26. September 2022 – Isabell Wüppenhorst

Brennende Kopftücher

Demonstration in Hamburg nach dem Tod einer 22-Jährigen Iranerin

Sie verbrennen symbolisch Kopftücher und scheiden sich die Haare ab: Hunderte Menschen haben in Hamburg und Berlin gegen die Diskriminierung von Frauen im Iran und das dortige Herrschaftssystem demonstriert. Auslöser ist der Tod einer jungen Frau.

Menschen bei einer Demonstration
Foto: Shutterstock / Ink Drop

Mehrere Hundert Menschen haben in Hamburg bei Kundgebungen gegen das Herrschaftssystem und die systematische Diskriminierung von Frauen im Iran demonstriert. Es sei dabei weitgehend friedlich gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.
Vereinzelt kam es zu kleineren körperlichen Auseinandersetzungen, etwa zwischen Demonstranten und Außenstehenden. Allein auf der Sternschanze demonstrierten am Samstagnachmittag bis zu 1000 Menschen. Am Abend gab es eine größere Kundgebung in der
Innenstadt mit etwa 400 Teilnehmern. Eine Frau verbrannte dabei symbolisch ein blaues Kopftuch, mehrere Menschen schnitten sich als Zeichen des Protestes ihre Haare ab. Andere trugen Schilder mit Aufschriften wie "Frau! Leben! Freiheit!" oder Fotos von Mahsa Amini, die vor einer Woche im Polizeigewahrsam im Iran starb.

Demonstration vor dem Generalkonsulat in Hamburg

Vor dem Generalkonsulat in Hamburg versammelten sich am Samstagnachmittag etwa 50 bis 80 Menschen auf Initiative der
Organisation Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) Deutschland. Die Menschen im Iran riskierten viel, sagte ein NWRI-Sprecher der
Deutschen Presse-Agentur. Sie dürften nicht alleine gelassen werden. Die Bundesregierung dürfe nicht tatenlos zusehen. Er forderte unter anderem, den iranischen Botschafter ins Auswärtige Amt einzubestellen und Sanktionen gegen führende Vertreter der Regierung. Auch vor der Botschaft des Iran in Berlin demonstrierten am Samstag rund 50 Menschen gegen die Situation in dem nahöstlichen Land. Die Kundgebung verlief friedlich. Kundgebungen gab es auch in weiteren Städten.

Auslöser der derzeitigen Proteste ist der Tod der 22 Jahre alten Amini

Auslöser der derzeitigen Proteste ist der Tod der 22 Jahre alten Amini. Sie war vor einer Woche im Iran von der Sittenpolizei wegen
eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen worden. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme
geschah, ist unklar. Bekannt ist, dass sie zunächst ins Koma fiel und am 16. September in einem Krankenhaus starb. Kritiker werfen der
Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück.

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(Quelle: dpa/Ino)

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