Kultusminister empfehlen

Schulalltag erst wieder nach den Sommerferien normal

Eines ist klar: Bis wieder alle Schüler gemeinsam die Schulbank drücken, wird es ein langer Weg. Vor den Sommerferien sollen Schüler nur tagweise zurückkehren dürfen.

Foto: iStock
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Ein Hauch von Schulalltag - wenn auch nur ein kleines bisschen: Trotz Corona-Krise sollen alle Schüler vor den Sommerferien zumindest tageweise die Schule besuchen können. Das schlagen die Kultusminister der Länder den Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrem am Dienstag (28.04.) beschlossenen Konzept vor.

Schüler wieder tageweise an die Schule

"Jede Schülerin und jeder Schüler soll bis zu dem Beginn der Sommerferien tage- oder wochenweise die Schule besuchen können", heißt es in dem Papier der Kultusministerkonferenz (KMK), über das Bund und Länder an diesem Donnerstag (30.04.) beraten sollen. Das Echo kam sofort nach Bekanntwerden der Vorlage - kontrovers. Die Länderminister betonen, dass Infektions-und Gesundheitsschutz "höchste Priorität" haben. Dies sei "Maßgabe für alle weiteren Schritte". Mit den vorgelegten Eckpunkten - darunter strenge Hygieneregeln und Abstandsgebote - sei eine allmähliche Rückkehr zu einem "geordneten Schulbetrieb" möglich.

Kein regulärer Schulbetrieb bis zu den Sommerferien

Einen regulären Schulbetrieb für die rund elf Millionen Schüler in Deutschland wird es vor den Sommerferien laut den Ministern dennoch nicht geben. Nach dem jetzigen Stand sei dies aufgrund des Abstandsgebots von mindestens 1,50 Meter nicht möglich, hieß es in dem "Rahmenkonzept". Ein Mix aus Präsenzunterricht und Lernen daheim solle ausgebaut, digitales Lehren und Lernen weiterentwickelt werden. Die Minister setzen auf ein behutsames Vorgehen: Die Lerngruppen werden verkleinert, räumlich getrennt, der Unterricht soll zeitversetzt laufen. Auch wenn Ministerpräsidenten dieses Rahmenkonzept billigen - die konkreten Entscheidungen bleiben am Ende Ländersache.

Mundschutz in Schulen keine Pflicht

Auffällig: Anders als in Einzelhandel und öffentlichem Nahverkehr wird den Schulen keine Mundschutz-Pflicht vorgeschrieben. Gleichwohl sei ein Mund-Nasen-Schutz ein "wichtiges Instrument, um Infektionen zu vermeiden", meinte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Ministerin Stefanie Hubig (SPD). Der Deutsche Lehrerverband kritisierte das als unzureichend. Zur Eindämmung der Corona-Pandemie wäre eine Maskenpflicht zumindest auf Schulfluren, auf dem Pausenhof oder beim Warten auf den Schulbus geboten, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger.

Heftige Kritik an Beschlüssen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg äußerte ebenfalls Kritik. "Die Versprechen der KMK sind unrealistisch. Viele Lehrkräfte gehören zu Risikogruppen und dürfen nicht in die Schulen", schrieb sie auf Twitter. "Zwei Drittel der Lehrer können nicht gleichzeitig Abschlussprüfungen, Unterricht in zu vollen Klassenzimmern und Lernen zuhause organisieren." Laut Vereinbarung der Kultusminister sollen Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, "auf freiwilliger Basis" Präsenzunterricht geben. "Ferner können sie für weitere Aufgaben eingesetzt werden."

Abschlussprüfungen sollen alle stattfinden

Im Beschluss heißt es, alle Abschlussprüfungen sollen in diesem Jahr stattfinden, die Abschlüsse gegenseitig anerkannt werden. Neue Termine, wann welche weiteren Jahrgänge an die Schulen zurückkehren sollen, nennt das Papier nicht. Es wird nur der 4. Mai aufgeführt, den viele Bundesländer schon fest im Visier haben für den nächsten Schritt. Über eine Ausweitung des Unterrichts auf weitere Klassenstufen entscheiden die Länder der zwölfseitigen Vorlage zufolge selbst - nach Vor-Ort-Gegebenheiten und Infektionsgeschehen. Für den 4. Mai planen viele Länder eine Rückkehr jeweils für den ältesten Grundschuljahrgang sowie für Schüler, die 2021 ihren Abschluss machen wollen.

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