14. September 2020 – Stefan Angele

Exklusives Interview

Hamburgs Ärztechef fordert mehr Gelassenheit im Umgang mit Corona

Foto: Shutterstock
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Das Coronavirus bestimmt seit mehr als einem halben Jahr das Leben in Deutschland und hat den Alltag vieler auf einschneidende Weise verändert. Noch immer müssen die Hamburger mit vielen Einschränkungen im öffentlichen und privaten Leben leben und das wird wahrscheinlich auch noch eine ganze Weile so weitergehen. Genau aus diesem Grund sagt Hamburgs Chef des Ärzteverbandes, der Kassenhärztlichen Vereinigung Hamburg, Walter Plassmann im exklusiven Radio Hamburg Interview, dass der Umgang mit der Pandemie und dem Virus deutlich entspannter werden muss.

Virus nicht zu sehr dramatisieren

Man dürfe beim Umgang mit Corona nicht nur die Gefahr in den Vordergrund stellen und diese dann zur Richtschnur unserers Handelns zu machen sagte er im Interview. Auch soll man, so Plassmann, nicht zu sehr auf die Zahl der Neuinfizierten blicken sondern auch auf die der tatsächlich Erkrankten - auch im Hinblick auf die Kapazitäten in den Hamburger Krankenhäusern. "Es ist wichtig, dass wir uns angewöhnen die Dinge wieder richtig einzuordnen. Das Coronavirus verbreitet sich recht schnell, aber es ist kein tödliches Virus. Die Chancen sich zu infizieren sind schon gering. Die Chancen daran zu erkranken, sind noch geringer und die Chancen daran sehr zu erkranken, sind sehr, sehr gering", so Plassmann.

Panikmache kann gefährliche Konsequenzen haben

Plassmann kritisiert die Panikmache und die nur auf die Gefahr fokussierte Blick auf das Virus. "Dieses ständige Angst machen, schürt bei den Menschen eine Verunsicherung. Jemand der verunsichert ist, flüchtet sich in irgendetwas", erläutert Plassmann. Das seien auf der einen Seite die Menschen, die glaubten, dass das Virus überall lauern würde und jedem nach dem Leben trachten würde und deshalb ängstlich bemüht seien alles zu befolgen, was einem aus verschiedenen Ecken gesagt wird. Auf der anderen Seite sind dann aber die, die sagen, dass das alles Quatsch und Lüge sei und behaupten, dass man sich um gar nichts zu scheren habe. "Aber beides ist falsch! Der Grund liegt aber einfach in der Panik. Das muss aufhören", plädiert Plassmann im Radio Hamburg Interview.

Plassmann nimmt Medien und Politik in die Pflicht

Plassmann fordert vor allem von Politik und Medien eine ruhigere Sprache und mehr Einordnung der Lage. Den Leuten müsse gesagt werden, dass man sein Verhalten anpassen müsse und vieles eben anders sei als früher. Aber nicht hinter jedem leichten Husten lauere direkt der Tod.

Fixierung auf Infektionszahlen falsch

Ein wichtiger Punkt ist die Fixierung auf Infektionszahlen. Das ist aus der Sicht von Plassmann irreführend: "Auch ein Coronainfizierter ist im ersten Schritt nicht krank, sondern erst einmal nur infiziert." Stattdessen müsste man viel mehr schauen, wer am Ende auch krank wird. Ein Gradmesser sei hier die Zahl der Erkrankten in Krankenhäusern. Daraus schlägt Plassmann zukünftig einen ganz anderen Umgang mit dem Virus und Beschränkungen vor: "Schritt für Schritt kann man dann Lockerungen einführen. Punktuell kann man die Dinge dann aufheben und die Effekte beobachten. Aber eben mit Blick auf die Zahl der Erkrankten in den Krankenhäuser." Die Zahl der Infizierten wird auf jeden Fall steigen, so aber könne man viel besser bestimmen, welche Dinge man sich erlauben könne und welche nicht.

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