26. Januar 2026 – Sebastian Tegtmeyer
Von Hamburg aus werden die meisten deutschen Offshore-Windparks gesteuert, sagt Bürgermeister Tschentscher. Für ihn ist es daher folgerichtig, dass der Nordsee-Gipfel in seinem Rathaus stattfindet.
Als Veranstaltungsort des Nordsee-Gipfels kann Hamburg nach Ansicht von Bürgermeister Peter Tschentscher von den dabei gefassten Beschlüssen direkt profitieren. Schon jetzt würden die meisten deutschen Offshore-Windenergie-Projekte von Hamburg aus gesteuert, sagte der SPD-Politiker im Rathaus, wo Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Regierungschefs von vier Nordseeanrainern und Luxemburgs empfing.
Laut Tschentscher gehe es dabei nicht nur um die Windenergiebranche, die mit mehr als 100 Unternehmensvertretern an dem Gipfel teilnahm, zu dem auf Einladung von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auch die Energieminister aus Belgien, Dänemark, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Frankreich, Irland, Großbritannien sowie Vertreter der EU und der Nato nach Hamburg gekommen waren.
Küstenregionen profitieren von Ausbau der Offshore-Windenergie
Der Gipfel drehe sich auch um Netzausbau, Sicherheitsfragen und die Wasserstoffproduktion, sagte Tschentscher. "Und das alles soll international koordiniert werden, damit sowohl die anderen europäischen Staaten, aber eben auch die Regionen an der Küste, wir als Hafenstadt, einen Nutzen haben."
Der Offshore-Ausbau müsse weiter vorangebracht werden, um Europa in Energiefragen unabhängiger zu machen. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Ausschreibungen, die dazu gemacht werden, auch zu vernünftigen Angeboten führen, dass es also wirtschaftlich bleibt, Offshore-Windparks zu bauen."
Auch in Deutschland werde es wieder große Windenergieprojekte geben, sagte Tschentscher. "Und wir wollen, dass die möglichst wirtschaftlich erfolgen, dass wir wettbewerbsfähig sind in Deutschland, aber eben auch in Europa gegenüber dem Rest der Welt."
Gipfel stimmt Fegebank positiv für grüne Energieversorgung
Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) betonte: "In einer Zeit, in der die Demokratie global stark unter Druck steht und nach dem Recht des Stärkeren Politik gemacht wird, braucht es erst recht Dialog und Kooperation." Der Nordsee-Gipfel stimme sie positiv für eine grüne Energieversorgung der Zukunft sowie für die Resilienz und Unabhängigkeit Europas in Energiefragen.
Der fast zehn Milliarden Euro schwere Investitionspakt stärke die Offshore-Windenergie mit Planungs- und Investitionssicherheiten, sagte Fegebank. "Damit unterstützen wir klimafreundliche, effiziente und zukunftsfähige Energiegewinnung, die im Einklang mit Meeresschutz geschehen muss und zu unserer Versorgungssicherheit beiträgt." Für Hamburg sei zudem Wasserstoff ein zentraler Baustein auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energieversorgung.
Netzbetreiber planen neuartige Stromleitungen in der Nordsee
Mehrere Netzbetreiber planen neuartige Stromleitungen in der Nordsee. So arbeiten Tennet Deutschland und die britische Firma National Grid an einer direkten Stromleitung zwischen Deutschland und Großbritannien, die - und das ist die Besonderheit - auch Windparks in der Nordsee anbinden soll.
Tennet und National Grid haben während des Nordsee-Gipfels in Hamburg eine Absichtserklärung unterzeichnet, wie sie mitteilten. Der sogenannte hybride Interkonnektor "GriffinLink" soll beispielsweise ermöglichen, dass Strom eines britischen Windparks auf See direkt in das deutsche Netz eingespeist wird.
Laut Tennet und National Grid kann die Gleichstrom-Verbindung voraussichtlich Ende der 2030er Jahre genutzt werden. Zu den Kosten machten die Firmen zunächst keine Angaben. Die Windparks, die angebunden werden sollen, gibt es bisher nicht. Sie müssen noch errichtet werden.
Ein Interkonnektor ist eine länderübergreifende Stromleitung
Unter einem Interkonnektor wird eine Stromleitung verstanden, die Netze von Ländern verbindet. Hybrid drückt aus, dass sie zusätzlich Windparks anbindet.
Die Netzinfrastruktur kombiniert laut Bundeswirtschaftsministerium den Stromhandel zwischen zwei oder mehr Ländern direkt mit der Anbindung von Offshore-Windparks. Dies soll es ermöglichen, die Energie flexibel dorthin zu leiten, wo die Nachfrage am höchsten ist, während die Leitung bei Windstille weiterhin für den regulären Energieaustausch zwischen den Ländern genutzt werden kann.
Union und SPD haben im Koalitionsvertrag das Ziel formuliert, "einen ersten hybriden Offshore-Netzanschluss/Interkonnektor zu realisieren".
Auch dänische Windparks sollen angebunden werden
Der deutsche Netzbetreiber Amprion und der dänische Energinet teilten während des Nordsee-Gipfels mit, sich auf Genehmigungsverfahren vorzubereiten. Sie planen ebenfalls einen sogenannten hybriden Interkonnektor. Dieser könne zwei dänische Windparks auf See mit den Stromnetzen in Deutschland und Dänemark verbinden.
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Foto: Bloomicon / Shutterstock.com
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