14. September 2021 – Stefan Angele

Interview mit Marktforschungsinstitut Trend Research

Wie sicher und zuverlässig sind Wahlumfragen?

Foto: Robert Kneschke/Shutterstock
Foto: Robert Kneschke/Shutterstock

Über 10 Millionen Menschen haben am Sonntagabend (12.09.) das Triell der drei Kanzlerkandidaten von CDU, GRÜNE und SPD in der ARD und dem ZDF gesehen. Eine beachtliche Menge an Wahlberechtigten, die sich kurz vor der Wahl noch einmal intensiv mit den Positionen der einzelnen Parteien auseinandergesetzt hat und das scheinbar auch direkte Auswirkungen auf die Meinungen der Menschen hatte. Doch wie sicher sind solche Vorab-Umfragen vor einer Wahl eigentlich? Die Radio Hamburg Morningshow hat dazu am Dienstag (14.09.) mit Torsten Bohse, Geschäftsführer von Trend Research, gesprochen.

Triell verändert Meinung der Wähler

Nach dem TV-Triell sehen die Zuschauer SPD-Spitzenkandidaten Olaf Scholz vorn: 41 Prozent der Teilnehmer einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap fanden ihn am überzeugendsten. Armin Laschet von der CDU kam auf 27 Prozent. Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock auf 25 Prozent. Auch bei der Frage, welcher der Kandidaten am kompetentesten ist, entschied sich mit 49 Prozent eine Mehrzahl der Befragten für Scholz. Laschet kam auf 26 Prozent, Baerbock auf 18 Prozent. Doch was haben diese Zahlen zu sagen? Sind sie wirklich ein Gradmesser für die Wahl am 26. September?

Wie zuverlässig sind Umfragen?

Torsten Bohse ist Geschäftsführer von Trend Research, - eines der erfahrensten Marktforschungs-Institute in Deutschland, die für viele Unternehmen, so auch für Radio Hamburg, repräsentative Umfragen durchführt. Sieht man die Umfragen, kann man ja schon das Gefühl haben, dass die Wahl eigentlich schon gegessen ist. Doch das verneint Bohse direkt: "Scholz liegt zwar in allen Umfragen vorne, doch die Zahlen sind so volatil wie selten zuvor." Das SPD-Hoch würde weder noch auf einer Wechselstimmung noch auf Begeisterung für Scholz basieren. Alle drei Kandidaten profitieren weniger von den eigenen Stärken als von den Schwächen der anderen. "Die Bindung zu den Kandidaten und Parteien ist nicht besonders gefestigt. Das zeigt auch das bisherige Auf und Ab der Parteien. Ein Fehler jetzt im Wahlkampf und die Stimmung kann noch kippen", so Bohse.

Relativ kleine Schwankungsbreite

Umfragen basieren auf Stichproben. Bei Wahlumfragen sind das etwa 1.000 bis 2.000 Personen. Bei so einer Stichprobengrößen liegt die laut Bohse zwischen 2 und 4 Prozent. Pro Partei kann es also beim ermittelten Wert noch einmal 2-4 Prozent nach oben oder unten gehen. Bohse betont aber auch: "Die SPD ist momentan in allen Umfragen vorne. Deshalb kann man auch davon ausgehen, dass sie auch wirklich eindeutig vorne liegt im Rennen."

Kann die CDU das Ruder noch herumreißen?

Bei der Kommunalwahl in Niedersachsen am Sonntag (12.09.) bleibt die CDU dem vorläufigen Ergebnis zufolge stärkste Kraft. Laut Landeswahlleitung kommt sie auf 31,7 Prozent. Die SPD erreichte 30 Prozent. Könnte theoretisch die CDU also auch bundesweit noch gewinnen? "Alle Umfragen sind natürlich Momentaufnahmen, sodass bis zum Wahltag natürlich noch Bewegung besteht. Am Ende kommt es aber darauf an, dass die Parteien ihre Wähler am Ende auch zur Urne bekommen", erläutert der Statistiker. GRÜNE und CDU stünden extrem unter Druck und versuchen darauf zu reagieren. Besonders bei Laschet sei jetzt der Kampfmodus eingestellt und man versuche das Schreckgespenst eines Linksbündnis an die Wand zu malen. "Ob das zieht wie früher ist aber noch offen. Ich halte das eher für zweifelhaft", so Bohse.

Die Bundestagswahl bei Radio Hamburg

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