03. Februar 2022 – Stefan Angele

Wegen eines Knöllchens

Irrer Ausgang im Franzbrötchen-Bestechungs-Prozess

Franzbrötchen und Kaffee
Foto: Christian Horz/Shutterstock

Ihr erinnert euch vielleicht noch. Am Montag (31.03.) hat die neue Radio Hamburg Morningshow ziemlich angeregt über einen recht kuriosen Fall gesprochen, der jetzt am Mittwoch (02.02.) vor dem Amtsgericht in Altona verhandelt wurde. Ein Mann soll zwei Beamte vom Landesbetrieb Verkehr mit Franzbrötchen und Kaffee bestochen haben, um ein Knöllchen abzuwenden. Dieser kuriose Fall landete vor Gericht und am Mittwoch wurde auch direkt das Urteil gefällt - mit krasser Wendung!

Bestechung mit Franzbrötchen

Doch worum ging's eigentlich genau? Anfang Juli 2021 hatte der 32 Jahre alte, beschuldige Ertekin K. sein Auto im Parkverbot im Bereich der Ottensener Hauptstraße abgestellt. Als ihm dann zwei Mitarbeiter der Stadt ein Knöllchen verpassen wollten, wurde der Falschparker dann ganz schön kreativ, um den Strafzettel zu verhindern. Der Mann bot den Mitarbeitern daraufhin mehrfach ein Franzbrötchen und einen Kaffee an, wenn sie ihm kein Knöllchen verpassen würden. Die beiden Kontrolleure des Landesbetriebs Verkehr fanden das Angebot aber gar nicht lustig, lehnten ab und leiteten gegen den Mann ein Verfahren wegen Bestechung ein, woraufhin schließlich ein Strafbefehl über eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen verhängt wurde. Dagegen wollte der Mann nun vor dem Amtsgericht vorgehen.

Fall nimmt irre Wendung

Radio Hamburg Anwalt Simon Fischer hatte die Rechtslage schon ziemlich deutlich eingeordnet und erklärt, dass der deutsche Staat bei Bestechung oder Bestechungsversuchen bei Beamten absolut keinen Spaß versteht, um das Vertrauen in die Institutionen zu wahren. Genau dieser Argumentation schloss sich am Ende auch die Richterin an, die den Beschuldigten zu 1.800 Euro Strafe verurteilte. Zuvor kamen aber noch einige brisante Details ans Licht. Zwar behaupte der Angeklagte, dass er "in keinster Weise die Absicht gehabt (habe), jemanden zu bestechen und mir einen Vorteil zu verschaffen". Er habe seine Frau zum Arzt gebracht und nur ganz kurz im Parkverbot gehalten. Als er dann zurück kam, sprach er einen der beiden Ordnungshüter an mit: "Sie mögen wohl Franzbrötchen." Doof nur, dass dieser Beamte etwas korpulenter war.

„Wollte das alles nicht“

K. beteuerte dann zwar vor Gericht wiederholt, dass er niemand bestechen wollte, seine Aussagen vielleicht nicht ganz korrekt gewesen seien und er ganz sicher nicht wegen zwei Franzbrötchen eine Bestechung in Kauf nehmen würde. Vor Gericht sagten allerdings auch die beiden Mitarbeiter des Landesbetriebs Verkehr aus und bestätigten, den Bestechungsversuch. Auch nach wiederholter Aufforderung damit aufzuhören, habe der Beschuldigte es weiter probiert, sodass am Ende die Polizei gerufen werden musste.

Richterin mit klarem Ergebnis

Am Ende bekam Ertekin K. von der Richterin 30 Tagessätze in Höhe von 60 Euro aufgebrummt, also insgesamt 1.800 Euro. Bereits das Angebot sei ein Versuch der Bestechung gewesen. Die Bürger müssten am Ende darauf vertrauen können, dass "dass Diensthandlungen eben nicht käuflich sind." Ihr sei bewusst, dass der Wert des Angebots nicht hoch gewesen sei. "Das macht rechnerisch keinen Sinn. Aber manchmal kann man ein Motiv eben nicht wirklich verstehen." Von 1.800 Euro hätte sich der Angeklagte am Ende auf jeden Fall haufenweise Franzbrötchen kaufen können...

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