Mehr Sinn. Weniger Fluktuation
Die Wirtschaft verändert sich – und es geht um mehr als nur Digitalisierung oder neue Technologien. Es handelt sich um die Abwandlung unserer Werte, die in Bezug auf aktuelle Geschäftspraktiken aus dem Takt geraten sind.
Unternehmen verlieren damit nicht den Anschluss an technische Innovationen, sondern an ihre eigene Bedeutung. Faktisch sind in einer Zeit, in der Konsumenten und Firmenmitarbeiter authentischen Werten sowie nachhaltigen Verfahrensweisen zunehmend mehr Bedeutung beimessen, alte Managementmethoden kaum noch tragfähig.
Leiterin des Instituts für Führungskultur im digitalen Zeitalter Barbara Liebermeister bringt es mit dem Titel ihres Leadership-Podcasts direkt auf den Punkt: „Digital ist egal – was zählt, bist du.“ Ihre Worte sind ein klarer Aufruf zur Rückbesinnung auf Menschlichkeit im Betriebsmanagement. Dabei liegt die Herausforderung für Firmen klar auf der Hand: Die Ära, in der wirtschaftlicher Erfolg ohne Sinn und Werte erzielt werden konnte, ist vorbei.
Bruch mit dem Bekannten
Klassische Management-Instrumente sind weitgehend unbrauchbar geworden. Im aktuellen Wandel sind Herausforderungen wie Vertrauensverluste und Identitätskrisen ebenso präsent wie sogenannte “innere Kündigungen", die keinesfalls unterschätzt werden sollten. Reiner Schmidt, Experte für Sinnökonomie und selbst langjährig als Unternehmer tätig, beschreibt seine persönliche Erkenntnis: „Ich war erfolgreich – aber ich sehnte mich nach mehr und fand es in der Sinnökonomie.“ Dieser Wendepunkt in seinem Leben führte ihn zu der Einsicht, dass wahre Erfüllung in der Ausübung führender Positionen nur durch Sinnstiftung erreicht wird.
Reiner selbst wuchs in einem Familienbetrieb auf, in dem er sich lange Zeit als Mitglied der Geschäftsführung einbrachte. Der persönliche Durchbruch kam allerdings erst, nachdem er sich von altem Denken und vertrauten Wegen verabschiedete. Im Rahmen seiner Beratungstätigkeit zeigte er dann anderen Entrepreneuren auf, dass ihre Firmen weit mehr als nur Profitzentren sind. Sie sind Teil einer sozialen Verantwortung, die authentische Kultur und Werte benötigt .
Die Mentoren erscheinen
Bei Barbara Liebermeister und Reiner Schmidt handelt es sich um mehr als nur Experten in Bezug auf die neu angebrochene Wirtschaftsepoche. Sie stellen die Wegweiser in einem Wandel dar, der Führung und Unternehmen vor neue, tiefgründige Aufgaben stellt. Und treiben die entscheidenden Fragen voran: „Wozu gibt es uns? Was wollen wir beitragen?“ Antworten hierauf finden sich weniger auf Basis von schnellen Lösungen. Haltung vor Handlung ist der Schlüssel.
Im Zentrum ihrer Überzeugung steht die Idee, dass Führung durch Prozesse und insbesondere Persönlichkeit sowie Werte bestimmt wird. Essentiell ist, sich zunächst einmal selbst zu finden, bevor Unternehmensorganisationen sinnvoll und nachhaltig verändert werden können. Ein Beginn kulturellen Wandels, der weit über traditionelle Erfolgsmetriken hinausgeht.
Reise nach innen
Die wahre Quelle des Umbruchs liegt im Inneren jeder einzelnen Firma. Es ist dieser kulturelle Kern, der den entscheidenden Unterschied macht. „Führung braucht keine starren Prozesse, sondern Persönlichkeit”, so Barbara Liebermeister. Diese Gesinnung setzt den Grundstein für eine Ambitioniertheit, die über Zahlen und KPIs weit hinausgeht. Reiner Schmidt fügt hinzu: „Werte sind keine Wanddeko – sie müssen gelebt werden.“
Allein wenn Werte tief in die Unternehmenskultur integriert werden, kann eine nachhaltige und langfristige Veränderung entstehen. Dabei geht es um einen grundlegenden kulturellen Wandel, nicht lediglich um die Einführung neuer Verfahren und Strategien, der schlussendlich in einer sogenannten Sinnökonomie mündet. Insgesamt dreht sich alles um eine Wirtschaft, die auf Werte setzt, statt ausschließlich auf Profit. Dieser Umbruch betrifft nicht ausschließlich große Konzerne, sondern vor allem mittelständische Unternehmen, die in Zeiten von Fluktuation und Fachkräftemangel besonders gefordert sind, eine klare und glaubwürdige Haltung zu entwickeln und einzunehmen.
Moment der Wahrheit
Der Weg in die Sinnökonomie ist sicherlich steinig. Betriebe werden mit der Realität von KPI-Druck, Zynismus und alten Gewohnheiten konfrontiert. Transformation verlangt Mut und die Bereitschaft, Unsicherheit zu ertragen sowie mit Lücken zu leben. All das ist wenig komfortabel, da die ursprünglich angedachte Lösung mithin aus der greifbaren Ferne rückt. Jedoch begleiten Barbara und Reiner Unternehmen mit Klarheit und der notwendigen Haltung, um diese vermeintlichen Unwägbarkeiten als Chance für echte Veränderung zu begreifen.
Der beispielhafte Beweis
Es existieren immer mehr Vorbilder, die Sinnökonomie wirklich leben. Ein Winzer, der klar Stellung zu politischen Fragen bezieht oder Betriebe, die ihre Ziele nicht nur kommunizieren, sondern sie im täglichen Handeln umsetzen. Der Erfolg dieser Unternehmen ist unübersehbar: höhere Loyalität der Mitarbeiter, mehr Innovationskraft und eine magnetische Arbeitgebermarke, die talentierte Köpfe regelrecht anzieht.
Firmen, die ihre Werte transparent und glaubhaft implementieren und umsetzen, schaffen so ein besseres Arbeitsumfeld und binden ihre Kunden deutlich stärker. Richtig ist, dass die Menschen unserer Gesellschaft heute mehr suchen als nur ein Produkt oder eine Dienstleistung – sie wünschen sich Unternehmen, die ihre Wertvorstellungen widerspiegeln.
Rückkehr mit Erkenntnis
Am Ende dieser Reise kann an einer Erkenntnis kein Zweifel bestehen: Unternehmen, die Sinn stiften, gewinnen an Vertrauen, Resilienz und Zukunftsfähigkeit. Anstatt einer schnellen Lösung besteht die eindeutige Maxime: „Verantwortung beginnt bei dir.“ Wirtschaft ist kein Selbstzweck – sie ist Beziehung. Es geht um den Umgang von Unternehmen mit ihren Mitarbeitern, Kunden und ihrer Umwelt.
Die stille Revolution in den Chefetagen hat begonnen. Sie mag leise sein, doch ihre Wirkung ist umso größer. Firmen, die den Mut aufbringen, Führung auf der Grundlage von Werten und Sinn zu gestalten, werden die Gewinner der Zukunft sein.