29. September 2021 – Maja Caterina Woltemath

Die Gegenkampagne wäre "geschmacklos"

Partnerin von Alice Weidel stimmt für Ehe für alle

Am 26. September war nicht nur die deutsche Bundestagswahl, sondern auch Volksabstimmung in der Schweiz. Die Lebensgefährtin der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, machte im Gegenteil zu Weidel deutlich, dass sie für die gleichgeschlechtliche Ehe ist. Was sagt die Partnerin dazu?

picture alliance / Bildagentur-online/Ohde | Bildagentur-online/Ohde
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Es dauerte mehr als 22 Jahre: Als eines der letzten europäischen Länder stimmte die Schweiz am Sonntag für ein "Ja" zur Ehe für alle. Vorne mit dabei: die Partnerin von Alice Weidel.

Die deutsche, in der Schweiz lebende Politikerin, Alice Weidel, gehört der rechtsextremen Partei AfD an. Während sie in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft mit der in Sri Lanka geborenen Filmproduzentin Sarah Bossard lebt, gilt ihre Partei als rassistisch und homophob. Alice Weidel selbst war damals in linksliberalen Kreisen unterwegs. Ihre Freundschaften zerbrachen jedoch alle, seit sie Partei-Mitglied bei den Rechtsextremen wurde. Innerhalb der Schweiz mussten sie deshalb auch schon einmal umziehen, da die beiden Söhne des Paares seither keine Spielfreunde mehr finden konnten. Die 42-Jährige berichtete von einem Vorfall, bei dem Kinder sie und ihre Söhne umkreisten und als "Scheiß Nazis" beleidigten.

Homophobie der AfD

Wie eine homosexuelle Frau Aussagen wie "Ehe für alle, während das Land islamisiert wird?" treffen kann, fragt sich die ganze Nation. Weidel erklärte: "Dass ich mich privat anders entschieden habe, heißt ja nicht, dass ich die klassische Familie ablehne." Was wohl ihre Partnerin dazu sagt? Im aktuellen Wahlprogramm der AfD werden gleichgeschlechtliche Ehen als Pseudo-Ehen beschrieben. Doch Alice Weidel kämpft nicht nur gemeinsam mit ihrer Partei gegen die gleichen Rechte der LGBTQIA+ Community, sondern bekämpft im selben Atemzug auch das Gerücht, eine homophobe Partei zu sein.

Parteiaustritt wegen homophober Entgleisung

Gerade erst im Juni diesen Jahres forderte Weidel den Parteiaustritt des ehemaligen Landeschefs der AfD Rheinland-Pfalz, Uwe Junge. Die Situation geriet durch einen homophoben Tweet über eine Aktion der DFB-Elf aus dem Ruder. In einem mittlerweile gelöschtem Tweet schrieb der 64-Jährige: "Münchener Arena soll beim Ungarn-Spiel in Regenbogenfarben leuchten und Neuer trägt die Schwuchtelbinde statt unsere Nationalfarben. Jetzt fehlt noch der Kniefall und ihr werdet immer mehr Fans verlieren. Muss man sich leisten können." Auch wenn er sich im Nachhinein für das Wort "Schwuchtelbinde" entschuldigte, dem Inhalt des Tweets bleibt er treu. Alice Weidel reagiert mit einer Forderung zum Parteiaustritt, da die AfD nichts mit diesen Aussagen am Hut hätte.

Partnerin Sarah Bossard

In einem Interview mit der "Basler Zeitung", äußerte sich nun auch die Lebenspartnerin der AfD Spitzenkandidatin. Normalerweise scheut sie sich vor der Öffentlichkeit, doch für die Abstimmung am 26.09. zum Thema "Gleichgeschlechtliche Ehe" machte sie eine Ausnahme. Gegner des Gesetzes wollen in der Schweiz mit Hilfe eines Referendums, genau das verhindern.

"Die Kampagne ist nicht nur geschmacklos, sondern geht an unserer Lebenswirklichkeit völlig vorbei", sagte die in Sri Lanka geborene Filmproduzentin. "Viele Lesben und Schwule wollen einfach ihre Ruhe! [...] Jeder soll doch nach seiner Fasson glücklich sein." Mit ihrer Lebenspartnerin Alice Weidel, die 2018 den Gesetzesentwurf "zur Aufhebung des Gesetzes zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts", unterschrieb, scheint sie nicht einer Meinung zu sein.

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