkeit, fehlender Motivation und der Erkenntnis, dass nichts mehr im Leben für Freude sorgt, sollten diese Warnzeichen richtig gedeutet werden.

Depressionen sind außerdem nicht auf die emotionale oder psychische Ebene zu reduzieren. Es gibt eine Reihe körperlicher Symptome, die typischerweise mit Depressionen in Verbindung gebracht werden. Hierzu zählen fehlender Appetit und sexuelle Lust, genauso wie regelmäßige Kopfschmerzen, Schwindelgefühl oder Probleme mit der Verdauung.

Zwei Probleme bringen die physischen Symptome mit sich. Zum einen sind sie sehr diffus und werden schnell mit einer Fülle von anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Zum anderen werden sie beim einzelnen Auftreten kaum mit der eigenen Gemütslage oder sich entwickelnden Depressionen in Verbindung verbracht. Hier hilft es, Hinweise von Freunden oder Familie für Veränderungen ernstzunehmen, die man an sich selbst zu selten wahrnimmt.


Mit professioneller Hilfe zur richtigen Behandlung


Niemand gesteht sich gerne Schwächen ein. Und leider wird von vielen Menschen immer noch das Erleiden einer Depression als Schwäche gesehen. Dabei ist es völlig normal, auf belastende Umstände mit Veränderungen zu reagieren, die nicht immer die besten Auswirkungen auf Körper und Seele zeigen. Um den ersten Schritt raus aus der Depression zu gehen, ist deshalb die Akzeptanz der Situation und der eigenen Erkrankung wichtig.

Ist dies erfolgt, steht Betroffenen eine Fülle an Behandlungsformen offen. Bereits online gibt es eine Reihe starker Angebote, mit denen kein direkter Gang zum Psychotherapeuten notwendig wird. Der Vorteil: Selbsthilfegruppe und Beratungen finden online statt und leiden nicht unter den Corona-Restriktionen. Falls solche Angebote nicht ausreichen, ist der Kontakt zu einem Psychotherapeuten im eigenen Umfeld der nächste, richtige Schritt.


Lässt sich depressiven Verstimmungen vorbeugen?


Hat sich eine vollwertige Depression ausgeprägt, kommen Betroffene selten ohne fremde Hilfe hieraus. Umso wichtiger ist, präventiv zu handeln und auf erste Risikofaktoren richtig zu reagieren. Die moderne Wissenschaft kennt beispielsweise die Wirkung von Meditation aufs Gehirn oder die Wertigkeit von etablierten Entspannungsmethoden. Gleiches gilt für den Gang in die Natur oder die Kontaktaufnahme zu Freunden und Verwandte. Diese mag schwerfallen, bewahrt jedoch oft vor einer Verschlimmerung der Situation.


undefined
Radio Hamburg Live ·
Audiothek